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State of Mind beginnt mit dem viel zu kurzen Auftritt der spanischen Horrorlegende Jacinto Molina Álvarez aka Paul Naschy (1934 - 2009), der in freudiger Erwartung einer schnellen Nummer selbst penetriert wird, und zwar mit einem Messer. Danach springt die Geschichte zu Barbara (Manouk van der Meulen), die allein in einem alten, riesigen Haus auf dem Lande wohnt. Wie es der Zufall so will, passiert praktisch vor ihrer Haustüre ein schwerer Verkehrsunfall. Barbara eilt ohne zu zögern zu Hilfe und bringt das Ehepaar Ruth (Lisa Gaye) und Jack (Don Hannah) in Sicherheit; für die dritte Person im brennenden Wagen, eine aufgelesene Anhalterin, kommt jedoch jede Hilfe zu spät. Aufopfernd kümmert sich Barbara, eine ehemalige Krankenschwester, um die Verletzten, doch bald bemerken ihre Gäste, daß hier etwas gewaltig im Argen liegt. Der kontaktierte Arzt läßt auf sich warten, die Eingangstüre ist ständig versperrt, und die ach-so-fürsorgliche Barbara pumpt die beiden mit Drogen voll, damit sie sich ruhig verhalten. Den ermittelnden Polizisten Loomis (Fred Williamson) und Wishman (Jill Schoelen mit kurzen Haaren) verschweigt sie selbstverständlich, daß sich die Überlebenden des Unfalls in ihrer Gewalt befinden...

State of Mind ist ein ziemlich langweiliges Psychohorrordrama, das sich so mühsam wie unspektakulär über die Runden schleppt, nur um gegen Ende mit einem netten Twist zu überraschen. Das beste an dieser reichlich öden internationalen Koproduktion ist die Besetzung, obwohl der Schein größer ist als das Sein. Während Fred "The Hammer" Williamson nur drei oder vier Szenen hat und dabei seine obligatorische Zigarre pafft, hat Jill Schoelen als seine Partnerin immerhin etwas mehr zu tun und muß am Ende sogar eine handfeste Kampfszene absolvieren. Paul Naschys Mitwirkung beschränkt sich auf den anfänglichen Cameoauftritt; mehr war aufgrund seiner angeschlagenen Gesundheit (er kam frisch von einer Herzoperation und konnte sich keine Texte merken) einfach nicht möglich. Lisa Gaye - die sich mit Jill Schoelen einen Zickenkrieg lieferte - hat sich mit ihren Rollen in diversen Troma-Filmen (z. B. The Toxic Avenger Part II + III) einen Namen gemacht und eine kleine Fangemeinde aufgebaut, und Don Hannah war einer der Surfer in A Nightmare on Elm Street und steht nach wie vor im Schatten seiner wesentlich berühmteren Schwester Daryl. Insofern verwundert es nicht wirklich, daß sich der Großteil des geringen Budgets in die Taschen der "Stars" verabschiedete.

Gedreht wurde in Belgien, und wenn man Regisseur Reginald Adamson für etwas loben darf, dann dafür, daß es ihm gelungen ist, eine düstere, bedrückende, unangenehme Atmosphäre zu kreieren. Die Geschichte, die unverfroren bei Hitchcock (Psycho) und King (Misery) klaut, stammt von Johan Vandewoestijne, dem belgischen Produzenten, der unter anderem Les Mémés Cannibales (Rabid Grannies) auf die Welt los ließ. Leider kommt der in den USA von Troma vertriebene State of Mind an diesen Schocker in keinster Weise ran, was hauptsächlich darauf zurückzuführen ist, daß das Drehbuch einfach schlecht und darüber hinaus ziemlich verwirrend ist, daß die Figuren uninteressant sind und daß die Schauspieler scheinbar lustlos agieren. Die spannungslose und uninspirierte Regie verstärkt dann den schwachen Eindruck nur noch. Und da man auch auf heftige Gewaltdarstellungen wie bei den Rabid Grannies verzichtete, gibt es kaum etwas, was den Zuseher bei der Stange hält. Ein ausgesprochen unbefriedigender Film.

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