Eine massige Figur erhebt sich langsam aus dem Waldboden und macht sich auf, eine entwendete Halskette zurückzuholen – und dabei alles zu töten, was seinen Weg kreuzt. Im Grunde also dasselbe, was vor ihm schon ganze Generationen von blutrünstigen Gestalten taten, ob sie nun Michael Myers, Jason Vorhes oder Victor Crowley hießen.
Doch in diesem Film ist alles anders: Erzeugen Slasher für gewöhnlich ihre Spannung, indem sie den Killer im Verborgenen lassen, bis er sich dann mit Pauken und Trompeten, beziehungsweise Streichern und Synthiesounds wie aus dem Nichts auf seine Opfer stürzt, stapfen wir hier dem übernatürlichen Bösen („Johnny“) in gebührendem Abstand hinterher wie in einem Third Person-Slasher, begleitet von nichts anderem als Vogelgezwitscher und dem Rauschen des Waldes auf der Tonspur.
Beim Verfolgen „unserer“ Opfer machen wir ganz schön Strecke, durch Wald und Gebüsch und auch mal unter Wasser. Wer schon immer mal wissen wollte, wie lange Michael Myers eigentlich unterwegs ist, um ganz Haddonfield unsicher zu machen – hier ist Euer Film.
Von Horrorfans als „Walking Simulator“, „deadly boring“ und „Naturdoku“ verspottet, ist IN A VIOLENT NATURE mit seinen zum Teil grotesken Todesarten, den platten Dialogen und simpel gezeichneten Charakteren, den meist dummen Entscheidungen und schlechten Schauspielern eigentlich nichts anderes als die Blaupause eines prototypischen Slashers. Nur eben auf eine Weise inszeniert, welche die Mechaniken des Subgenres bisweilen schonungslos offenlegt und seinen Zuschauern dadurch sowohl den gewohnten „Thrill“ versagt als auch jegliche Gore-Geilheit unterläuft. Kein Wunder sind die Fans enttäuscht.
Dabei ist dieser „Arthouse Freitag der 13.“ spannender als die meisten Durchschnitts-Slasher, weil er tatsächlich mit neuen Perspektiven aufwartet – in jeder Hinsicht. Ein sehenswertes Experiment.