Konflikte ohne (Schwer-)Kraft
Die I.S.S. - hier lediglich aufgeteilt unter Russen und Amerikanern - ist fair und freundlich aufgeteilt, die Fronten zwischen Ost und West weichen langsam auf und einstige Feinde haben sich längst angenähert - doch genau jetzt sieht die Besatzung dieses kammerspieligen Space-Thrillers eine Atombombe nach der nächsten auf der Erde leuchten und die ersten Meldungen ihrer plötzlich wieder verfeindeten Länder auf dem Heimatplaneten geben gegenseitig gefährliche Befehle…
„I.S.S.“ ist schade. Denn er verspielt meiner Meinung nach eine tolle und spannende Kammerspielausgangslage mit vielen gesellschaftlichen, politischen und menschlichen Aspekten in einem sehr durchschnittlichen und lahmen Space-Thriller. Da drehen Drehbuch und Regisseur einfach nicht genug auf. Oder haben nicht genug drauf… Was tun, wenn die Obrigkeit dir befiehlt, plötzlich gegen freundliche Kollegen oder gar Freunde brutal vorzugehen? Ohne dass du wirklich Grund oder Sinn in diesem übergelagerten Konflikt erkennen kannst? Land und Nationalität vor Vernunft und Menschlichkeit? Ja, wie gesagt, die Prämisse von „I.S.S.“ ist gerade in der heutigen Zeit wichtig, stark und wertvoll. Leider ist der eigentlich Krimi dann aber austauschbar wie Bolle und audiovisuell kümmerlich. Weder Enge noch Reibung, weder Spannung noch Paranoia, weder Freundschaft noch Feindschaft kommen gut genug rüber. Wie schade. Wie gerne hätte ich mit diesem Start einen Hitchcock oder Fincher am Werk gesehen, eventuell auch mit etwas mehr Budget und Aufwand. Raffinesse eh.
Fazit: spannende Prämisse, bemühter bis lahmer Inhalt… „I.S.S.“ ist höchst akut aber leider nur selten höchst spannend. Ehrlich gesagt nie so richtig für mein Empfinden… Schade.