Das Verbrechergenie Fantomas lässt Wissenschaftler kidnappen, um sich von ihnen eine Superwaffe bauen zu lassen, mit der er die Welt beherrschen kann. Doch er hat nicht mit dem Instinkt des Reporters Fandor gerechnet, und vor allem nicht mit der Hartnäckigkeit Inspektors Juve, Fantomas endlich den Garaus zu machen.
Vor einiger Zeit habe ich Regisseur André Hunebelle die Fähigkeit abgesprochen, ein guter Regisseur gewesen zu sein. FANTOMAS GEGEN INTERPOL bestätigt einmal mehr meine Meinung, dass der Mann auf dem Regiestuhl eine glatte Fehlbesetzung war. Der Film ist eine Nummernrevue ohne saubere Anschlüsse, voller leicht zu vermeidender Fehler, und mit einem etwas seltsamen Timing. Dass der Flick trotzdem erstklassig funktioniert ist einzig und allein Louis de Funès zu verdanken. Und vielleicht dem aufregenden Kleid von Mylène Demongeot. Dem sicher, aber de Funès dreht hier so richtig auf. 1964 war sein Jahr – Fünf Filme dreht er in diesem Jahr, und drei davon wurden riesige Erfolge. DER GENDARM VON ST. TROPEZ, FANTOMAS und SCHARFE SACHEN FÜR MONSIEUR (a.k.a. LOUIS DAS SCHLITZOHR) brachten ihm den lang ersehnten Durchbruch und gleichzeitig die Bestätigung für seine Art Komik. Damit konnte er in seinen Filmen endlich so Gas geben wie er wollte, und FANTOMAS GEGEN INTERPOL lässt ihm da freie Hand. De Funès grimassiert lacht wütet zürnt rast wie ein Berserker, und das Publikum fällt vor Lachen vom Stuhl. Genau so und nicht anders wollen wir den kleinen Giftzwerg sehen, und André Hunebelle war immerhin so klug, den neuen Star des französischen Kinos einfach mal machen zu lassen!
Die Handlung des Films? Ist zu vernachlässigen. Die Schauplätze? Flickwerk, weder Rom noch Paris kommen so richtig zur Geltung. Die Nebendarsteller? Jean Marais ist gleich in drei Rollen zu sehen, und der geniale Höhepunkt kommt, wenn er als Journalist, der sich als Professor verkleidet, als Fantomas mit der gleichen Maske, und als echter Professor in derselben Szene auftritt. Ein großartiger Schauspieler und Komödiant, der hier hinter de Funès zurücktreten muss, und letzten Endes sogar dem Kleid Mylène Demongeots Zoll zahlt. Dieses Kleid, dass die Demongeot bei einem Maskenball anhat, ist trotz seiner Biederkeit ein Versprechen auf heißen und feuchten Sex. Die Demongeot bleibt in diesem Film blass, ihr Kleid nicht.
Und wegen de Funès funktioniert FANTOMAS GEGEN INTERPOL auch heute noch und kann auch heute noch begeistern. Wegen des herausragenden Slapsticks. Und wegen de Funès‘ Komik. Schade, dass er in der deutschen Synchro nicht von seinem (westdeutschen) Stammsprecher Gerd Martienzen sondern von Anton Reimer gesprochen wird, der oft einmal klingt wie ein größenwahnsinniger Feldherr. Aber der überragenden Komik kann das nichts anhaben …