Review

ACHTUNG ! SPOILER !

„Gangster Jack Surnett is shot in the head by police in a gun battle. When a surgeon declares that only a brain transplant can save Surnett, the criminal's men go in search of another gangster who is biologically similar.
The victim is found and executed, and finally his severed head is graftet to Surnett's body. But the operation is hardly a success... Surnett becomes a murdering maniac, sowing terror as he stains the countryside CRIMSON.“

Diese Zusammenfassung der Handlung auf dem Cover der britischen „Careyvision“ VHS von 1985 ist insofern irreführend, da nicht Surnett's Kopf gegen den eines anderen ausgetauscht wird, sondern nur die Teile seines Gehirns, die durch die Kugel zerstört wurden. Ansonsten wäre Paul Naschy, der in der Rolle des Surnett zu sehen ist, schon nach wenigen Minuten komplett aus dem Film verschwunden gewesen! 
Etwas besser trifft es da schon der Autor des Textes auf der US-DVD von „Image Entertainment“:
"After a jewel robbery goes horribly wrong and their leader, Jack, (Naschy) is shot in the head, a band of thieves goes to a local doctor for help. To save their friend's life, the criminals devise a unique scheme: kill their worst enemy, toss his body onto a railroad track in front of an oncoming train, and use his severed head for a brain transplant! Unfortunately, the unwilling donor, the Sadist, turns Jack into a raging lunatic bent on murder and destruction!"

Paul Naschy, der an der Spitze der Besetzungsliste steht, hat in diesem Film so gut wie nichts zu tun. Erst nach 50 Minuten spricht er die ersten paar Worte, ansonsten ist er entweder gar nicht zu sehen, oder er liegt mit einem auffälligen Kopfverband im Bett herum. Erst gegen Ende des Films ist er in ein paar Szenen zu sehen, in denen er wortlos einige Statisten attackiert, bis er ziemlich prosaisch von der Polizei erschossen wird.

LAS RATAS NO DUERMEN DE NOCHE (zu Deutsch etwa: Ratten schlafen nicht während der Nacht) ist eine absolut ärmliche französisch-spanische Co-Produktion aus der Eurocine Küche. Die müde Gangster-Plotte wurde mit etwas SF-Brimborium aufgemotzt, doch aufgrund des schmalen Budgets hat der Film keinerlei Schauwerte zu bieten. Die Gehirnoperation findet Off-Screen statt und auch sonst gibt es nicht viel zu sehen, weder packende Action, noch nennenswerte Splatter-Szenen, und auch bei den Nuditäten gibt sich der Film, zumindest in der allgemein bekannten Fassung, eher verschämt. Es wurden zwar auch einige „erotische“ Szenen gedreht, diese tauchen aber in den landläufigen Fassungen des Streifens nicht auf. So wurden einige Sequenzen einfach um sexuelle Darbietungen verlängert,  andere wurden gleich in zwei verschiedenen Versionen gedreht, einmal mit bekleideten, einmal mit unbekleideten Darstellern. In einer Szene fällt z.B. eine tote Frau aus einem Schrank. In der gängigen Version ist Sie bekleidet, die gleiche Szene wurde aber auch mit einer unbekleideten Darstellerin gedreht. Die Pornographie-Nahen „erotischen“ Szenen befinden sich als Extra auf der DVD von „Image Entertainment“ und sind von einer geradezu erschreckend unästhetischen und unappetitlichen Qualität. Auch Paul Naschy war in zwei dieser Szenen involviert, doch für die ganz „intimen“ Momente (in denen der Hintern des Darstellers zu sehen ist) kam eindeutig ein Body Double zum Einsatz. Möglich, dass diese Szenen ohne Naschys Wissen in den Film montiert wurden.

Die Akteure, von denen die meisten nur über eine sehr schmale Filmographie verfügen, agieren im Übrigen zumeist auf unterstem Niveau und auch Naschy kann in seiner weitgehend passiven Rolle keinerlei positive Akzente setzen. Aufgrund des niedrigen Budgets konnte sich die Produktion augenscheinlich auch keinen Hairdresser leisten, denn ein Teil der Darsteller läuft mit Frisuren durch die Gegend, bei denen einem Angst und Bange wird!
Etwa in der Mitte des Films gibt es noch einen echten Brüller in Form eines abgefilmten, mehrere Minuten langen Nightclub Acts, eine Art Ballett,  in dem sich zwei auf asiatisch getrimmte Typen in lächerlichen Fellwesten und roten Stiefeln um eine Frau im goldenen Bikini balgen. Mitten in der Nummer löst sich die Frau wie eine Fata Morgana plötzlich in Nichts (!!) auf, ohne irgendeine Erklärung, und taucht dann kurz vor Ende der Show genauso unvermittelt aus dem Nichts wieder auf. Eine absolut rätselhafte und extrem alberne Szene. 

LAS RATAS NO DUERMEN DE NOCHE ist ein Film mit bescheidenem Unterhaltungswert, der allenfalls für Naschy-Komplettisten wirklich von Interesse sein dürfte.

In Deutschland ist CRIMSON, wie fast alle Filme von Juan Fortuny, offiziell bisher nicht aufgeführt worden. Die Britische VHS-Fassung (84:48 Minuten) des Films von „Careyvision“, erschien in der „Horror Theatre“ Reihe und verzichtet auf eine Vorspannmusik (es rauscht nur) und die Synchronisation ist ziemlich stümperhaft. Die DVD von Image Entertainment läuft 89:24 Minuten, beinhaltet die gleiche britische Synchro und eine französische Sprachfassung, außerdem den Trailer zur französischen Fassung „L'Homme à la tête coupèe“, den Vorspann dieser Fassung mit zusätzlichen Credits und die bereits erwähnten „Erotikszenen“ als Extras. Im Netz kursiert zudem eine Fassung in spanischer Sprache (98:16 Minuten), bei der die Nuditäten wieder eingefügt wurden. Wer's braucht!

In der Reihe „Horror Theatre“ wurde auch der köstliche Humbug „Orloff et l'Homme Invisible“ von Pierre Chevalier als „The Invisible Dead“ auf VHS veröffentlicht, an dem Juan Fortuny ebenfalls beteiligt war, obwohl nicht ganz eindeutig zu klären ist, in welcher Funktion. 2003 kam bei „Arrowfilms“ eine DVD unter dem Titel „Orloff Against the Invisible Man“ auf den Markt, auf der es eine Englische, Französische und Deutsche Tonspur gibt. Unter dem Label „Horror-Festival“ (Copyright LOCO, W. Germany) wurde der Film auch in Deutschland auf VHS als „Der unsichtbare Tod“ herausgebracht. 2001 kam eine DVD von „X-Rated“ unter dem Titel „Das Schreckenshaus des Dr. Orloff“ in deutscher Fassung auf den Markt. Als Extras gibt es u.a. den interessanten alten deutschen Kinovorspann zu sehen. Auch bei diesem Film wurden einige Szenen mit bekleideten bzw. unbekleideten Darstellern gedreht.

Ausführliche Zusammenfassung der Handlung:

Jack Surnett (Paul Naschy) verdingt sich in der Gangsterbande von Henry (Olivier Mathot) als Safeknacker. Als bei einem Überfall auf einen Juwelier die Alarmanlage losgeht, liefert sich die Bande eine Verfolgungsjagd mit der Polizei. Surnett erleidet dabei einen Kopfschuss. Die Gangster können zwar entkommen, doch Surnett ist lebensgefährlich verletzt. Sie bringen ihn zu dem verwahrlosten Arzt Dr. Ritter (Carlos Otero), den sie in der Hand haben. Dr. Ritter versorgt den Verletzten, doch es ist schnell klar, dass der Arzt die nötige Operation nicht durchführen kann. Daraufhin bringen die Männer Surnett zu dem Spezialisten Dr. Teets (Richard Palmer), einem alten Studienfreund von Ritter, der zurückgezogen auf dem Land lebt. Dr. Teets, der insgeheim Forschungen auf dem Gebiet der Hirntransplantation betreibt, begrüßt Ritter zunächst freundlich. Nachdem Ritter ihm sein Anliegen geschildert hat, weigert sich Dr. Teets, die Operation durchzuführen, zumal seine Hände nach einem Unfall im Labor untauglich für eine solche OP sind. Seine Frau Ana (Sylvia Solar) unterstützt ihn seitdem bei seiner Arbeit. Schließlich erklärt sich der Arzt immerhin bereit, Surnett zu untersuchen. Das Ergebnis: Um ihn retten zu können, benötigt Dr. Teets ein anderes Gehirn.
Da kommt Dr. Ritter auf die Idee, einen seiner früheren Patienten, Spitzname El Loco (Roberto Mauri), Anführer einer rivalisierenden Gang, als unfreiwilligen Spender zu nutzen. El Loco ist dummerweise aber auch Surnetts „worst enemy, the man Surnett hates the most.“
Henry schickt daraufhin seine beiden Handlanger Paul (Yul Sanders) und Karl (Victor Israel) los, um El Sadico zur Strecke zu bringen. Surnetts Freundin Ingrid (Gilda Anderson) lockt den Mann in eine Falle und Paul erschießt ihn hinterrücks. Paul und Karl nehmen die Leiche mit, doch sie bringen es nicht fertig, ihr den Kopf abzuschneiden. Kurzerhand legen sie den toten Körper auf die Bahngleise und der nächste Zug erledigt die Aufgabe. Dann bringen sie den Kopf in das Haus von Dr. Teets. Um diesen und seine Frau zur Mitwirkung zu zwingen, entführen sie die kleine Tochter der beiden, die bei Ingrid festgehalten wird.

So entnimmt Dr. Teets das Hirn aus dem Kopf von El Sadico und legt es in eine Nährflüssigkeit. Mit Hilfe von Dr. Ritter und Teets Frau, die das Skalpell nach seinen Anweisungen bedient, führt er dann die OP durch, die erfolgreich verläuft.
Aus lauter Bosheit schicken Henry und seine Leute den Kopf von El Sadico an dessen Freundin Barbara (Evelyn Scott). Die Mitglieder der Bande, angeführt von Willy (Richard Kolin), dem Nachfolger von El Sadico, machen sich nun auf die Suche nach den Übeltätern.

Inzwischen ist Surnett aus seiner Ohnmacht erwacht, und klagt über schlimme Träume und Kopfschmerzen. Als Ingrid ihn küsst, versucht er sie zu erwürgen: „My brain is torturing me. I can't seem to control it. Go now, it's stronger than I am!“ flüstert er Ingrid zu. Willy uns seine Männer schnappen sich bald darauf Dr. Ritter und Ingrid und foltern sie, um herauszufinden, wo sich Surnett versteckt hält. Dessen Zustand verbessert sich zunehmend. Er wird körperlich immer stärker, doch sein Kopf schmerzt und er hat das Gefühl, nicht mehr er selbst zu sein. Dr. Teets will mit einer weiteren Operation die Persönlichkeitsveränderungen stoppen, doch dazu kommt es nicht mehr.

Dr. Ritter hat sich derweil mit letzter Kraft in das Haus von Dr. Teets zurückgeschleppt und warnt seine Kumpane. Dann erliegt er seinen Verletzungen. Willy und seine Leute haben inzwischen das Haus eingekreist. Paul ist der erste, den sie erwischen und an einem Baum aufknüpfen. Barbara schleicht sich in das Haus, um Surnett zu ermorden, doch der kann sie überwältigen und vergewaltigt sie mit den Worten: „The sadist is alive! And I am he! And I want you, now!“  Danach durchstreift Surnett die Umgebung des Hauses und attackiert eine Frau aus dem Dorf. Henry geht im letzten Moment dazwischen und bringt Surnett, der wieder Ohnmächtig geworden ist, zurück ins Haus. Dr. Teets untersucht ihn erneut, um festzustellen, was mit Surnett geschehen ist. Im Dorf ist die Bevölkerung inzwischen aufgrund der Ereignisse rund um Dr. Teets Haus alarmiert. Henry und Karl beschließen deshalb, den Ort zu verlassen und Surnett seinem Schicksal zu überantworten. Auf der Flucht in ihrem Wagen werden sie von Willys Leuten beschossen, und Henry stirbt im Kugelhagel der MPs. Karl kann zunächst noch entkommen und Willy und einen weiteren Mann erschießen. Er flüchtet zurück ins Haus. Um sein Leben zu retten, will Karl nun Surnett an den Rest der Bande ausliefern, kann ihn aber nicht finden. Daraufhin verschanzt er sich in einem der oberen Zimmer, wo er die Leiche von Ingrid entdeckt. Dann wird er durch das Fenster erschossen. Surnett flüchtet währenddessen aus dem Labor und attackiert Ana, der es aber gelingt, ihm eine Betäubungsspritze in den Rücken zu rammen. Surnett taumelt durch das Labor, zerbricht mit seinem Kopf eine Glastür und torkelt blutüberströmt ins Freie. Hier wird er von der inzwischen eingetroffenen Polizei niedergestreckt. Tödlich getroffen, bleibt er reglos in einem Stacheldrahtzaun hängen...

Details
Ähnliche Filme