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Ein Blick auf die Historie der Evolution offenbart, dass zwischen Affenmenschen und Neandertaler vielleicht noch ein Zwischending existiert haben könnte, zumindest, wenn es nach der nordamerikanischen Folklore geht, die nach wie vor an Bigfoot oder eben Sasquatch festhält. Die Regiebrüder David und Nathan Zellner haben mal das Experiment gewagt, das Leben jener Wesen ausschließlich aus deren Sicht zu bebildern.

Eine vierköpfige Familie streift durch die Wälder Nordamerikas. Es sind Sasquatchs, die versuchen, ihren Alltag im Verlauf der vier Jahreszeiten zu bewältigen und dabei nicht selten auf gefährliche Weggefährten wie Berglöwe oder Puma treffen…

Diese Konsequenz muss man erstmal durchziehen, sein Abenteuer ohne Worte zu inszenieren. Zwar wirkt das Ding über weite Teile wie eine Naturdoku, doch den Sprecher im Off gibt es nicht. Wobei natürlich trotzdem kommuniziert wird, denn neben grummeln, grunzen, brüllen und grollen haben es sich die Bigfoots zu eigen gemacht, hin und wieder mit Holz auf Holz zu schlagen: Eins, zwei, drei, Pause und vier. Eine Art Kommunikationscode, den man meilenweit hört.

Dass sich mindestens zwei namhafte Mimen unter den Kostümen befinden, fällt zunächst gar nicht auf, da Riley Keough und Jesse Eisenberg allenfalls anhand ihrer Augen erkannt werden könnten. Die Kostüme erinnern in ihrem wahrscheinlichen Aufwand an die aus den Neuverfilmungen von „Planet der Affen“ mit affenähnlichen Konturen im Gesicht, sehr viel Zottelfell, aber auch erkennbaren Geschlechtsmerkmalen, die gar ab und an zum Einsatz kommen. Schauspielerisches Talent gehört dennoch eine Menge dazu, den Fabelwesen entsprechende Körperhaltungen und Mimiken zu verleihen.

Hierzu besteht jede Menge Anlass, zumal das Treiben vor allem in der ersten Hälfte eine Menge komödiantischer Züge aufweist, da man sich unweigerlich an frühe, überaus primitive Verhaltensweisen des Menschen erinnert fühlt. Da wird an Fingern gerochen, nachdem man sich ordentlich im Gemächt rieb, gegorene Früchte sind eher dem Alphatier vorbehalten (der dann die geistigen und körperlichen Konsequenzen tragen muss) und wenn etwas gegen den Strich geht, können auch mal in geballter Form Exkremente zurückgelassen werden.
Nur Zählen wird immer wieder von einer nicht klassifizierten Konzentrationsschwäche eingeschränkt.

Bei all den sympathischen und teils eigenwilligen Momentaufnahmen, stellt sich allerdings irgendwann die Frage, worauf die Chose hinauslaufen soll, denn eine gradlinige Story ist kaum erkennbar, geschweige denn, schwillt dort so etwas wie eine Dramaturgie an.
Obgleich der tolle Score um überwiegend warmherzig anmutende Tracks bemüht ist und der Einschub von Erasures „Love to Hate You“ im genau passenden Moment erklingt, mangelt es ein wenig an spannenden Einlagen. Zwar kommt es zu prekären Situationen und wahrscheinlich werden nicht alle vier den Zyklus heil überstehen, doch trotz kleinerer Wendungen fällt die Pointe etwas zu mau aus.

Dennoch ist die eigenwillige Herangehensweise löblich und gestaltet sich über den überschaubaren Zeitraum von 88 Minuten weitgehend unterhaltsam. Sofern man ein Faible für Naturabenteuer mitbringt und folgerichtig keine geschliffenen Dialoge erwartet, könnte da mal ein Erlebnis der etwas anderen Art anstehen.
7 von 10  

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