iHaveCNit: A Real Pain (2025) – Jesse Eisenberg – Fox Searchlight Pictures
Deutscher Kinostart: 16.01.2025
gesehen am 06.02.2025
Capitol Arthouse Mainz - Parkett – Reihe 13, Platz 8 – 18:30 Uhr
David und Benji sind Cousins, die unterschiedlicher nicht sein könnten und sich ein wenig voneinander entfremdet zu haben scheinen. Beide Amerikaner sind jüdischen Ursprungs und haben polnische Wurzeln. Beide entschließen sich zu einer gemeinsamen Reise nach Polen, um sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen, auf Spurensuche zu gehen und ihre verstorbene Großmutter zu ehren.
Es ist klar, dass es schon sehr viele Filme über den Holocaust und die historische Aufarbeitung mit dem Thema geht. Dennoch hat es im letzen Jahr und auch in diesem Jahr zwei Filme gegeben, die jedoch absolut passende und wichtige Filme gibt, die sich aus der Masse hervorheben. Da wäre zum einen der großartige „The Zone Of Interest“ von Jonathan Glazer und auch „A Real Pain“ von Jesse Eisenberg kann sich dazu gesellen, weil er sich dem Thema auf eine ganz besondere Art annähert und einen interessanten Blickwinkel einnimmt. In einer Mischung aus Roadtrip und Tragikomödie geht es hier um die Verarbeitung mit dem aus der individuellen und auch kollektiven Trauer und Traumata bedingten Schmerzes. Den Schmerz, der aus der unterschiedlichen Verarbeitung der Trauer und damit verbundenen, unverarbeiteteten Konflikten entsteht und auch der Schmerz, der sich durch dunkle, historische Kapitel ins kollektive Gedächtnis einer ganzen Gemeinschaft eingebrannt hat. Mit einer eigenen jüdischen Vergangenheit kann Eisenberg hier voll und ganz aus der jüdischen Perspektive den Film erzählen. Mit einer Portion Menschlichkeit, Bodenständigkeit, Lebensnähe und auch einem gewissen Maß an Respekt und Demut schafft der Film mit dem Besuch der Städte Warschau und Lublin sowie dem an Lublin angrenzenden Konzentrationslager ein wichtiges Stück Erinnerungskultur und der Film setzt sich auch in gewisser Art und Weise kritisch mit damit verbundenen, geführten Reisegruppen und dem Fokus dieser Reisen auseinander. Ein weiterer wichtiger Kern des Film ist jedoch vor allem sein Hauptdarsteller-Duo aus Jesse Eisenberg und Kieran Culkin, die beide zusammen großartig sind und hier auf jeden Fall Culkin mit seiner eher extrovertierten, einnehmenden, furchtlosen und dennoch melancholischen Darstellung von Benji Kaplan einfach noch hervorzuheben ist. Eisenberg schafft hier einen Film, der zum Einen unterhaltsam ist und zum anderen auch berührt und zum Nachdenken und zur respektvollen Andacht anhält bei seiner zugrundeliegenden Thematik. Jedoch war der Film mir in seinen 90 Minuten eine gewisse Spur zu kurz und kompakt, weil ich David und Benji noch länger bei dieser Reise begleitet hätte.
„A Real Pain“ - My First Look – 8/10 Punkte