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Nachdem Damiano Damiani bei „Töte Amigo“, einem nicht nur für ausgesprochene Genre-Fans äußerst sehenswerten Italo-Western, Regie führte, wandte er sich vornehmlich dem Mafia-Thema zu. Dies gelang ihm mit den Filmen „Der Tag der Eule“ und dem zu deutsch etwas marktschreierisch klingenden „Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert“ (jeweils mit der Galionsfigur Franco Nero) außerordentlich gut. Beides sind vielschichtige, differenzierte Sichtweisen auf das Leben um die sogenannte ehrenwerte Gesellschaft, welches Damiani schonungslos zu entlarven weiß und seine Filme genauso ernüchternd wirken lässt wie es die Realität mutmaßlich ist. Seine Filme sind gewissermaßen der spartanische, unbequeme, italienische Gegenentwurf zum pompösen (aber nichtsdestotrotz grandiosen) amerikanischen Mafia-Epos des Paten von Coppola.

Danach schnappte er unter der künstlerischen Fuchtel von Sergio Leone für das Nobody-Sequel nocheinmal kurz staubige Western-Luft, bevor ihm nach einigen anderen Werken wie etwa dem Mitwirken an der „Allein gegen die Mafia“-Serie der bislang nicht sonderlich bekannte aber dafür nicht weniger gut gelungene „Pizza Connection“ gelang. Diesmal ist es weniger Staat versus Mafia als vielmehr der Konflikt zweier Brüder, deren Beziehung an den Grenzen der anderen, der kriminellen „Familie“, zu scheitern droht.

Mafioso Mario reist für einen Auftragsmord aus den Staaten nach Italien und trifft dort seine Familie wieder, u.a. seinen kleinen Bruder Michele. Dieser jobbt auf dem Markt, verdient sich ehrlich sein Geld, lernt ein Mädchen kennen und hat mit krummen Geschäften nix am Hut. Zunächst ist das Wiedersehen herzlich und Michele schaut auf zu seinem großen Bruder aus Übersee. Doch das Blatt wendet sich, als er hinter die Fassade blickt. Unfähig und unwillens, sich von seinem älteren Bruder in kriminelle Machenschaften, geschweige denn einen Mord an einem Richter, mit hineinziehen zu lassen, lässt sich Michele nicht mehr von Mario blenden und versucht sogar die Pläne der Mafia zu durchkreuzen. Mario droht die Situation zu entgleiten und alles läuft auf eine Entscheidung zwischen dem Auftrag und damit der Integrität als Mitglied der Mafia und seiner richtigen Familie hinaus...

Im Vordergrund steht das Drama um die beiden Brüder, die sich gegenseitig von ihrem Way of Life überzeugen wollen. Die Mafia propagiert ihrerseits Ehre und Zusammenhalt, ist aber gleichzeitig der treibende Keil zwischen die Familienbande. Damiano Damiani zeichnet einmal mehr ein schonungsloses Bild einer Subgesellschaft, die oft genug nahe der Glorifizierung oder zumindest ambivalenten Bewunderung filmisch dargestellt wird und wurde. Eine blitzsaubere Regie, wenige aber tadellose Actionszenen, spannende Zwiespältigkeiten und ein wunderbar melancholisches Ende lassen keine Wünsche offen.

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