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Nach dem Tod Ihrer Mutter fährt die 17-jährige Gretchen mit Vater, Stiefmutter und der gehörlosen Stiefschwester ins Resort „Alpschatten“, das sich dank einer umherlaufenden Killerin mit hypnotischen Fähigkeiten jedoch eher als Alptraum-Resort erweist. Der verdächtig überfreundliche Resortleiter „Herr König“ und die merkwürdige Ärztin einer nahen Klinik tragen nicht unbedingt zur Beruhigung der Gesamtsituation bei. Als sich bei Schwester Alma seltsame Anfälle häufen und Hotelgäste ums Leben kommen, beginnt Gretchen, der Sache auf den Grund zu gehen. 

Tilman Singers Debut LUZ war ein unberechenbares filmisches Experiment, das ständig zwischen peinlichem Schülertheater und gewollt artifiziellem Arthouse-Genrefilm pendelte, ohne sich letztlich festzulegen oder eine schlüssige Geschichte zu erzählen. In seinem Nachfolgefilm, einer in NRW gedrehten deutsch-amerikanischen Koproduktion, in der neben deutsch (Dan Stevens!) und englisch auch noch französisch und Gebärdensprache gesprochen wird, hat er nun viele Schwächen seines Erstlings ausgeglichen und die Stärken beibehalten.

Auch CUCKOO ist ein Genrebastard, den der Regisseur und Autor hier wahlweise dem Arthouse- oder dem Horrorpublikum ins Nest gelegt hat. Mit dem Unterschied, dass man dieses Mal nicht lange über die tiefere Bedeutung des Films zu brüten braucht. Eine der wenigen offensichtlichen Schwächen des Films ist seine explizite Exposition im letzten Akt, in der Singer glaubt, das komplette Mysterium des vorangegangen Films zu erklären – vielleicht ein „Wunsch“ der amerikanischen Investoren. 

Zum Glück überwiegen die Stärken: Die Performances von Hunter Schafer als vom Schicksal gebeutelte und im Verlauf des Films auch körperlich immer schwerer mitgenommene Außenseiterin sowie von Dan Stevens als schleimig-jovialer „Artenschützer“ sind großartig, alle paar Minuten betreten zudem neue schräge Charaktere die Szenerie, denen man durchaus in ihren eigenen Film folgen würde. 

Das Setting und die Ausstattung irgendwo zwischen steriler Bilderbuchromantik und Grimmscher Märchendüsternis erschaffen eine höchst eigenwillige Atmosphäre. Die Handlung bleibt tatsächlich lange Zeit unberechenbar und entwickelt sich gegen Ende in eine erfreulich ungewöhnliche Richtung, die das Genre jetzt zwar nicht neu erfindet, aber zumindest erfrischt. 

Insgesamt eines der Jahreshighlights für aufgeschlossene Genrefans und ein Film, der im Nachgang noch gewinnt – manche Bilder bekommt man lange nicht aus dem Kopf.

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