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Nach dem Tod ihrer Mutter siedelt die 17jährige Gretchen widerwillig mit ihrem Vater Luis, dessen zweiter Ehefrau Beth und ihrer jüngeren Halbschwester Alma von den USA nach Deutschland in ein kleines Nest in den bayrischen Alpen über. Um so schnell wie möglich genug Kohle zusammenzukriegen um wieder nach Hause zurückkehren zu können, nimmt die bratzige Teenagerin einen Job als Rezeptionistin im "Resort Alpschatten" an, den ihr dessen spleeniger Leiter Herr König anbietet. Bereits nach kurzer Zeit verfestigt sich bei Gretchen der Eindruck, dass in dem Kaff wohl so einiges nicht mit rechten Dingen zuzugehen scheint: Ein weiblicher Resort-Gast torkelt da ständig verwirrt durch die Gegend und erbricht sich permanent, während sie selbst Wahrnehmungsstörungen hat, die von einem Geräusch ausgelöst werden, dessem Ursprung sie nicht auf die Schliche kommt. Schließlich sieht sie sich sogar den Attacken einer merkwürdigen Frau ausgesetzt, die in den umliegenden Wäldern zu hausen scheint... Im direkten Vergleich zu seinem 2018er-Debüt "Luz", der mehr Stilübung gewesen ist als sonstwas (was man entweder mögen oder gänzlich ablehnen konnte), müht sich Tilman Singer bei seinem Nachfolger "Cuckoo", ein erhebliches Mehr an "richtiger" Handlung zu erzählen... beinahe schon zu sehr, wenn man sich ansieht, wie das Ganze nun als wilder Mix aus frühen Cronenberg-Motiven, Folk-Horror und Coming-of-Age-Drama mit der üblichen Trauerbewälltigungs-Kante daherkommt. Klar, dass der noch ungeübte Filmemacher sich dabei mal eher verhebt und so seine liebe Mühe hat, sämtliche Komponenten sinnvoll unter einen Hut zu kriegen, was sich insbesondere auch bei einigen ausschweifenden Erklärbär-Dialogen zum Ende hin störend bemerkbar macht. Singer macht sich außerdem selbst das Leben schwer, indem er die oben erwähnten Wahrnehmungsstörungen der Teenie-Protagonistin auf eine für den Zuschauer echt verwirrende Art und Weise visualisiert, es wäre besser gewesen, darauf komplett zu verzichten, zumal diese auch nicht wirklich relevant für den Fortgang der Handlung sind und der Film auch ohne diese Momente ausgekommen wäre. So gibt man sich dann mittels skurriler Figuren-Zeichnung (zuvorderst "The Guest" Dan Stevens als weirder Bösewicht der Chose) betont mysteriös und beackert beinahe schon Lynch-eskes Terrain à la "Twin Peaks", doch wohin das alles schließlich führen wird, kann man irgendwie schon beim Blick auf den Titel erahnen, der leider zuviel vorwegnimmt und einige inhaltliche Überraschungen nicht mehr ganz so passgenau sitzen lässt... und ob einem die Auflösung dann auch zusagt, steht nochmal auf einem ganz anderen Blatt geschrieben! Zugegeben, "Cuckoo" ist inszenatorisch und atmosphärisch doch schräg genug, um interessant zu sein, andererseits aber auch ganz schön slow und zudem mit so einer unsympathischen Hauptfigur gestraft, wie schon lange nicht mehr (die dafür aber wenigstens den halben Film lang ganz schön ramponiert herumläuft)... und seinem Hype wird der Streifen leider nicht gerecht, denn das Aufhebens, das um ihn gemacht wurde, isser mal echt nicht wert. Zumindest kann die Angelegenheit aber für das hiesige Genre-Kino als Schritt in die richtige Richtung gewertet werden und irgendwie ist es ja doch ganz schön, dass zur Abwechslung auch mal ein deutscher Horrorfilm international ein wenig Aufmerksamkeit erregen konnte. Ergo: Heimatfilm mal anders... na ja...

6/10

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