Nachdem die titelgebende Figur im letzten ebenfalls von George Miller inszenierten Endzeit-Spektakel „Mad Max: Fury Road“ (2015) eine nicht allzu kleine Rolle spielte, bekam sie nun ihren ganz eigenen Auftritt auf der Leinwand. Nach ein paar Einspielern zum Weltuntergang folgt man so der noch jungen Furiosa, die gewaltsam dem heimischen Grünland entrissen wird und später den Weg der Rache einschlägt. Anstelle von Charlize Theron gibt dieses Mal Anya Taylor-Joy die taffe Dame und abseits der kaum vorhandenen Ähnlichkeit zu ihrer späteren Inkarnation liefert sie einen passend wortkargen doch ausdrucksstarken Auftritt. Wenn sie denn endlich mal in dieser Form auftaucht. Auf der anderen Seite steht Chris Hemsworth, der an seiner Rolle als auch-Antagonist Dementus sichtlich Spaß hat. Wobei man sich vor Schurken kaum retten kann, wirklich freundlich gesinnt sind hier kaum welche. Was aber auch an der Welt an sich liegt.
Die Ödnis, die man schon aus „Fury Road“ kennt, wird wieder aufgegriffen, bekannte Orte und Figuren mit neuen verbunden und die Wüstenei so etwas erweitert. Visuell präsentiert sich das erwartbar sandig und doch mag man sich trotz der Eintönigkeit nicht so recht an dieser fremd wirkenden Umwelt sattsehen. Die Ausstattung ist wieder detailliert und mit den typischen Schrägheiten vom Teddybär über die Vehikel und Namen der Figuren bis zu den Kostümen bestückt. Da lässt man das Auge gerne schweifen, zu entdecken gibt es überall Kleinigkeiten.
Was die Action angeht, so versucht „Furiosa“ nicht, ihren großen Bruder zu übertrumpfen. Da unterstelle ich Miller Absicht, weil das ohnehin nur schwer zu realisieren gewesen wäre. Die Sequenzen wirken kleiner, ein großer Konflikt wird in einer Collage abgehandelt, dennoch wird es zwischendurch explosiv und einen passenden Rhythmus findet Miller hier meist. Die überbordende Laufzeit füllt sich allerdings nicht mit einer atemlosen Hatz, immer wieder mal tritt „Furiosa“ auf die Bremse. Den Charakter erzählt Miller dabei weniger über das Wort denn über die Tat, die Präsenz und Blicke. Ob das zweieinhalb Stunden rechtfertigt – Ansichtssache. Tiefe Charakterzeichnung gibt’s nicht, erwartet wohl auch keiner. Dass das Skript aber immer wieder Erzählungen aufmacht, diese aber im Fortgang ignoriert, das darf man kritisieren. Wo der Vorgänger dafür auf Spektakel setzte und seine dünne Geschichte damit kompensieren konnte, da fehlt es „Furiosa“ in dieser Kategorie eben. Das Bild wirkt überdies immer wieder künstlich, teils ruckelig, was dem comichaften Szenario zwar nicht wirklich in die Parade fährt, aber auch ein gutes Stück der Griffigkeit aus dem Gesehenen nimmt.
„There is no hope.“
Die Erwartungshaltung spielt wohl eine Rolle und nach „Fury Road“ war diese auch nur schwer zu ignorieren. Kann man weder dem Vorgänger, noch dem Zuschauer vorwerfen. Trotz dieses Bewusstseins bleiben die Auswirkungen nicht aus und so ist „Furiosa“ letztlich ein zwar aufgeblasenes Etwas mit hakeliger Geschichte und unerwartet un-ausufernden Actionsequenzen, liefert aber dennoch eine schön ausstaffierte und interessante Welt. Mit Taylor-Joy und Hemsworth sehenswert besetzt unterhält Millers zweite moderne Version seiner Endzeit-Reihe mit den aufgefahrenen Einfällen. Dennoch darf er sich bei einem eventuellen nächsten Mal gerne wieder mehr auf eine gewisse Kompaktheit und Zielstrebigkeit in der Inszenierung konzentrieren. Und vielleicht im Abspann nicht sich selbst zeigen, wie es besser geht.