Gefühlt hat bereits jede deutsche Region ihren Provinzkrimi in vielfacher Variation hervorgebracht, wobei sich die meisten Dramen immer noch in Bayern abzuspielen scheinen.
Der zweite Spielfilm von Autor und Regisseur Daniel Alvarenga entwickelt bisweilen eine mitreißende Dynamik und weiß trotz des eher geringen Budgets auf eine namhafte Besetzung zu vertrauen.
August 1932 in einer bayrischen Provinz: Nachdem vier Jugendliche tot aufgefunden werden und man zunächst einen Wolf als Täter vermutet, ist sich der Gemeinderat zusehends sicher, in dem Einsiedler Joseph (Markus Brandl) den Schuldigen gefunden zu haben und inhaftiert ihn. Doch unter den Dorfbewohnern macht sich auch Missmut breit, vor allem Wirtin Mini (Christine Neubauer) und einige andere Frauen wittern eine Verschwörung…
So ganz genau nimmt man es mit der Authentizität natürlich nicht, obgleich viele Parts in Freilichtmuseen gedreht wurden und die Wahl der Kostüme passend ist, wirken diese zu sauber und wenig verschlissen. Die Figuren sind hingegen treffend besetzt und aufgrund der gefährlichen Entwicklung einiger Eigenbrödler ist man recht schnell in der Geschichte drin.
Die ausgeprägt bayrische Mundart benötigt eine Weile, um in die Dialoge einzutauchen, vieles ergibt sich jedoch aus dem Kontext, bei dem das Drama eine wesentlich größere Rolle spielt, als die Ermittlungsarbeiten. Denn im Dorf will man keine Einmischung von außen, schon gar nicht aus München, wo soeben die Nationalsozialisten die Macht ergriffen, was im Verlauf einen recht zynisch anmutenden Beigeschmack ergibt, - spätestens wenn der legendäre Hexenhammer zum Einsatz kommt und es keinen Weg zurück mehr zu geben scheint.
So geht es in dem finsteren Stoff um die übliche Gerüchteküche im Dorf, um Intrigen und Vorverurteilung, um Hysterie und Hetze, aber auch Aspekte wie Loyalität und Moral im Allgemeinen. Der mit 124 Minuten etwas zu lang geratene Streifen bringt am Rande ein wenig Mystik ins Spiel, was mitunter ein wenig Verwirrung stiftet, ob denn bestimmte Momente nur Einbildung oder Realität sind.
Wenn die eigenen Gesetze frei ausgelegt werden, kann das schon mal böse Konsequenzen haben und die unheilvolle Stimmung durchzieht die Geschichte nahezu komplett. Getragen wird diese in erster Linie von den nuanciert aufspielenden Mimen in teils ungewohnten Rollen wie Christian Tramitz, Dolly Dollar oder Max Schmidt. Konstantin Wecker ist in einer Gastrolle zu sehen und steuerte den insgesamt stimmungsvollen Score bei.
Unterm Strich hält sich zwar die Spannung in Grenzen, doch wenn Klischees und Wahrheit Hand in Hand gehen, nimmt das durchaus in Beschlag.
6,5 von 10