Was für eine Kombination: Damiano Damiani, bekannt für seine gesellschaftskritischen Mafiafilme, dreht für das US-Actionstudio Cannon einen Film – „Pizza Connection“.
Im Original heißt das Ganze dann „New York Connection“, aber beide Titel beziehen sich auf die erste Hauptfigur des Films: Mafiakiller Mario Aloia (Michele Placido), der in New York eine mäßige Pizzeria als Tarngeschäft betreibt. Mario ist ein Antiheld im Stil des Italowestern: Einen konkurrierenden Killer bringt er kurzerhand um, damit ihm ein lukrativer Auftrag in Bella Italia zugeschanzt wird und er in seine Heimatstadt zurückkehren kann. In anderen Filmen wäre eine derartige Figur vielleicht der Schurke gewesen, „Pizza Connection“ setzt ihn dem Zuschauer einfach als Hauptfigur vor.
Zweite Hauptfigur ist Marios Bruder Michele (Mark Chase) – das genaue Gegenteil seines emigrierten Geschwisterleins: Ein junger, hart arbeitender Mann, der mit der Mafia nichts zu tun haben will. Seine Bereitschaft gegen Kriminelle auszusagen kostet ihn den Job, an sich sogar alle Jobs, da ihn danach niemand mehr einstellen will. Das Mädchen, in das er sich verliebt, wird von der Mutter zur Prostitution gezwungen und Michele ist hilflos. Konträrer könnten die Brüder nicht sein, schwach wirkender Idealist und cooler Killer.
Doch Mario braucht noch Leute für seinen Coup, die spektakuläre Ermordung einer Führungspersönlichkeit. Aus der Not heraus nimmt Michele an, merkt aber schnell, dass er die Sache nicht billigen kann...
„Pizza Connection“ ist ein interessanter Mix der Einflüsse von Regie- und Produktionsseite. Der Cannon-Attitüde sind vor allem die Actionszenen geschuldet, von denen es zwar nur wenige gibt, in denen es dann aber ordentlich rummst und eine gewisse Härte zu verzeichnen ist. Sie sind auch etwas vordergründiger als ihre Pendants in anderen Damiani-Filmen, mehr auf den Schauwert hin inszeniert, doch das mindert ihren Unterhaltungswert bei weitem nicht.
Damiani stattet den Film hingegen mit einer kritischen Perspektive aus, beleuchtet das Geschäft der Mafia: Opfer werden kalt nach der Medienwirkung ausgesucht, die ihr Tod haben könnte, selbst hohe Stellen sind von der ehrenwerten Gesellschaft infiltriert worden und bei Komplikationen ist man auch gewillt über zwei, drei Leichen mehr zu gehen. Da stehen die Brüder auch für zwei Sichtweisen: Der resignierte Mario macht den Job und besteht darauf, wenn er es nicht täte, dann würde es jemand anders tun, während Michele auf Recht und Gesetz pocht. Dabei ist Damiani ambivalent genug keine der beiden Seiten als Ideallösung zu präsentieren, denn am Ende verlieren beide Brüder in gewisser Weise; manche Erfolge verdanken sie gar nur der Intervention des anderen.
Eindrucksvoll ist die letzte Szene des Films, die das komplizierte Bruderverhältnis noch mal in tragischer Weise auf den Punkt bringt. Davor ist „Pizza Connection“ dann eher konventionell, stellenweise auch etwas langatmig. Gerade die Szenen um Micheles Flamme und ihre Prollosippe sind manchmal arg klischeehaft und in ihrer Ausgewalztheit nicht immer nötig, auch beim Mafiaplot laufen ein oder zwei Handlungsstränge ins Leere. So wird ein jugendlicher Killer als potentielle Gegenfigur zu Michele aufgebaut, taucht dann aber doch nur hin und wieder auf, wenn er dem Plot dienlich ist, ohne dass die mögliche Rivalität der beiden vertieft wird.
Auf Starpower verzichtet „Pizza Connection“ dann, hat mit Michele Placido aber einen Glücksgriff getan: Eiskalter Mörder und liebender Bruder in einer Person, mal übt er Druck auf den Bruder aus, mal spielt er den Beschützer, und trotzdem vereint beide Seiten des Charakters glaubwürdig. Mark Chase muss in seiner Rolle vor allem motzen, legt den Michele vielleicht etwas zu kindisch an und kann nicht ganz neben Placido bestehen, schlägt sich aber doch ganz wacker – ebenso das durch die Bank weg ordentliche Ensemble der Nebendarsteller.
„Pizza Connection“ ist nicht ganz so packend oder kritisch wie andere Damiani-Filme, aber trotzdem ein spannender Mafiakrimi mit einem sehr guten Hauptdarsteller sowie einigen schicken Actioneinlagen.