Tierhorror mit Löwen bildet immer noch eine enorme Herausforderung für Filmemacher, denn arbeitet man mit echten Tieren, begeben sich Stuntleute in ein gefährliches und oft unberechenbares Terrain, wogegen Wildkatzen per CGI aufgrund der vielen Details nicht leicht umzusetzen sind. Der südafrikanische Regisseur und Autor Mukunda Michael Dewil wählte einen Mittelweg, der eingefleischte Genrefans eher weniger glücklich stimmen lässt.
Afrika: Aufgrund der Bedrohung durch Rebellen müssen die Missionare Sue (Mena Suvari) und Andrew (Ryan Phillippe) rasch ihre Zelte abbrechen und erreichen in letzter Minute den Privatflieger von Grun (Emile Hirsch), in dem sich bereits drei Touristen befinden. Dummerweise stürzt die Maschine in der Kalahari-Wüste inmitten eines Wildreservats ab. Man muss sich rasch etwas überlegen, um nicht als Löwenfutter zu enden…
„Prey“, so der Alternativtitel, verweist nicht auf den gleichnamigen Film von 2007, welcher ebenfalls in Südafrika spielt und Löwen als hauptsächliche Bedrohung präsentiert. Obgleich die Chose fast ausschließlich in Kalifornien gedreht wurde, geht sie relativ problemlos als Lokalität der Kalahari durch, was durch zahlreiche Archivaufnahmen von Zebras, Giraffen und Löwen noch verstärkt wird und sich gut in die Szenerie einfügt.
Mit den Missionaren, sie Lehrerin, er Arzt, finden sich zwei potenzielle Sympathieträger, wogegen Pilot Grun früh negativ auffällt, indem er eine Behörde hinsichtlich seiner Lizenz besticht und überdies einen horrenden Preis für den rettenden Flug verlangt. Die übrigen Figuren fallen nicht weiter ins Gewicht und dienen im Zweifel der Nahrungsaufnahme durch Wildtiere.
Und da macht sich rasch Ernüchterung breit, was die sparsame Inszenierung betrifft: Der Flugzeugabsturz ist nicht sonderlich spannend in Szene gesetzt, da man im Grunde nur ein paar Erschütterungen im Innern und anschließend einige Trümmer in der Wüste sieht. Umherstreunende Tiere werden zwar akustisch angedeutet, aber eine Interaktion findet zu keiner Zeit statt, man abgesehen von einer Schlange und einen Skorpion. Somit fällt der Aspekt des reinen Tierhorrors recht flach aus und man konzentriert sich vermehrt auf Spannungen innerhalb der Gruppe, eine weitere Bedrohung von außen und den Zustand der Individuen, was aufgrund von Erschöpfung und drohender Dehydrierung zumindest authentisch rüberkommt.
Entsprechend retten die versierten Mimen noch einiges, ein solides Make-up und ein tauglicher Score in den wesentlichen Momenten kaschieren ebenfalls ein wenig.
Anderweitig reißt die Geschichte kritische Themen wie illegaler Schmuggel, Terrorgefahr und Hürden bei medizinischer Versorgung an, geht dabei jedoch in keinem Punkt in die Tiefe und auch der Aspekt des wankenden Gottvertrauens wird eher halbherzig, gegen Ende gar ein wenig kitschig behandelt. Als reiner Überlebensfilm in der Wüste liefert er aufgrund überzeugender Mimen und einer starken Kulisse passablen Stoff, während die Belange des reinen Tierhorrors sträflich vernachlässigt werden, was sogar zu einigen Kontinuitätslücken führt. Aufgrund der knackigen Laufzeit von 86 Minuten nie langweilig, in einigen Punkten aber eben doch enttäuschend.
Knapp
6 von 10