Review

Verstärkung der wenigen übergebliebenen männlichen Kollegen (um Adkins, White, Lundgren und Mandylor?) an der Front des preiswerten Aktionfilmes durch das weibliche Geschlecht, die bessere Hälfte quasi, hier bestehend allerdings durch eine TV-erprobte (Stunt)Crew vor und hinter der Kamera, speziell Arrow (2012 - 2020), was zumindest Erfahrung mit kurzer Drehzeit und knappen Budget voraussetzt und damit auch den DtV-Bedingungen entspricht. Der Titel und die Prämisse erinnert dabei gleich an ähnliches aus den Vorjahren, an Air Force Two a.k.a. In Her Line of Fire (2006) mit Mariel Hemingway, oder Air Force One Is Down (2012), kaum gesehen und gleich wieder vergessen wahrscheinlich, hier ist das Motto theoretisch anders: “Stay alert, stay ready.“, und natürlich “Auf in's Gefecht!“:

Die frisch gebackene Secret Service Agentin Allison Miles [ Kate McNamara ] bekommt an ihrem zweiten Diensttag seitens ihres Onkels Sam Waitman [ Anthony Michael Hall ], Senior Ranking Secret Service Agent, den Auftrag, seine Mannschaft vom Begleitschutz des amtierenden Präsidenten Dallas Edwards [ Ian Bohen ] auf der Flugreise nach Astovia zu verstärken. Kaum in der Luft wird die Maschine nach den Befehlen des früheren General Azem Rodinov [ Rade Šerbedžija ] gekapert, der einen bevorstehenden Öldeal damit zu vermeiden versucht. Chief of Staff Mark Miller [ Paul S. Tracey ] und die Vizepräsidentin Hansen [ Dascha Polanco ] wissen noch nichts von ihrem 'Glück', es wurde sich auch in die Elektronik und die Kommunikation gehackt.

Im Vertrieb von Republic Pictures, Paramount damit im Hintergrund involviert, mit einer kampfstarken Szene (zum Training) wird auch begonnen, Sinn und Zweck derlei Produktionen hat man demnach verstanden, die Grundlagen kapiert. Es sieht von Beginn an aus wie ein Telemovie, ein Serienspecial oder Pilotfilm, Hoffnungen anderweitig oder Illusionen braucht man sich demnach nicht zu machen. Es ist und bleibt ein kleiner Vertreter des Genres, man ist für jeden Versuch dankbar, eine Unterstützung der aussterbenden Spezies, in der Hauptrolle auch jünger, frischer und (je nach Ansicht) optisch attraktiver. Es gibt eine Lektion und eine Lehre und eine Lektüre, es gibt etwas Familie und Politik, eine kleine Diskussion zum Anfang, die Geschichte wird formiert.

Die Antwort ist ja oder nein, in dem Fall ist sie ja, sonst würde der Film nicht beginnen; es werden die Verhältnisse geklärt, und es wird jeder, der eine (noch so klitzekleine) Rolle spielt auch zusätzlich noch extra mit Rang und Namen für den Zuschauer vorgestellt. Ein halbes Dutzend in den ersten fünf Minuten, zehn Personen in zehn Minuten, viele Menschen gänzlich ohne Bekenntnis und Bewandtnis, so komplex und kompliziert ist die Handlung aber nicht, es wird bloß abgefälscht und angetäuscht. Der große kleine Fernsehfilm also, oder der kleine große Fernsehfilm, die Meisten kennen einen in der Besetzung, den Hall, der Rest hat keinen Namen und auch kein bekanntes Gesicht. Es gibt die Fantasieländer, die Bananenrepubliken, es gibt die konkludenten Mimiken und Gestiken, alles eine Nummer überdeutlich und drüber, CBS oder NBC, ABC oder doch CW.

Klinisch rein die Optik, fast aseptisch und asketisch, es wird schnell, da allerdings (noch) im Off gestorben, die Vorbereitungen flink, es wirkt zuweilen etwas steif, prätentiös, wie ein Mädchenhafter Traum, es wird salutiert, es werden die Akten studiert, Klein Erna auf dem Jungfernstieg. Immerhin ist der Air Force One Plot beizeiten am Start, der Flieger wirkt gedrungen, ist aber auch voll mit Menschen, mit der Presse, den Agenten, den Sekretären und den Stewardessen. Der Präsident selber wirkt ebenso eher ungepflegt, ist aber auch nicht sein Film, es ist der von McNamara nämlich. Die Übernahme ist nach dem ersten Fünftel der Laufzeit schon vonstatten, die kurzen Wege demnach genommen, eine Geiselnahme mit Stil, die ganze Maschine ist binnen Augenblicken und mithilfe ein paar Kopfschüssen infiltriert, ein Versagen der Sicherheitsvorkehrungen in allen Bereichen, das kann man hinnehmen oder nicht. Im Übrigen geht der POTUS auch hier wie Ford bei Petersen in den Nahkampf, kurz, aber heftig zumindest, den Rest überlässt er dann dem schönen Geschlecht. Zu Recht.

So ist bereits die erste tatsächliche Kampfszene auch der erste (und lange einzige) Höhepunkt des Filmes, die Montage sitzt, die Kamera könnte etwas ruhiger sein, aber sie folgt den Aktivitäten und den Bewegungen der Kontrahenten, sie blendet diese nicht aus oder kaschiert die Agilität und Qualität. Nun wird auch gehauen und gestochen und geschlitzt, es wird geworfen und gehebelt, es wird über darstellerische Mängel hinweggesehen und fehlendes Charisma, über die absichtlich schweren Akzente, über eine gewisse seltsame Antipathie. Der West-Ost-Konflikt hier wird auch so bebildert und wie zu den frühen Neunzigern des letzten Jahrhunderts geschrieben (und durch speziell Šerbedžija und dies in den Nu Boyana Film Studios von Sofia aus auch bespielt), das Areal wird später schäbig, die Schergen viel und hässlich, die Finanzen klein, es wird ein wenig Nackedei gespielt, die Dialoge etwas plump bis eintönig und repetitiv, manchmal ist auch die Artikulation mäßig, die Aussprache undeutlich. Es ist ab und zu mit Patriotischen angefüllt, mit Peinlichem aufgefüllt, es nutzt die Gelegenheit nicht vollständig aus, es wirkt auch wie von mehreren Regisseuren mit unterschiedlichen Vorgaben, unterschiedlichen Freigaben, unterschiedlicher Gesinnung, Team A und Team B quasi inszeniert.

So funktioniert das längere Finale in den dunklen Gängen einer Fabrikruine eher als blutiges Verhackstück, als Art Slasher, wird gerne von hinten, also hinterrücks, angesichts der Überzahl und körperlichen Überlegenheit der Gegner aber auch entsprechend verständlich angegriffen und mit rostigen Schneidewerkzeugen gemeuchelt und gewuchtet und dann wieder in Deckung gehechtet. Das Serienteam lässt da ein wenig seinem Sadismus seinen Lauf, bringt aber tatsächlich einige Ideen mit ein oder wieder zum Vorschein und akzentuiert nun auch die Einstellungen. Mal wird verzögert, generell mit verschiedenen inszenatorischen Elan gespielt; wobei das Gesamtkonstrukt so eher wie eine Zwischensequenz aus einem Videospiel wirkt. Die Aufmerksamkeit des Zuschauers ist da generell schon erloschen, vieles davor, also Gespräche etc. sind wie bei Hallmark oder Lifetime formuliert.

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