Ein Trip nach Indien, der ist blutig...
In den letzten Jahren hat sich die Anzahl der One-Man Revenge-Actioner drastisch erhöht. Von "The Equalizer" bishin zu "John Wick" ist alles vertreten, was Rang und Namen hat und ordentlich auch mal zulangen kann. Die Kinokassenzahlen geben dem Konzept Recht und so wird das Rad der einsamen Rächer weitergesponnen, bis die Schmerzgrenze erreicht ist. Nur Ort und Akteure verändern sich, aber sonst bleibt alles beim alten. Bollywooder Dev Patel, eigentlich in Großbritannien geboren, wollte seine eigene Idee verwirklichen und outete sich als Fan solcher grobschlächtigen Actionkeiler. Und so durfte er dank Mitproduzent Jordan Peele seinen gehegten Traum ins Kino bringen. Zudem fungierte Patel gleich in mehreren Positionen des Stabs: als Drehbuchschreiber, Produzent, Hauptdarsteller und letztendlich auch als Mann hinter der Kamera.
Kid kämpft nachts in illegalen Kampfschuppen, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Dabei muss er bei den geschmierten Kämpfen zu Boden gehen. Dabei trägt er eine Affenmaske, daher rührt sein Spitzname: Monkeyman. Eines Tages heuert er in dem Royality Klub: "Lion" als Tellerwäscher an und arbeitet sich nach oben; mit dem Ziel, sich an der wohlhabenden Elite zu rächen, die sich in dem schmutzigen Edelschuppen vergnügt, die einst an dem Mord an seiner Mutter und der Vernichtung seines Dorfes beteiligt waren. Allen voran, Polizeichef Rana Singh, korrupt und brutal, sowie dem Sektengleichen Anführerguru Baba Shakti, der grösstenwahnsinnig ist und zugleich der Vorgesetzte von Singh und damals befahl, Kid' s Zuhause zu zerstören. Die Rachelawine rollt an.
Hier mal eine exotische Actiongulaschkanone, die schon etwas an "Farang" erinnern dürfte, aber in einer fiktiv angelegten Asia-Metropole spielt. In glitzernden und neofarben getauchten Bildern wird hier Exotic-Nightlife Atmosphäre erzeugt, unterlegt mit einem wummernden Neon-Beats Score; ergibt eine stylishe Urlaubsfeelimpression. Die rasanten Schnitte und teils grobwacklige Kameraführung können schnell schwindelerregend wirken und wären eventuell, sparsamer eingesetzt, besser zur Geltung gekommen. Und so wirkt leider alles eine Spur zu hektisch, was dem Film allerdings keinen Abbruch tut. Das Pacing an sich ist fulminant und nimmt sich kaum Zeit für Verschnaufspausen. Selbst ruhig gesellte Passagen werden lakonisch abgehandelt.
Dev Patel weiss als gewandter Rachengel, der zwischen tragischem Helden sowie einfühlsamen Ottonormalo agiert, sich in Szene zu setzen und nimmt den Zuschauer mit auf seine oft leidvolle Odyssee, die geprägt von Rachegelüsten, religiösen Werten und Gefühlen irgendwo zwischen "Bloodsport", dem legendären "John Wick und anderen Neuzeithelden ansiedelt. Welche Eigenarten bei solch einem bildgewaltigen, aber eher handlungsarmen Revenge-Actioner nicht fehlen dürfen, ist wohl allemann bekannt. Trotz ordentlich gestreuter Dialoge und bissiger Ironie (man denke an die Fahrstuhlmusik), überwiegt der Actionteil und macht keine Gefangenen. Mit rauem Ton und harten Bandagen wird hier zu Werke gegangen. Zwar erkennt man Parallelen zum Charakterdrama, nichtsdestotrotz überwiegt der sinnlose Akt der Zerstörung von menschlichem Leben in Blutrage. Die schnörkellose und beinhart dargestellte Gewalt heiligt alle Mittel, wirkt oftmals schon, dem Genre gewidmet, maßlos übertrieben und cartoonhaft. Das Gesplattere, so könnte man es schon annehmen, wirkt zwar nicht mehr ganz taufrisch, unterhalten kann der "Monkey Man" dann trotzdem, da das Gesamtpaket stimmt. Und Dev Patel' s Traum konnte gelungen auf die Leinwand gebannt werden.
Blutrünstige Selbstjustizschau mit zerbrechlichem Helden und vielen obskuren Nebenfiguren in einer prachtvoll kitschig bunt gehaltenen Mikrostory. Macht aber nix, Patel rockt in allen Belangen seine vielseitigen Rollen am Set. Nicht anspruchsvoll, aber auch nicht schlecht, die visuelle Schlachtplatte.
Ist die FSK:18 Freigabe gerechtfertigt? Oh ja, auf alle Fälle. Splatterrama mit viel Gewalt und Blut. Auch nackte Schauwerte durften hier nicht fehlen.