Staffel 1
A Beast in the East
„Shogun“ ist das Serienevent und -Epos des Jahres. Deluxe-Fernehen von Kinoformat. Über die Hoheitskämpfe im vom Westen nahezu unentdeckten Japan zu Beginn des 17. Jahrhundert zwischen internen Machtquerelen und protestantischen Eindringlingen - und das alles dermaßen hochwertig, spannend, clever und perfekt austariert, dass man mit solchen Goldstücken aktuell im TV noch auf keinen Fall zu dem Entschluss kommen kann, dass die goldene TV-Ära vorbei ist…
Schiffe aus dem Nebel
„Shogun“ ist kinoreif und hat mich mit jedem Bild, mit jedem Dialog, mit jeder Figur und mit jedem Konflikt gegen die Wand gedrückt. Oder besser gesagt in die Couch. Und dabei ist diese erste Staffel zwar schon groß und episch, doch das nie zum Selbstzweck, das nie aufgesetzt oder als Kern der Dinge. Das kommt einfach so. Dieses Gefühl von… „Wow!“. Und das schaffen nur die besten Serien. Davon will man mehr. Das kann man nicht kleinreden. Wunderbar, dass zum größten Teil in den Originalsprachen und Dialekten gesprochen wird. Exzellent, dass Hollywood diesem Land, dieser Ära, dieser Geschichte und Hiroyuki Sanada endlich dieses Budget und diese Aufmerksamkeit, diese Wucht und Imposanz zukommen lässt. Eine jetzt schon legendäre Zusammenarbeit von Japan und USA. Eine Serie von Welt für die Welt. Eine Geschichte, die es wert ist (nochmal) gehört und gesehen zu werden. Das sind Intrigen und Machtkämpfe, neben denen selbst „Game of Thrones“ verblasst. „Shogun“ hat sich dermaßen gut angefühlt, dass ich öfters fast gezögert habe weiterzuschauen, weil ich nicht wollte, dass das endet. Alles perfekt austariert. Keine Einstellung, kein Dialog zu lang. Jede Figur hat interessante Nuancen. Nicht nur die westlichen. Die (geo-)politischen und historischen Reibereien haben Gewicht und hatten zu jederzeit mein vollstes Interesse. Die Computereffekte sind hochwertig und sind ebenfalls immer nur Mittel zum Zweck. Das ist kein Angeber-Historien-Kino im Kleinformat. Das ist der Real Deal. Ein bisschen „Master & Commander“. Ein bisschen Kurosawa. Das muss man feiern. Das muss man im O-Ton gucken. Da freut man sich, dass sowas noch in dieser Form auf die Beine gestellt wird. Vom Großen bis ins Kleine. Vom Ganzen bis ins Detail. Hier stimmt die Mischung. Hier stimmt alles.
Fazit: die beste Serie des Jahres. Zumindest außerhalb von Animes (sprich „DanDaDan“ und „Arcane“). Ein Meisterwerk. Intelligent. Majestätisch. Vollkommen. (10/10)