Charmante Ängste
Orion ist ein Junge mit vielen Ängsten. Vor Tieren, vor Wasser, vor seinen mobbenden Mitschülern. Manchmal unterbewusst wohl sogar vor sich und der Angst selbst. So weird wie das klingt. Aber vor allem auch vor der Dunkelheit - bis er eines Tages von niemand Geringerem als der Dunkelheit selbst Besuch bekommt und mit ihr durch die Nacht fliegt…
Selbstzweifel & Sonnenuntergänge
„Orion & The Dark“ behandelt Themen wie Angststörungen und Selbstzweifel mit viel Witz, Farbe, Geschwindigkeit, Ehrlichkeit und positiven Argumenten. Von seinen Ansprüchen ist das in seinen besten Phasen an Pixar dran. Und das heißt schon was. Visuell macht das ebenfalls vieles richtig, sehr farbenfroh und kontraststark. Und die Themen und geschichtlich-zeitlichen Sprünge werden vor allem Eltern emotional (positiv) zu schaffen machen. Das Konzept erinnert etwas an „Inside Out“, vor allem einige skurrilere Nebenfiguren wie Sleep oder Insomnia. Die Synchronsprecher (im O-Ton geguckt) können sich hören lassen. Und als Gute-Nacht-Filmchen für Kinder taugt das trotz seiner gruseligeren bzw. emotional ernsthafteren Themen - eventuell sollte man mit dem Filmbeginn deswegen etwas früher anfangen und muss dann nachher über manche Themen und Ansätze mit den Minis sinnvollerweise sprechen. Oder am nächsten Tag. Mir fehlt etwas ein Bösewicht bzw. ein zentraler Konflikt, was aber geschickt durch Tempo, visuelle Strahlkraft und vor allem interne Charakterprobleme überspielt wird. Das clevere und mutige Charlie Kaufman-Drehbuch merkt man absolut. Für einen Kinderfilm ist das erstaunlich tiefgründig und ambitioniert. Vielleicht fehlt diesen reiferen Details und ganz menschlichen Ängsten etwas die Luft zum Atmen in diesem animierten, zeitlich arg begrenzten Rahmen.
Eine Dunklenachtgeschichte
Fazit: ernste Themen, süßer Look, liebenswerte Figuren & eine kindliche Faszination für die Dunkelheit, den ganz persönlichen Horror, das Abseitige - „Orion“ trifft meist meinen Geschmack und mein Herz! Nur manchmal wirkt er minimal gehetzt und überfrachtet, sprunghaft und in finaler Konsequenz oberflächlich für solche tiefgreifenden, generationenumspannenden Topics. Und einige Sequenzen, Ideen, Figuren und Designs - kurz: Muster - kennt man sehr ähnlich von Pixar. Aber das kann man auch als Kompliment sehen. Und das Ende wirkt etwas cheaty. Ansonsten aber wohltuend.