iHaveCNit: Furiosa – A Mad Max Saga (2024) – George Miller – Warner
Deutscher Kinostart: 23.05.2024
gesehen am 22.05.2024 in Dolby Atmos
Kinopolis Main-Taunus-Zentrum – Kino 1 – Reihe 8, Platz 17 – 20:15 Uhr
gesehen am 23.05.2024 in Dolby Atmos
Kinopolis Main-Taunus-Zentrum – Kino 1 – Reihe 13, Platz 19 – 20:15 Uhr
Mein Geburtsmonat ist der Mai und mein Geburtstag am aktuellen Wochenende war am 24. Mai.
Daher haben Filme, die ihren Kinostart im Mai und um meinen Geburtstag herum haben einen gewissen Sweet Spot bei mir und auch ab und an die Chance Top-Filme zu werden. Mit einem Blick 10 Jahre zurück war das vor allem bei "Edge of Tomorrow", "Mad Max Fury Road", "Top Gun: Maverick" und auch "Guardians Of The Galaxy Vol.3" der Fall. 2015 kam mit George Millers "Mad Max Fury Road" sein Comeback zur Mad-Max-Saga, die er 1985 in der Trilogie mit Mel Gibson zum Abschluss brachte. Der Film hat sich nicht nur mit seinem Duo aus Tom Hardy und Charlize Theron begeistert, auch die audiovisuelle Inszenierung, Konzeption und Choreographie der knapp 2 Stündigen Verfolgungsjagd mit perfektem Timing der Ruhepausen und Handlungsentwicklung hat sich auf ewig in mein Gedächtnis und Herz eingebrannt. Bei diesem Film konnte sich auch Charlize Therons "Furiosa" an Tom Hardys Max Rockatansky zur Hauptprotagonistenrolle vorarbeiten und damit einen so interessanten Charakter darstellen, dass man sich nun knapp 10 Jahre später dafür entschieden hat, ihre Vorgeschichte an den Start zu bringen bevor es mit Fortsetzungen weitergehen wird. Die Diskussion über die Notwendigkeit halte ich für obsolet, dann diese epische, furiose Vorgeschichte hat durchaus die Chance das gleiche Schicksal wie "Mad Max Fury Road" zu ereilen - mein Film des Jahres zu werden.
Die junge, am Grünen Platz lebende Furiosa entdeckt eine Gruppe bikender Plünderer. Bei ihrem Versuch, die Bikes der Plünderer zu manipulieren wird sie entführt und zur Bikergang in Bikerdome des Warlords Dementus gebracht. Dort muss sie mit ansehen, wie ihre zur Hilfe geeilte Mutter getötet wird. Jahre verbringt sie die Zeit in Dementus Gefangenschaft und schwört auf Rache. Die notwendige Kraft daraus schöpft sie aus dem Konflikt zwischen Dementus und dem Warlord der Zitadelle, Immortan Joe.
Das große Problem und vermutlich auch der sehr körnige Sand im Getriebe für einige Personen wird beim Blick auf „Furiosa – A Mad Max Saga“ sein, einen zweiten „Mad Max Fury Road“ zu erwarten. Für mich gab es genau diese Erwartungshaltung nicht, denn anders als in Fury Road eine über wenige Tage erstreckende Verfolgungsjagd zu bekommen, bekommen wir in „Furiosa – A Mad Max Saga“ eine in 5 Kapiteln über mehr als 15 Jahre erstreckende Biographie zu Furiosa erzählt, die in der Laufzeit von knapp 2,5 Stunden eine sehr epische Mischung aus Coming-Of-Age- und Rachegeschichte darstellt. Ein großer Pluspunkt des seit 2015 gestarteten, neuen Ansatz im Universum von Mad Max gegenüber der Gibson-Trilogie ist, dass der visuelle Stil wesentlich homogener ist und das bereits in „Fury Road“ in Ansätzen gezeigte Universum hier in „Furiosa“ noch mehr Tiefe und Details spendiert bekommt. Allgemein ist das Design von Sets, Kostümen, Make-Up, den Haaren und auch bei den Fahrzeugen über Bikes bishin zu Tanklastzügen einfach absolut perfekt gelungen. Auch die ausgewogene Mischung aus handgemachten und computergenerierten Effekten, die sich vor allem wenn es ums Color Grading, Compositing, den Hintergründen und auch bei den sich nicht immer vermeidbaren Green-Screens hat bei mir einen mehr als positiven Eindruck hinterlassen. Die Actionsequenzen sind ähnlich wie in Fury Road in ihrer Konzeption, ihrer Choreographie, dem Spannungsaufbau und auch der Inszenierung über den Einsatz von Kameraeinstellungen, Schnitten und sowohl Sound und Filmmusik einfach großartig geworden. Die Action ist auch kein Mittel zum Selbstzweck, sondern in seinem Universum bis ins kleinste Detail von einer gewissen Gravitas geprägt. Alles hat seinen Zweck, seine Bedeutung und seine ernste Schwere. Klar hätte man in der heutigen Ära auch vielleicht mithilfe von AI und den Möglichkeiten dahingehend eine Charlize Theron verjüngen können, um sie als junge Furiosa in diversen Altersstufen zu nutzen, aber das hätte ich ein wenig befremdlich gefunden. So bekommen wir hier die Möglichkeit, eine junge Alyla Browne präsentiert zu bekommen, die hier neben ihrer Hauptrolle im kommenden Spinnenhorror „Sting“ schon einmal ganz große Chancen bekommt, sich zu zeigen. Und das gelingt ihr in der durchaus extrem wortkargen Auslegung des Charakters Furiosa sehr gut, allein mit ihren Augen gelingt ihr eine vielschichtige, nuancierte Darstellung von Furiosa und ihrer Gefühlswelt. Furiosa ist keine von anfang an überlegene und unbesiegbare Superheldin, was sie hier zu einer greifbaren, teils sympathischen und ernst zu nehmenden Hauptprotagonistin macht. Der Sprung von Alyla Browne hin zu Anya Taylor-Joy passt auch, die mit ihrer Optik einfach einen absoluten Wiedererkennungswert hat und in ihren jungen Jahren bereits sehr viele legendäre Rollen spielen konnte – wozu sich nun auch „Furiosa“ dazu gesellt. Ihnen gegenüber stehen durchaus viele skurrile und auch interessante, der Story, der Handlung und Charakterentwicklung zuträglichen Charaktere wie Tom Burkes „Preatorian Jack“ , Lachy Hulmes „Immortan Joe“ oder auch eine bereits in „Anyone But You“ zu sehende Charlee Fraser als „Mary Jabassa“ - jedoch werden alle von einem ganz besonders überstrahlt – Chris Hemsworth macht als unberechenbarer, größenwahnsinniger, exzentrischer, fieser und mit einer eigenen, tragischen Vergangenheit gesegnete und greifbare Warlord Dementus unfassbar viel Spaß als Antagonist ohne damit in eine komödiantische, unfreiwillig, komische abzudriften. Ich könnte sogar so weit gehen und sagen, dass mir Hemsworth bis heute nie so gut gefallen hat wie nun in „Furiosa – A Mad Max Saga“. So episch und furios mit seinem visuellen Storytelling diese Origin-Story beziehungsweise „Coming-Of-Age“- und Rachegeschichte dann letzten Endes inszeniert worden ist, hat mir der konkludierende Fokus auf ein doch sehr intimes Ende sehr gut gefallen.
„Furiosa – A Mad Max Saga“ - My First Look – 10/10 Punkte