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Tom Tykwer ist ein Kinoregisseur, einer der wenigen Deutschlands mit einer eigenen visuellen Filmsprache und dem Mut zur Überstilisierung. Seinen frühen Filmen wie WINTERSCHLÄFER, DER KRIEGER + DIE KAISERIN und natürlich LOLA RENNT tat das gut, dem LICHT wird es zum Verhängnis. 

Tykwers letzter deutscher Film DREI, eine deutsche Beziehungskomödie für Menschen, die keine deutschen Beziehungskomödien mögen, ist 15 Jahre her und es scheint, als hätte sich seitdem thematisch einiges angestaut. Die viel zu langen 160 Minuten von DAS LICHT sind vollgestopft mit allem Möglichen, was die Politik- und Gesellschaftsseiten überregionaler Zeitungen so füllt, von Flüchtlings- über Klima- bis Ehekrise. 

Dass die Putzfrau fast einen Tag lang unbemerkt in der Küche liegt, ist Tykwers wenig subtile Metapher für die Egozentrik der Familie, die sie beschäftigt hat. Wenigstens nicht schwarz, man hat ja Anstand und Werte. Die Geschichte der dysfunktionalen deutschen linksintellektuellen Klischeefamilie könnte als simple Selbstreflexion fürs Arthousepublikum taugen, das (vermutlich ziemlich ausschließlich) in diesen Film gehen wird. 

Doch das reicht Tykwer nicht. Er hat sich hier komplett dem magischen Realismus verschrieben: Jedes Familienmitglied wird mit einer aus dem Film ausbrechenden Tanz-, Gesangs- oder Trickfilmperformance bedacht, die zu Zeiten von LOLA RENNT innovativ waren, hier und heute jedoch nur irritieren bis peinlich berühren (Queen-Fans seien gewarnt). Die neue syrische Haushälterin, die mit ihrem psychologischen Background und ihrer esoterischen Lichtmaschine das Familienleben im Stil von Pasolinis TEOREMA auf links dreht, lässt den Film im überlangen Finale dann vollends in der Spiritualität absaufen. 

Das mystische Element, das die eingangs genannten Filme Tykwers und auch sein Debüt DIE TÖDLICHE MARIA so faszinierend und außergewöhnlich machten, werden hier zur cringen Kunstpose und DAS LICHT wird so fast schon zu einer deutschen Verwandten von EMILIA PEREZ.

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