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„Public Enemy“ ist ein weiterer unterhaltsamer Streifen von Mark L. Lester, wenn auch nicht ganz so temporeich wie „Showdown in Little Tokyo“ oder „Phantom Kommando“.
Amerika um die Jahrhundertwende vom 19. ins 20. Jahrhundert: Kathy lebt nach dem Tod ihrer Mutter mit ihren Brüdern und ihrem pädophilen Vater zusammen, entflieht aber schnell und schlägt sich als Schnapsbrennerin durch. Als junge Erwachsene lernt Kathy (Theresa Russell) George Barker (Richard Eden) kennen und lieben, worauf sie ihn heiratet. Beide arbeiten zusammen als Tagelöhner. „Public Enemy“ legt größeren Wert auf die Figuren als viele andere Genreproduktionen und hebt sich daher durch die bessere Story ab.
Doch die soziale Ungerechtigkeit bringt das Ehepaar immer weiter in die Armut, wobei die Tatsache, dass sie vier Söhne haben, alles andere als hilfreich ist. Während George die Jungs jedoch zu rechtschaffenden Männern heranziehen will, bringt Kathy ihnen bei sich durchzuschlagen – notfalls mit Kriminalität und Gewalt. Wie jede Outlaw-Ballade versucht auch „Public Enemy“ seine Hauptfiguren zu vermenschlichen und macht dies gar nicht schlecht, denn wie in anderen Gangsterepen sind die Charaktere trotz ihrer Brutalität sympathisch.

In den 30ern müssen Herman (Joseph Lindsey), Lloyd (Joseph Dain), Doc (James Marsden), Freddie (Gavin Harrison) und Kathy ’Ma’ Barker George wegen der zahlreichen Gefängnisaufenthalte der Jungs George verlassen und beginnen zu gefürchteten Bankräubern zu werden. Doch das FBI und die Polizei versuchen die über Leichen gehende Gangsterfamilie mit allen Mitteln zu stoppen...
Die Geschichte von „Public Enemy“ ist eine klassische Outlaw-Ballade wie z.B. „Bonnie und Clyde“ und schildert in Auszügen das Schicksal der zentralen Gangster. Auch wenn man durch den historischen Kontext den Ausgang schon kennt, so kommt die Story doch auf ein solides Maß an Spannung und die Wendungen können halbwegs überraschen. Das Tempo ist im Mittelfeld anzusiedeln, könnte aber etwas höher sein, denn wenn die Zeit zwischen den Actionszenen etwas zu lang wird, wird die Geschichte doch etwas zäh und zeigt, dass sie ohne die Action nicht bestehen könnte.
Neben der handwerklich soliden, wenn auch nicht überragenden Geschichte präsentiert der Film noch eine ziemlich gute Atmosphäre, die vor allem aus dem 30er Jahre Szenario resultiert. Die alten Autos, Waffen, Kleidung usw. erzeugen Stimmung und bieten eine Abwechslung, wie man sie nur selten im B-Actiongenre bekommt. Die Charaktere sind auch etwas besser ausgearbeitet als im Genre üblich, können aber keinen Tiefgang wie in vergleichbaren A-Movies erreichen. Hier liegen auch die oben erwähnten Längen, die dann auftreten, wenn der Film sich zu lange und zu sehr auf die Familiendramatik konzentriert und weniger auf die Action.

Die Action ist, wie man es bei Mark L. Lester gewohnt ist, ziemlich gut inszeniert und geizt nicht mit ziemlich blutigen Einschüssen. Durch das Szenario vorgegeben beschränkt sich die Action zwar nur auf Feuergefechte, doch die Shoot-Outs überzeugen in Menge und Inszenierung, weshalb es für den passionierten B-Action in diesem Punkt nichts auszusetzen gibt. Die deutsche Fassung ist dank ziemlich geschickt gesetzter Schnitte noch ziemlich ansehnlich, aber der Genrefan sollte sich natürlich auf die Suche nach einer ungekürzten Version machen.
Theresa Russell spielt die Hauptrolle ziemlich gut, auch wenn die Darsteller der Söhne noch überzeugender und besser daherkommen. Eric Roberts und Alyssa Milano sind ganz OK, aber beide haben recht kleine Parts. Die Nebendarsteller agieren auch alle auf ziemlich hohem B-Niveau.

So bleibt eine überzeugende Outlaw-Ballade der Güteklasse mit schicker Action, auch wenn die Story stellenweise ein paar Längen hat.

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