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Der elfjährige Orion hat Angst. Vor sozialer Interaktion, dem Schulrowdy, zu versagen, Strahlung - vor eigentlich allem. Am meisten aber vor der Dunkelheit, was die Nächte zu einer ziemlichen Tortur macht. Das will sich vor allem die Dunkelheit selbst nicht mehr mitansehen und nimmt Orion in Gestalt des schwarz gewandeten Dark mit auf seine Tour. So will er dem Jungen die Angst nehmen, was allerdings erst einmal gar nicht so gut funktioniert.

Aufhorchen lässt im Vorspann der Name Charlie Kaufman, der hier das Drehbuch verfasste. Dennoch basiert die Geschichte auf dem Kinderbuch von Emma Yarlett und so ist es zwar schwierig, Kaufmans Einfluss auf die Erzählung in Unkenntnis des Buches zu bewerten, ein paar Einfälle passen aber durchaus zu seiner Art. Leider recht wenige, denn „Orion and the Dark“ ist insgesamt eher ein typischer Vertreter aus der zweiten Reihe, der zwar eine interessante Idee hat, diese aber anhand wenig ausgetüftelter Wegpunkte präsentiert. Dafür aber mit einem kurzen Einschub mit Werner Herzog.

Die Angst vor dem Dunkel ist verbreitet und nachvollziehbar, da trifft der von Sean Charmatz inszenierte Animationsfilm durchaus einen Nerv. Und auch die mehreren Ebenen in der Erzählung, die er hier im Verlauf etabliert, sind eine nette Idee. Dem gegenüber stehen aber einige weniger ansprechende Einfälle. Die Truppe, mit der Dark arbeitet, wirkt wie ein müder Abklatsch aus Pixars „Inside Out“. Der generelle Aufbau mit seinen dramaturgischen Punkten ist (abseits der erwähnten Ebenen in Bezug auf die erzählende Person) das übliche Schema und wenig überraschend. Auch gehen manche Wechsel im Verhalten von Orion von jetzt auf gleich. Das kann man mit der Art der Erzählung erklären, jedoch scheint das im späteren Verlauf auch keine wirklich neuen Impulse zu geben. Außer, dass es zum Ende hin absurd wird und so wirkt, als wüsste man nicht, wie man das aus einer weiteren Perspektive auserzählen könnte.
Die Präsentation ist solide, nutzt das Potenzial, welches den Themen Dunkelheit, Traum etc. innewohnt, aber nicht aus. Wenn man böse ist, kann dem Werk auch vorwerfen, eine lächerlich simplifizierte Auseinandersetzung mit dem Thema Angststörung zu sein. Ansichtssache.

Unterm Strich zwar ein netter Animationsfilm, der allerdings sein Thema nicht ausschöpft. Weder erzählerisch noch visuell. Wer durch den Namen Charlie Kaufman angelockt wird, mag enttäuscht werden. Ansonsten gilt: kann man mal machen, muss man aber nicht.

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