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Ein vergeltungssüchtiger Terrorist und Ex-Spezialagent kapert eine U-Bahn und droht diese in die Luft zu jagen, falls seine Forderungen nicht aktzeptiert werden. Doch ist zufälligerweise ein Cop und erklärter Erzfeind des Bösewichts an Bord und heizt selbigem mächtig ein.

Es hätte so schön sein können! Doch Baek Woon-Hak vergass bei seinem "Tube" vor lauter spektakulärer Action und mehr oder weniger dreister Anleihen bei ähnlichgelagerten Film wie Michael Bays "The Rock" Story, Logik und Charakterentwicklung in selten erlebter Krassheit. Spektakulär eröffnet der Film mit einer wilden, ganz offensichtlich von Michael Manns "Heat" inspirierten Schiesserrei auf einem Flughafen. Hier gehts doch mächtig zur Sache und der Actionfans wähnt bereits einen neuen Meilenstein des Genres vor sich. Ein Irrtum, wie sich alsbald herausstellt.

Im Folgenden baut "Tube" erstmal massiv ab und langweilt den Zuschauern mit (zu vielen) Klischeecharakteren, peinlichen Kitschszenen und einem äußerst konstruierten Storyaufbau. Ist die Todes-Bahn erstmal unterwegs, gibts wieder toll inszenierte Action satt mit Shoot-Outs, Schlägerreien und gut aussehenden CGI-Explosionen wie die eines kompletten Bahnhofes. Logischerweise darf auch eine Spezialeinheit der Polizei in einem wilden Feuergefecht niedergemacht werden - so verlangen es die Genrestatuten.

Was den Filmspass jedoch mächtig trübt, ist die katastrophale Logik des Streifens. Praktisch nicht eine Handlung der Terroristen ist nachvollziehbar, ebenso kurios gestalten sich zahlreiche Aktionen des Helden und das Unvermögen von 100 Polizisten 2 Terroristen auf wenige Meter Entfernung wegzupusten. Weitere Beispiele liessen sich im Dutzend finden, doch ich erspar mir das an dieser Stelle.

Die Darstellerriege hinterlässt einen gemischten Eindruck. Die Hauptakteure spielen recht gut - für ihre dämlichen Charaktere können sie schließlich nichts -, einige der Nebencharaktere rangieren jedoch am untersten Ende der Schauspielerriege und haben wohl eine entsprechende Schule niemals von innen gesehen. Zusammen mit den vielen kleinen, peinlichen Kitschszenen und den unpassenden weil schlecht eingebauten Anleihen bei großen Hollywood-Blockbustern (klar, Bahnzentrale muss vom Militär gesichert werden, weil Armageddon es vormachte, incl. jubelnder Techniker bei jedem Erfolg) wirft dies kein gutes Licht auf den Film.

Fetziger Soundtrack, coole Action und hochschicke Bilder sind eben doch nicht alles! Leider stürzt rund um diese Aspekte im Falle von "Tube" zu vieles wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Das bekloppte (Kitsch)-Ende setzt dem ganzen schließlich die Krone auf und hinterlässt einen ratlosen bis enttäuschten Zuschauer. Schon ziemlich unglaublich, wie man einen reinrassigen, nicht übermäßig harten Actionfilm so leichtfertig verhunzen kann...

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