Review

Diesen Film habe ich im Kino aufgrund einer fiesen Grippe verpasst, nun per DVD nachgeholt.

Im Vorspann sehen wir eine Frau, die ein weinendes Kleinkind (es ist nicht ihres) an sich nimmt und von der Klippe eines Wasserfalls wirft. Anschließend gesteht sie ihre Tat und beichtet. Sie wird zum Tod durch Enthauptung verurteilt, ihr Körper anschließend öffentlich ausgestellt und nach und nach verstümmelt. Die Gründe dafür präsentiert uns der Film und dessen Abspann.

Wir befinden uns in den oberösterreichischen Wäldern Mitte des 18. Jahrhunderts. Der Jungbauer Wolf (David Scheid) heiratet die "auswärtige" Agnes (Anja "Soap&Skin" Plaschg). Sie beziehen ein gemeinsames Haus. Agnes ist sehr religiös und wünscht sich sehnlichst ein Kind,  doch Wolf verweigert sich ihr, masturbiert lieber oder schläft gleich ein. Er scheint sich auch eher zu Männern hingezogen zu fühlen. Warum aber heiratet so jemand dann eine junge heterosexuelle Frau? Agnes kommt mit der Situation im Haus nicht klar, vor allem als sich ihre Schwiegermutter immer mehr in den Haushalt einmischt. Agnes gerät in einen emotionalen Abwärtsdrift, den ich mir nur schwer zu erklären vermag, denn so drastisch erscheinen mir die Widerstände nicht zu sein. Ihr Mann misshandelt sie nicht, verteidigt sie sogar gegen die Schwiegermutter. Die tägliche Arbeit kommt mir selbst aus heutiger Sicht nicht wirklich herausfordernd vor, man leidet keinen Hunger, denn die Flüsse sind voller fetter Fische, es gibt Wild und Nutztiere. Dass Agnes deshalb zunehmend an Selbstmord denkt ist für mich also nicht wirklich schlüssig/glaubwürdig. 

Selbstmord ist damals jedoch quasi die größte aller Sünden und daher wählt Agnes (wie die Frau im Vorspann) den mittelbaren Weg über den Mord an einem Jungen. Sie gesteht, beichtet, wird losgesprochen von den Sünden, es folgt die Verurteilung und die Enthauptung.

Das Regieduo Franz/Fiala ist durch historisch verbürgte Berichte über die sog. mittelbaren Selbstmorde, die wohl vorwiegend von Frauen verübt wurden, auf die Idee zu diesem Film gekommen. Dieser ist visuell ansprechend, die Tonlage ist konsequent düster, die Bilder in Grau-, Schwarz- und dunklen Grüntönen gehalten. Die Handlung dagegen ist vorhersehbar, bar jeder Überraschung, arg in die Länge gezogen/redundant, so dass der Film nie eine packende Wucht entfalten kann. Auf die Tötungssequenz eines Hahnes per Dreschflegel im Rahmen einer Art Spiel hätte ich gerne verzichtet, völlig unnötig. Für mich klar der schwächste der  bisherigen Filme des Duos, das sich in dem auf der DVD befindlichen Interview gelegentlich arg wichtig nimmt. Der ebenso in den Extras enthaltene Kurzfilm DIE TRUD, der bereits im Rahmen der Kompilation FIELD GUIDE TO EVIL vor Jahren auf dem Fantasy Filmfest zu sehen war, ist übrigens geradezu eine Katastrophe.

Insofern kann ich mit meiner Bewertung nicht über gepflegtes Mittelmaß hinausgehen.

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