Zweite von zwei Zusammenarbeiten zwischen Guy Pearce und Alex Pettyfer, die erste, The Infernal Machine (2022) in einem anderen Metier, dem des Psychothrillers zugeordnet und mit einer anderen Konstellation, die Beachtung selber gleich groß oder gleich gering, je nachdem, wie man das beurteilen und werten möchte, die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen. Dort hat Pettyfer 'nur' eine äußerst wichtige Figur übernommen, die mit ursächlich für den Ausgangspunkt war, aber dann mehr erwähnt wurde als tatsächlich gezeigt, das ist hier etwas andersherum, ein Duell findet statt, weniger ein Einzelbild, zudem sind die Rollen vertauscht und die darstellerischen Leistungen auch unterschiedlich präzise:
Eine Kleinstadt im (mutmaßlich) Nordwesten Amerikas wird von dem Demagogen Reynolds [ Guy Pearce ], einem Fabrikbesitzer, schon seit Jahren eingeschüchtert, erst mit Unterstützung seiner Mutter [ Olwen Fouéré ], jetzt vor allem auch durch den für ihn tätigen Deputy Dee Gillespie [ Kurt Yaeger ]. Reynolds hat es vor allem auf die seiner Meinung nach nicht hierher gehörenden Ausländer abgesehen, derzeit speziell die Familie von Yan Loi [ Crystal Yu ], einschliesslich ihren Sohn Edward [ William Gao ] und die kleine Tochter Emily [ Riley Chung ]. Als eines Tages der entkräftete Fallon [ Alex Pettyfer ] auf den Hof der Lois stolpert, scheint er sich als einzige Hoffnung der Verängstigten, aber auch als etwas Unerklärliches zu entpuppen.
Mit einem Mythos wird hier begonnen, einer gruseligen Tradition, früh ausgeführt und von Generationen übernommen, eher noch gesteigert in den Opfergaben, noch potenziert statt reduziert. Eine Legendenbildung mit Jahrhunderten Bestand, es wird von einem Dämon gesprochen, die zu erklärende Welt aufgebrochen und mit dem Unnatürlichen und/oder dem Übernatürlichen vereint, eine bleibende Furcht geschaffen, eine albtraumhafte Realität. In die Natur wird gegangen, vor Ort (in Irland allerdings) gedreht, Landschaften nicht geschaffen, sondern erkundet und genutzt, sich den Verhältnissen angepasst (The Infernal Machine spielt in South Carolina, wurde aber in Portugal fotografiert) und Inspiration daraus bezogen, eine Welt aus Vorhandensein und Fantasie gezeichnet, die düstere Prophezeiung kommt vom ersten Bild an und vor allem dem ersten Ton. Pearce wird hier als "and" geführt, im Zusatz, er bekommt die ersten richtigen Einstellungen und die ersten Sätze, eine Rede, vor einem schweigenden Publikum, einer Audienz quasi, wobei das Gesagte erst keinen Zusammenhang oder keine inhaltliche Basis aufzuweisen scheint, aber dann zum Punkt kommt; und das Gesagte auch genauso für die Anderen bestimmt ist wie er mehr oder minder zu sich und für sich selber spricht. Es geht um das große Ganze, soviel ist sicher und deutlich, es kommt zu einem Gewaltausbruch, welcher nicht unbedingt erwartbar war, aber auch nicht direkt ausgeschlossen, die zweite Szene, die zweite mit Tod und Blut.
Das Verschwinden von Menschen ist hier mit an der Tagesordnung und gewohnt, das Versterben auch von Tieren der Umgebung dann die Nachrichten wert, drei Monate sind vergangen, eigentlich bereits mehr als zehn Jahre, die Zustände noch nebulös, das umliegenden Gebiet sowieso von Schlieren umgeben, es gibt mehr Andeutungen und Ausschnitte und Wiederholungen bereits gezeigter Visualitäten auch. Eine lokale 'Rivalität', ein Anschlag mit einem Molotowcocktail wird gerade noch verhindert, ein Neuankömmling stolpert in das Örtchen, ein Fremder unter Fremden. Es geht um Misstrauen, begründet auch, es geht um Abschottung, um Isolation, mehr aus Schutz und der Notwendigkeit heraus, nicht aus dem Wollen und den Wünschen, sondern dem Willen zum Überleben. Fetzen von Erinnerungen, erste Annäherungen, erste genauere Vorstellungen der handelnden Personen, all dies nimmt etwas Zeit in Anspruch, ein wenig Zögern und Holpern und Stolpern, dann die Festigung und die Vergrößerung.
Es existiert eine Stadt hier (von der man außer einer Bar und einer Tankstelle mit Shop kaum etwas sieht, außer Außenaufnahmen, von sichtlich woanders her), die von einem Tyrannen geführt wird, der nur zu Reden braucht und alles auf ihn hört, es wird sich weggeduckt wie vor dem Boogeymann im Schrank, es wird weggeschaut, die eigene Angst vergeblich zu ignorieren versucht. Es spielt eher im Nirgends und im Zeitlosen, es spielt ein wenig mit Fremdenhass, mit Rassentrennung, mit Sinophobie speziell, es wird auf die eigenen Eigenheiten verwiesen und auch darauf gepocht, es wird sich ausdrücklich gegen eine 'Vermischung' ausgesprochen, gegen Integration, gegen Migration. Es gibt mehrere Ebenen der insgesamt dennoch sparsamen Geschichte, die man seitens Regisseur Andrew Baird auch nicht so richtig in den Griff, nicht in den Rhythmus bekommt, es bleibt bei Momentaufnahmen und dem Füllen von Lücken. "I'm just painting a picture so the Asian understands. You see, Mrs. Loi, this town is, it's like a spider's web. Everyone's lives all intertwined. The threads are real strong. I'm sure it's the same in the, the village or whatever it was you came from." - "I came from a city." - "Well, a city." - "A city with museums and theaters and schools and universities. A city we chose to leave behind and now I'm here." - "Yeah, you are alone." - "You're pathetic. I'm not scared of you." - "They excitable them gooks."
Der (deutlich unterfinanzierte) Film könnte auch bloß in dem an allen Ecken und Kanten und bei jedem Schritt knarzenden Haus (soll eine Art Farmhaus sein, man sieht aber keinen wirklichen Hof, kein Umland) spielen, zuweilen wirkt er auch so, in sich abgeschottet, selbst die drei über gebliebenen Familienmitglieder scheinen sich ab und an fremd zu sein, keinen richtigen Zugang zueinander zu haben; der Fremde ist da bloß noch eine weitere Ergänzung, kein Keil in der Beziehung. Der ganze Ort ist am Sterben, das ganze Areal bräuchte dringend eine Notfallversorgung, eine Transfusion, Erythrozytenkonzentrate oder Plasma oder etwas anderes flüssiges außer Alkohol, was Leben bringt oder es zurückholt; auch das Werk selber hat keine richtige Dringlichkeit, ist aber nicht ohne Wirkung. Wenn man alle metaphorischen Zutaten des Filmes weglässt und ignoriert, könnte es von der Prämisse her auch etwas wie Ohne Ausweg (1993) sein, der Drifter, die bedrohte Familie, das korrupte Gesetz, die Verteidigung der rechtmäßigen Werte und des erworbenen Landes vor allem, plus der Vollzug einer Rache, ist alles hier ebenso vorhanden und auch mit am deutlichsten ausgeprägt; die Abwehr des Polizisten, der den Wachhund der Lois mitnehmen will, weil er zuvor einen Brandanschlag von Schergen vereitelt hat, "I'm the fucking law!" - "Remember, that uniform don't mean shit around here.", usw. usf., hier als existenzielles Drama, im Düsteren verankert, im Minimalismus, im Asketismus, kränkelnd, kachektisch und entzügig mit Horrormotiven unterlegt, mit "fucking voodoo shit."