Wenn Cybermobbing an einer High School über Erfolg oder Niedergang entscheidet, befindet man sich unweigerlich auf den Pfaden, die für eine jüngere Zielgruppe vorbestimmt sind.
So ganz verlässt sich Langfilmdebütantin Sabrina Jaglom jedoch nicht darauf und reichert das Szenario mit einer vermeintlich mystischen Komponente an.
Nach dem Suizid ihrer besten Freundin Jane (Chloe Yu) hat sich Olivia (Madelaine Petsch) von ihrer langjährigen Nachbarin Izzy (Chloe Bailey) abgekapselt. Umso erfreuter ist sie, als sich die beiden wieder annähern und einen geheimen Plan schmieden, indem sie das Online-Profil der verstorbenen Jane verwenden, um es Sündenböcken in ihrem Umfeld heimzuzahlen. Doch ihre Rachetour gerät zusehends aus dem Ruder…
Es geschieht nicht allzu häufig, dass die Titelgebende gleich in der ersten Szene von den Klippen springt und lange Zeit gar kein Gesicht erhält. Später taucht sie zwar regelmäßig im Hintergrund auf und ist somit für die eventuelle, paranormale Komponente zuständig, doch der Fokus ist eindeutig auf Olivia gerichtet, die klar als Täterin definiert ist, jedoch gleichermaßen ein Opfer ihres Ehrgeizes ist, da sie unbedingt in Stanford angenommen werden will.
Insofern zeichnet sich das Geschehen im ersten Drittel als Drama an der High School aus, welches erst allmählich in die Problematik des Mobbings einsteigt, jedoch zu keiner Zeit erwähnt oder hinterfragt, was die Titelgebende in den Suizid trieb und was die Mädchen miteinander verband. Bis auf einen Lehrer nehmen männliche Figuren allenfalls Nebenfiguren ein, während die Beziehung zwischen Olivia und Izzy latent auf Misstrauen beruht und somit für einen leichten Spannungsfaktor sorgt.
Weniger erbaulich sind schließlich die Aktionen der beiden, um Genugtuung gegenüber Mitschülern oder Lehrern zu erhalten. Die wenigen Intrigen wirken teils willkürlich und mitunter arg konstruiert und sind zudem mit zahlreichen Logiklöchern behaftet, wenn etwa Menschen glauben, ein nachträglich installiertes VPN würde das Aufspüren einer IP vertuschen. Zwischenzeitlich geht es häufig um Befindlichkeiten, was die Angelegenheit zwar emotionaler gestaltet und doch merklich Drive herausnimmt, indem die eigentliche Story nur schleppend vorankommt.
Die Inszenierung bleibt bodenständig, doch der geringe Aufwand ohne nennenswerte Schauwerte oder Blutvergießen lässt die Chose wie einen durchschnittlichen TV-Film aussehen, bei dem die Mimen um Petsch, die mit annähernd 30 eine Schülerin verkörpert, auch nicht besser als annehmbar performen.
In den 83 Minuten, die sich teils deutlich länger anfühlen, ereignen sich weder sonderlich überraschende, noch kreative Dinge, die irgendwie nachhaltig wirken. Die Geschichte nimmt nur bedingt in Beschlag und geht in Sachen Cybermobbing und den eventuellen Konsequenzen nie sonderlich in die Tiefe, noch vermag die Pointe auf moralischer Ebene zu überzeugen. Als oberflächlicher High School-Thriller okay, aber eben nicht mehr als austauschbarer Durchschnitt.
5 von 10