Außerirdische Spinnereien sind oft nur Begleiterscheinungen einer Alien-Invasion. Der australische Autor und Regisseur Kiah Roache-Turner hat hingegen einen extraterrestrischen Arachniden in den alleinigen Mittelpunkt gerückt, was bis zum Einsatz passabler Action jedoch eine Weile benötigt.
Die zwölfjährige Charlotte (Alyla Browne) befindet sich in einer rebellischen Phase und obgleich sie sich mit ihrem Stiefvater Ethan (Ryan Corr) einigermaßen versteht und gemeinsam mit ihm an eigenen Comics arbeitet, hängt der Haussegen zuweilen schief. Als Charlotte eines Tages eine Spinne findet, die sie zunächst in einem Schraubglas versteckt hält, ahnt sie noch nicht, welche Ausmaße der Achtbeiner binnen kurzer Zeit annehmen wird…
„Sting“ ist jetzt nicht gerade der Prototyp innovativen Monsterhorrors. Im Gegenteil. Da sich das Geschehen nahezu ausschließlich im leicht heruntergekommenen Wohnkomplex in New York absielt, bleiben groß angelegte Schauwerte von vornherein außen vor und es weht eher ein kammerspielartiger Wind, der aufgrund der Betonung auf Lüftungsschächte eine leicht klaustrophobische Wirkung erhält.
Das abgehangene Familiendrama bringt nicht sonderlich viele Emotionen hervor und auch die Versuche von Humor scheitern zuweilen, obgleich die demenzkranke Helga und deren grantige Schwester Gunter eine Wohnung weiter durchaus für kleinere Schmunzler gut sind. Gleiches gilt für die Randfigur eines asiatischen Nachbarn, der klischeebedingt keine Miene verzieht, sowie für einen Kammerjäger, welcher immerhin einige flapsige Sprüche mitbringt.
Die Spinne selbst, anfangs fast in Gestalt einer gewöhnlichen Hausspinne, offenbart erst nach und nach ihre Gefährlichkeit. Da ihr Ursprung außerirdischer Basis ist, lässt sich ein latent metallisches Glänzen hinnehmen, welches ansonsten auf Defizite weniger treffend eingesetzter CGI zurückzuführen wäre. Im größeren Zustand des Achtbeiners funktionieren die Effekte deutlich besser, wogegen die Gewalteinlagen als eher zurückhaltend einzustufen sind. Es gibt zwar ein wenig Body Horror, in Maßen etwas Blutvergießen, jedoch auch ein, zwei Ableben im Off, da der Bodycount generell nicht allzu hoch ausfällt.
Was Roache-Turner hingegen gut gelingt, ist das Spiel mit der optischen Täuschung. Zuweilen setzt er auf Egoperspektiven, dann auf Erschreckmomente in Form eines vermeintlich eindeutigen Schattens der sich als Alltagsgegenstand entpuppt, nur um kurz darauf einen solchen als Spinne zu enttarnen. Auch einige Versteckspiele in den erwähnten Lüftungsgängen verfehlen nicht ihre Wirkung.
Letztlich können Genrefans mit den rund 90 Minuten passabel unterhalten werden, zumal Jungdarstellerin Browne eine beachtlich solide Leistung vorlegt und auch die Spielfreude der übrigen Mimen trägt zum Unterhaltungswert bei. Die Spinnenaction könnte indes etwas abwechslungsreicher ausfallen, was im Zuge eines Mehrfamilienhauses allerdings ein wenig schwierig ausfällt und gegen Showdown auch keine Überraschungen mehr liefert.
Wer mit gedämmter Erwartungshaltung herangeht, dürfte zumindest nicht gänzlich enttäuscht werden.
6 von 10