Nach dem Tod ihrer Großmutter treffen sich die ungleichen Cousins David und Benji für eine Reise nach Europa. Es geht nach Polen, wo sich die beiden einer Reisegruppe anschließen, um nicht nur der jüdischen Geschichte in diesem Teil der Welt, sondern auch der ihrer Großmutter ein Stück näher zu kommen. Und vielleicht auch sich selbst, denn die Leben der beiden Verwandten haben sich in recht unterschiedliche Richtungen entwickelt.
Jesse Eisenberg hat sich in „A Real Pain“ einiges aufgehalst. Als Autor, Regisseur, einer der Hauptdarsteller und Mitproduzent war er bei der Herstellung des Films nicht unterbeschäftigt, meistert die sichtbaren Ergebnisse allerdings ausgezeichnet. Sein David ist der ruhigere, überlegtere Part des Gespanns. Und doch ist er typisch das, was Eisenberg schon des Öfteren gespielt hat, eben dieser etwas neurotische Charakter, zu dem ich schnell eine Verbindung finde. Kieran Culkin als Cousin Benji ist da das komplette Gegenteil. Extrovertiert auf diverse Arten, dabei sprunghaft und sich treiben lassend eckt er an, schafft aber immer wieder eine Verbindung zu den ihn umgebenden Personen. Niemand, mit dem ich gerne Zeit verbringen würde. Eine anstrengende und doch interessante Figur, denn sie ist in ihren Aussagen ebenso nachvollziehbar wie auch eben dann wieder nicht. Trotz seiner Art bleibt am Ende auch Mitgefühl zurück, denn Benji leidet sichtbar unter sich selbst und kann nicht daraus ausbrechen. Culkin spielt dies facettenreich und ebenso unstet wie es die Figur selbst ist, im positiven Sinne.
Musikalisch gibt es passenderweise oft Chopin zu hören, gedreht wurde vieles vor Ort, was der Reise einen authentischen Anstrich gibt. Diesen gibt es ebenso durch den geschichtlichen Hintergrund, die Reise zu Orten des Holocaust wird ohne Druck auf die Tränendrüse und dennoch nahbar angegangen. Und hier spiegeln sich die Gegensätzlichkeiten der beiden Hauptfiguren in dem Erleben der Tour wider. Mit seinen neunzig Minuten ist „A Real Pain“ verdichtet, was der Erzählung guttut. Wie die durchgeplante Tour zieht das Skript seine Figuren nach Plan durch diese Erfahrung.
„I'm oversharing.“
Am Ende verweist der Titel von Eisenbergs zweiter Regiearbeit klar auf mehrere Dinge. Die Reise in die Vergangenheit ist da der Hintergrund, vor dem sich die Spannungen zwischen den beiden Hauptfiguren entladen. Eine Besserung ist nicht in Sicht und so endet „A Real Pain“ im Kreis. Mit Nachhall.