Wer als Filmneuling erst gar nicht auf die Filmförderung setzt und sein Projekt in gänzlicher Eigenproduktion angeht, setzt dabei wahrscheinlich mehr Herzblut ein als andere. Dies ist dem Langfilmdebüt des Österreichers Daniel Limmer in Nuancen anzumerken, doch letztlich waren die Ambitionen deutlich zu hoch angesetzt.
Nachdem ihre Mutter bei der Geburt der Schwester starb, muss sich die 13jährige Lena (Lena Schönleitner) um den Säugling kümmern. Ihr Vater scheint indes von einem parasitären Pilz befallen, welcher binnen kurzer Zeit Halluzinationen auslöst und mit dem Tod endet. Ist auch Lena von dem Pilz infiziert oder schlicht von der zermürbenden Situation überfordert?...
3000 Euro sind eigentlich kein Budget, sondern eine Notwendigkeit, um die Basis des Equipments, einige Effekte oder eventuelle Bearbeitungssoftware zu bilden, während die Laiendarsteller aus dem Freundeskreis recht wahrscheinlich umsonst performten.
Die minimalistische Umsetzung, zu 98 % in Schwarzweiß gehalten, wirkt in vielen Momenten improvisiert, obgleich ein storytechnischer roter Faden erkennbar ist, - immerhin, denn bereits im Vorwort wird darauf hingewiesen, dass dies eigentlich kein Film im herkömmlichen Sinne sei.
Die Grundidee, die im Zuge des Lockdowns reifte, ist in ihrer dystopischen Sichtweise nachvollziehbar, wobei die Umsetzung eben einen arg begrenzten Kosmos bebildert und sich stark auf Hauptfigur Lena fokussiert. Dabei arbeitet Limmer viel mit Überblendungen, einigen schrägen Kamerawinkeln und zahlreichen Nahaufnahmen, die nicht immer den rechten Fokus aufweisen und auch die Wackelkamera bei kurzen Temposzenen hätte vermieden werden können. Hinzu gesellen sich zuweilen kleine Farbstiche in Blau und Rot, die den surrealen Touch der Angelegenheit unterstreichen, der im Verlauf stets zunimmt.
Die wenigen Effekte beschränken sich auf die partielle Auswirkung des Pilzes auf Hautpartien, während starke Verfremdungen in die Bereiche von Fieberträumen reichen, was gleichermaßen auf auditiver Ebene vollzogen wird. Dadurch driftet das Geschehen über weite Teile in Momentaufnahmen ab, die eher auf atmosphärische Ebene wirken sollen, erzählerisch jedoch nichts hervorbringen.
Erst in der zweiten Filmhälfte, als Lena sich zwangsläufig in Bewegung setzt, einige stimmungsvolle Schneelandschaften eingebettet werden und der gut abgestimmte Score effektiver zum Tragen kommt, kristallisiert sich so etwas wie eine Pointe heraus, die sich in den finalen Einstellungen weitgehend bestätigt. Bei alledem ist primär Jungmimin Schönleitner ein Lob auszusprechen, die alles andere als wie ein Neuling performt, sondern glaubhaft in ihrer Rolle aufgeht, was auch auf die übrigen Darsteller zutrifft.
Dennoch entfalten sich die nur 75 Minuten als zweischneidiges Schwert. Dramaturgisch betrachtet entsteht hier zu keiner Zeit Spannung, eine greifbare Bedrohung wird stets relativiert und die simple Story kommt nie in die Gänge. Auf rein atmosphärischer Basis sind passable Ansätze vorhanden und auf audiovisueller Ebene ist durchaus Talent erkennbar.
Nur ein konventionelles Werk, wie die Macher selbst zugeben, ist „Enter Mycel“ eben in keiner Hinsicht.
4,5 von 10