Fortführung von Fantomas (1964) und dessen Erfolg nicht nur lokal, sondern auch im weiteren europäischen Ausland; in Frankreich selber hat man minimal (ca. 300.000) Zuschauer weniger als beim Vorgänger eingespielt, hatte allerdings auch dieselbe starke Konkurrenz wie im Vorjahr (und auch folgend 1967), speziell die aktuellen Bondfilme. Und zwei weitere Arbeiten von Louis de Funès, die nächste Fortsetzung Der Gendarm vom Broadway sowie den Überflieger des Jahres, Scharfe Sachen für Monsieur, der sämtliche Kollegen mit überragendem Vorsprung abhing, den Darsteller endgültig zum derzeit gefragtesten Mann machte und seine Mitwirkung hier überhaupt erst möglich (und für die Produzenten nötig):
Das Frohlocken über das vermeintliche Verschwinden von Fantomas [ Jean Marais ] und die irrige Annahme, man wäre den Verbrecherkönig nun für immer losgeworden, wärt nur bei Kommissar Paul Juve [ Louis de Funès ] und Inspektor Michel Bertrand [ Jacques Dynam ] nur kurz; längst hat dieser einen neuen Plan geschmiedet und bereits die Umsetzung dessen gestartet. Nach der Entführung des Professeur Marchard [ Albert Dagnant ] soll folgend Professor Lefèbvre [ Jean Marais ] unter seiner Kontrolle gebracht und ein Welteroberungsvorhaben in die Tat umgesetzt werden, was nicht bloß die Polizei, sondern auch der Journalist Jérôme Fandor [ Jean Marais ] und seine Verlobte, die Pressefotografin Hélène Gurn [ Mylène Demongeot ] tunlichst vermeiden wollen.
Fantomas gegen Interpol selber ist die Mischung aus Espionnage und Comédie, die Comédie policière et d'aventure, im Groben und ohne die Feinheiten zu erkennen zumindest, im Pitch für das Publikum und als Schlagzeile für den Verkauf. Der Film ist auch mehr von dem, was man zuvor auf die Leinwand gebracht hat, mehr Spektakel, mehr Reisen (nach Italien), mehr Aufwand ("Wir leben in der Epoche der Geheimagenten und der Gadgets!", das finale Unterwasserhauptquartier, über mehrere Ebenen "auf dem Abhang eines versunkenen Vulkans", "inmitten der Trümmer einer zerstörten Stadt", könnte auch von Ken Adam in Pinewood hergerichtet sein), mehr Slapstick, in jeder Hinsicht; etwas, dass den zeitgenössischen lokalen Kritikern nicht so zusagte, und den Urheber der literarischen Figur, Marcel Allain erst recht zürnte und zu einer Klage wegen der grotesken Verunstaltung veranlasste.
"Es ist kaum ein Jahr vergangen, seit dem Fantomas die Bevölkerung in Furcht und Schrecken versetzt hat.", die Ereignisse von damals sind im Vorspann comigal festgehalten, die Jagd auf den Verbrecher über Häuserdächer hinweg sowie zu Wasser, zu Lande und in der Luft. De Funès, dessen Charakter des Commissaire Juve bis dato nicht mehr im Drehbuch involviert war, hat sich außerhalb des Filmes und in ihm in die erste Reihe manövriert, er bekommt die ersten Szenen und den Beifall der Umherstehenden, während Marais bei Seite stehend gute Miene zum bösen Spiel macht und ihm auch, allerdings zurückhaltend gratuliert. Was beide eint und beide verbindet ist die Titelfigur des kriminellen Genies, welcher nunmehr tatsächlich die Weltherrschaft gleich anstrebt; Fantomas macht die Ankündigung und die Umsetzung des Vorhabens, ein Überfall auf ein wissenschaftliches Labor, das Ausschalten der Wachen, die Entführung eines Professors, das Auslösen eines chemischen Unfalls und das Freisprengen des sich schließenden Tores mit einem explosiven lenkbaren Fahrzeug bei der Flucht. Waren es im Vorgänger eher ein paar Juwelenraube mit harmlosen Finten und Tricks, wird nun Gewalt eingesetzt und Verletzte bis gar Tote in Kauf genommen, auch seitens der Polizei übrigens, die ebenfalls Schusswaffen zücken und einsetzen. Vorwegnahmen von Kriminal (1966), Killing in Istanbul (1967) oder Gefahr: Diabolik (1968), die dem hiesigen französischen Unhold später noch landeseigene 'Kollegen' an die Seite stellen.
Überhaupt wird das Szenario hier ungleich größer gehalten, geht es um Hypnose, Telepathie, Gedankenkontrolle, das Spielen mit und das Nutzen von anderen Menschen, das Erschaffen von Robotern des Willens, das Missbrauchen von Fortschritt, Technologie und Wissenschaft; beunruhigende Faktoren, die in der Bebilderung selber auch durchaus martialistisch gehalten sind, und gleichzeitig überaus anheimelnd eingerichteten 'privaten' Räumen gegenübergestellt: Sowohl das Redaktionsbüro als auch das vom Polizeipräsidenten sehen eher aus wie Wohnzimmer oder Hotelsuiten, gerade das erstere ist reichlich gemütlich arrangiert und erinnert mehr als die Liebeshöhle und den Rückzugsort von Fandor und Hélène (die später emotional erpresst wird) als einen Arbeitsplatz, eine ausschweifende Prügelei ist in einer Art Theaterfundus oder Requisitenhalle, dessen akrobatische Einlagen auch an die Period Piece Abenteuer vom eingeschweißten Team Hunnebelle als Regisseur und Marais als sein Hauptdarsteller erinnern.
"Irgendwo hab ich Sie schonmal gesehen. Ich könnte schwören, ich kenne Sie."
Zudem lernt man hier dazu, man versucht die gleichen Tricks und Mittel anzuwenden, die Fantomas mit seinem 'Gestaltenwandeln' im Vorgänger genutzt hat, Masken und Verkleidung, Tarnung und Täuschung, wobei die Rolle des Journalisten diesmal allerdings etwas ohne Motivation dasteht. Zuvor war er unschuldig selber in den Fokus der Polizei geraten und musste eingreifen, diesmal agiert er unabhängig der Gesetzeshüter als eigener Mann der Tat, als Verbrechenskämpfer, ohne Not in der Intensive; was in der Verbindung beider narrativer Neuheiten in der nächtlichen Zugsequenz auf der Fahrt nach Rom kulminiert. Eine längere suspensereiche Versteck- und Verwirrszene mit dramaturgischen Unterbau und zahlreichen Running Gags, ein bisschen die übersteigerte Antwort auf ein ähnlich situatives Aufeinandertreffen in Das Verräterische Auge (1965) oder Liebesgrüße aus Moskau; im Übrigen war ein 'Fantomas in Moskau' kurzzeitig (wegen gerade phänomenal durchschlagenden Erfolg in der Sowjetunion) angedacht, wurde dann aber wieder verworfen.