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Road House - Dirty Punching mit Jake Gyllenhaal

Wer sich aktuell die Amazon Prime Video Hitliste ansieht, der wird entweder wehmütig seufzen „Sowas wird heute einfach nicht mehr gedreht“, oder naserümpfend meckern „Das heute sowas noch gedreht wird“, je nach Habitus. Die Rede ist natürlich von „Road House“, der aktuell von der Spitze der Charts grüßt. Schon der neonblaue Schriftzug macht unmissverständlich klar wo die Reise hingeht, beziehungsweise wo die Reise herkommt. Wieder einmal sind die dauerpopulären 80er Jahre Referenz und Anknüpfungspunkt. Denn „Road House“ gab es schon einmal anno 1989, mit derselben Story, derselben Prämisse, derselben Attitüde und eben auch exakt demselben Schriftzug auf dem Poster.

Eine solch offensive Anbiederung an einen archetypischen Genrefilm seiner Zeit ist für viele Kritiker so etwas wie ein Trigger. Lustig bei den aktuellen negativen Rezensionen ist allerdings, dass dort im gleichen Atemzug das Original als kultiger Actionreißer gefeiert wird. Lustig, weil „Road House `89“ damals mit ähnlichen Schmähungen bedacht wurde, wie nun das Remake. Subsumiert war dort der Tenor, hier einer tumben Prügelorgie, einer dümmlichen Macho-Phantasie, auf jeden Fall einer in jeder Hinsicht tiefer gelegten B-Sause beizuwohnen.

Western-DNA und B-Movie-Charme

Tatsächlich ist die Geschichte um einen belesenen Rausschmeisser, der sich abseits der amerikanischen Metropolregionen mit einem ortsansässigen Crime-Baron anlegt und ganz nebenbei die geknechteten Dorfbewohner von diesem befreit, klassischer B-Movie Stoff. In seiner Reduktion auf das Wesentliche, seinem klar begrenzten Setting und seinen archetypischen Figuren ist das aber auch klassischer Western-Stoff. Remake-Regisseur Doug Liman hat diese unterschwellige Stärke des Originals sehr genau erkannt, denn auch seiner Version strömt die Western-DNA aus allen Poren.

Schon der Name des Protagonisten spricht Bände: Dalton. In der Onomastik steht er für „Siedlung, Stadt, Bauernhof im Tal“. Der Bezug zum titelgebenden Roadhouse ist eindeutig. Diesmal liegt es nicht im ländlichen Missouri, sondern irgendwo auf den Florida Keys, beiden gemein ist aber das abgegrenzte Setting einer abgelegenen Kleinstadt sowie der schlechte Ruf aufgrund ständiger Prügeleien und Sachbeschädigungen durch diverse Rowdys. Beide Ortschaften leiden zudem unter der Knute eines lokalen Emporkömmlings, der alles und jeden in der Hand hat. Die Assoziationen zum allmächtigen Rinderbaron, der ein staubiges Westernkaff knechtet und vom Saloon, über das Hotel bis zum Sheriff´s Office alles kontrolliert, sind sicher kein Zufall. Hier kann die Hilfe nur von außen kommen, durch einen berüchtigten oder legendären Revolverhelden, der einreitet, aufräumt um dann wieder in den Sonnenuntergang zu verschwinden. Womit wir wieder bei Dalton wären.

Edwood Dalton braucht keinen Colt, er ist selbst eine tödliche Waffe. Als ehemaliger UFC-Fighter ist er dem profanen Kneipenschläger haushoch überlegen, zumal ihm auch noch ein Ruf als tickende Zeitbombe vorauseilt. Für das Road House in Glass Key ist er da fast schon überqualifiziert, aber aufgrund eines dunklen Geheimnisses in seiner Vergangenheit nimmt er so gut wie jeden Job in der Prügelbranche an, sofern er ihn nicht zu lange bindet. Natürlich erweist sich der Auftrag dann als unerwartet anspruchsvolle Herausforderung, da sein Gegner weder an Geld, noch an Personal und schon gar nicht an Brutalitäten spart. In bester „Rio Bravo"-Manier kann Dalton zwar zunächst ein paar Deputys rekrutieren, aber für die finale Konfrontation muss er dann doch wieder die eigenen Grenzen bis zum äußersten ausloten.

Modellathlet zwischen Sanftmut und Rage

Jake Gyllenhall übernimmt den Dalton-Part von Patrick Swayze und hat sich dafür eine beeindruckende Physis antrainiert. Der Körperfettanteil dürfte deutlich unter 10 Prozent liegen und Regisseur Doug Liman lässt kaum eine Gelegenheit aus, um uns seinen definierten Hauptdarsteller in all seiner Muskelpracht zu präsentierten. Gyllenhall kann aber nicht nur posen, er kann auch kämpfen. Schon im Boxerdrama „Southpaw“ (2015) von Männerfilm-Experte Antoine Fuqua beeindruckte Gyllenhaal als brachiale Kampfmaschine, angetrieben von ungezügelter Wut und fast schon manischer Energie.

Dalton hat aber auch eine sanfte Seite. Zwar ist er kein studierter Philosoph und Yoga-Meister wie Swayzes Figur, setzt aber ebenfalls zunächst auf Deeskalationsstrategien. Provokationen, selbst mit Fäusten oder Stichwaffen, begegnet er mit buddhistischer Ruhe. Dem eigenwilligen Charme des gebildeten und in sich ruhenden Schlägers verfällt dann auch (wie im Original) eine junge Ärztin, wenigstens bis sie seine dunkle Seite kennen lernt. Gyllenhall meistert selbstredend auch diese Facette der Dalton-Figur bravourös, schließlich hat er einige Erfahrung mit vordergründig sanftmütigen Charakteren.

Action vom Profi

Doug Limans „Road House“ ist aber ebensowenig eine Charakterstudie über einen seelisch verwundeten Kämpfer wie sein 89er Vorbild. Gyllenhaal und Swayze verleihen Dalton mehr Tiefe und machen ihn interessanter als den handelsüblichen B-Action-Helden, aber der Fokus liegt dennoch auf genau diesem. Hier zeigt ein souverän und cool auftretender Badass den bösen Buben wo der Hammer hängt. Und das auf sehr schmerzvolle Weise. Die druckvollen, wuchtigen und straff choreographierten Kampfszenen sind dabei das Salz in der Suppe, die Liman lediglich mit etwas Schnellboot-und Carcrash-Action sowie ein wenig Bleihagel veredelt. Dass der Regisseur von „The Bourne Identity“, „Mr. & Mrs. Smith“ und „Edge of Tomorrow“ sein Action-Handwerk nach wie vor versteht, kann also auch „Road House“ vollumfänglich bestätigen. Optisch setzt er nach einem farbgefiltert düsteren Beginn auf satte Farben und deutlich mehr Helligkeit, was nicht nur dem Originalfilm huldigt, sondern auch gut zum fetzigen Unterhaltungsprimat der Neuauflage passt.

Für Fans des Swayze-Originals gibt es also keinerlei Grund zur Besorgnis. Das Andenken des zum Kultfilm avancierten 80s-Kloppers wird keinesfalls beschmutzt, ganz im Gegenteil. Sämtliche Stärken (Ton, Schwung, Setting, Action) und selbst kleinere Schwächen (beide Filme sind gut 15 Minuten zu lang und warten nicht gerade mit den charismatischsten Antagonisten auf) finden sich allesamt im Remake wieder und wurden passgenau auf die Gegenwart übertragen. Dazu gibt es Unmengen an Eastereggs zu entdecken, angefangen mit Gyllenhaal Tatoos, über spezielle Locations bis hin zu ganzen Dialogzeilen. Um es kurz zu machen: wem das 1989er Road House Spaß gemacht hat, der kann auch mit der aktuellen Version die Kronkorken knallen lassen. Der Rest sollte lieber nicht einchecken und schon gar nicht randalieren, Rausschmeißer Dalton kann auch unsanft.

(7,5/10)

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