DAS FRANKFURTER KREUZ mutet an wie ein sehr melancholischer, mit schmissiger Musik konterkarierter Beitrag zum allgegenwärtigen Trinkhallensterben in Deutschland. Ja, man hat sogar das Gefühl, als bräuchte man nur eben auf die andere Straßenseite zu laufen, um einige der Szenen und Dialoge in Echtzeit zu erleben. Soviel soziale Nähe ist natürlich nicht jedermanns und jederfraus Sache. Die Gefahr, eine witzlose Alltagssimulation ohne Überraschungsmomente zu drehen, war für Herrn Karmakar schon sehr groß. Glücklicherweise gab's ja noch die am 27.7.1981 im Hessischen Rundfunk gesendete Hörspielvorlage "Für eine Mark und acht" von Jörg Fauser und die interessante Idee von Herrn Karmakar, die Handlung einfach auf den Silvesterabend 1999 vorzuverlegen. Bei all der gezeigten Melancholie und Depression vermied man so das unheilvolle und schon etwas abgegriffene Schwadronieren über Hartz IV, Ich AG und Flaschenpfand aus dem Jahre 2005.
Trinkhallenchef Walter hält zur Jahrtausendwende offenbar nichts von Computerzeitschriften und vertraut lieber den Umsatzklassikern Schnaps, Bier, Kaffee und Zigaretten. Ständig wird an seinem Preisniveau herumgenörgelt, aber dafür spielt er ja auch willig den Müllschlucker der Probleme seiner Kundschaft. Der Schickeria ist sein Sortiment nicht fein genug und die vielen Depressiven unter seiner Kundschaft verscheuchen die zahlungswilligen Optimisten. Da er zu seinen langjährigen Stammkunden durchaus ein persönliches Verhältnis unterhält, kann er sie nicht einfach vor die Tür setzen. Viele der alten Kundenbeziehungen haben sich in nicht mehr rentable Abhängigkeitsverhältnisse verwandelt. Hilflos muss er mitansehen, wie sein Geschäft langsam, aber sicher den Bach hinuntergeht. Zudem scheint es ein unbekannter Stalker auf seine Tageseinnahmen abgesehen zu haben. Am Ende des langen Silvesterabends ohne bedeutende Einnahmen entsteht der Eindruck einer unglaublichen psychischen Belastung. Co-Autor und Regisseur Romuald Karmakar lässt den Fluss der Worte und Emotionen demonstrativ in einem ausgedehnten "Blues für Blondinen" ausklingen.
Wer den Film SMOKE mit den Episoden um den Tabakladenbesitzer Auggie Wren in Brooklyn schon mochte, sollte an der Trinkhalle oder besser dem "Wasserhäuschen" FRANKFURTER KREUZ nicht einfach vorbeigehen. Offenbar in Düsseldorf gedreht, aber handlungsmäßig in der Mainmetropole Frankfurt angesiedelt, entsteht allein schon durch den seltsamen Mischmasch der Akzente und Dialekte der Eindruck einer überwältigenden Verlorenheit aller Beteiligten.