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Was passiert, wenn ein junger Mann mit einer Frau durchbrennt, deren Vater aber nicht damit einverstanden ist? Richtig, es riecht nach Ärger. Doch das ist nicht das einzige Problem des jungen Helden in diesem Früh-Italowestern von 1965:

Steve (Stephen Forsyth) und sein Kumpel Duke sind begnadete Pistolenschützen. Nach ihrem letzten Auftrag, bei dem Duke verletzt wird, entschließt sich Steve einen bürgerlichen Beruf anzunehmen und brennt mit Dukes Tochter Susan durch. Dieser schwört an seinem Krankenbett Rache. Währenddessen wollen sich Steve und Susan in dem Ort Providence niederlassen. Doch schon bald bekommt Steve Probleme mit den beiden reichsten Bürgern der Stadt. Als dann auch noch Dukes Frau Fabienne auftaucht, wird die Luft immer dicker...

Es ist eine dieser typischen Westernstorys. Ein Mann kommt in eine Stadt, welche von einem oder mehreren reichen Bürgern unterdrückt wird, und beginnt mit der bestehenden Ordnung aufzuräumen. Auch wenn die Story nicht neu ist, so wurde sie wenigstens spannend inszeniert. Interessant an diesem Film ist der Subplot rund um Duke bzw. Fabienne und Steve. Dieser bringt eine gewisse Unbekannte in den Film, die das eigentlich klare Ende in Gefahr bringen könnte. Leider wurde darauf erst zum Ende des Films zurückgegriffen, während im Rest des Films mehr auf Steves Situation und Probleme mit den o.g. Bürgern eingegangen wird. Auch ist Dukes Motiv für den geplanten Mord an Steve mehr als unrealistisch.
Es wurde genauso versäumt mehr auf Fabiennes Part einzugehen, da ihre Entwicklung doch sehr sprunghaft ist und Unglaubwürdig wirkt. Ansonsten kommt während der gesamten knapp 80 Minuten eigentlich nie das Gefühl der Langeweile auf. Ruhigere Szenen wechseln sich gekonnt mit Schießereien und Prügeleien ab, welche sogar relativ hart verlaufen. Man merkt dem Film jedoch an, dass er sich an seinen amerikanischen Brüdern orientiert hat und noch nicht den „dreckigen“ Stil der späteren Italo-Western verfolgt.

Schauspielerisch sticht keiner der Akteure wirklich hervor. Sowohl Stephen Forsyth, der den Steve spielt; als auch die restlichen Schauspieler. Man merkt Allen eine gewisse Unsicherheit an. Auffallend ist dies bei den beiden weiblichen Darstellerinnen. Sie füllen den Raum zwar körperlich aus, scheinen aber geistig nicht ganz anwesend zu sein. Ein bisschen mehr Gefühl und Emotionen hätte ihnen gut getan. Genauso bei den männlichen Darstellern. Das Gebotene wirkt irgendwie nicht richtig echt, viel zu steril. Die Bösen werden nicht unsympathisch genug dargestellt, um wirklich ernst genommen zu werden. Das, was ich zu den weiblichen Schauspielern gesagt hab, kann man auch zu Forsyth sagen. Es wirkt einfach zu emotionslos.

Sehr erfreulich ist jedoch die Musik von Nico Fidenco. Besonders die Gitarrenstücke vermitteln eine sehr gute Atmosphäre und man kann sich nicht satt hören an ihrer Schönheit. Doch auch die restlichen Stücke fügen sich sehr harmonisch in die dargebotenen Bilder ein und erzeugen eine passende Stimmung.

Auf technischer Ebene bietet der Film gekonnte Standardkost. Höchstens die vereinzelt eingestreuten Subjektiven stellen eine Besonderheit dar. Ansonsten wird mit ruhigen Bildern oder kleineren Fahrten die Landschaft eingefangen. Auch der Schnitt ist ruhig und vermittelt so einen insgesamt harmonischen Verlauf des Films.

Pistoleros ist ein solider Frühwestern, dem etwas mehr Spieldauer, gespickt mit der Entfaltung mancher Charaktere, sichern gut getan hätte. Trotzdem kann man ruhig mehr als einen Blick riskieren und wird kurzweilig unterhalten.
5.5/10

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