...und wenn sich die Gäste in verdammte Vampire verwandeln, die Band spielt weiter. Selbst wenn die Titanic schon wieder sinkt. Die Band. Spielt. Weiter.
Fresse polieren ist die neue Normalität. Dafür steht ein routinierter Rausschmeißer nicht einmal mehr auf. Messer im Bauch? Kein Grund, das Gesicht zu verziehen. Erstmal schauen, ob der Kerl sein Messer überhaupt zurückhaben will.
Von einem handelsüblichen Remake unterscheidet sich „Road House“ dadurch, dass er es längst nicht mehr nötig hat, das Original zu dekonstruieren. Er dekonstruiert die Coolness an sich. Um Sam Elliott wird sich ebenso wenig geschert wie um Jeff Healey. Nicht einmal Patrick Swayze ist heilig. Alles bedeutungsloser Ballast, der abgerissen gehört wie marodes Bauwerk. Stehen bleibt nur das Road House, das nicht einmal mehr den Anstand hat, Double Deuce zu heißen. Es ist einfach nur noch das Road House. Mit Anbindung zum Krankenhaus, 25 Kilometer weiter den Highway hinauf.
Conor McGregor kommt eine gefühlte Stunde zu spät zu seinem eigenen Filmdebüt, stolziert dann aber wie ein Hahn mit blankem Arsch über die Florida Keys, auf dass Jake Gyllenhaal seinen eigenen nicht zeigen muss. Ein wenig ähnelt er tatsächlich Foghorn Leghorn aus den Warner-Brothers-Cartoons, wie er sich mit geschwellter Brust, buntem Tattooschmuck und absurdem Kinnbart seinen Weg zu seinem Widersacher bahnt.
Gyllenhaal hingegen sieht aus wie eine demolierte UFC-Actionfigur, die man ein paarmal zu oft gegen die Wand geworfen hat. Ganz dicht in der Birne sind jedenfalls beide nicht. Selbst wenn sich Billy Magnussen und Joaquim de Almeida zwischenzeitlich mit ihren Hawaiihemden und pfirsichfarbenen Maßanzügen aus Italien wie glitschige Aale dazwischenschieben, kann das Duell am Ende nur heißen: Godzilla vs. Kong.
Aus den psychologischen Unwuchten, die theoretisch in den Charakteren stecken, macht Doug Liman eine völlig überzuckerte Farce. Ein Rausch aus Adrenalin und Testosteron, dessen Moschusdünste den Zugang zu den inneren Dämonen der Prügler verwehren, trotz der in Träumen und seltenen Momenten der Selbstreflektion gezeigten, aber hoffnungslos verschütteten Traumata. Die Kamera schwingt mit jedem Faustschlag mit, als ginge es darum, den Tunnelblick zu bewahren. Als ginge es darum, bloß nicht das Momentum der Oberflächlichkeit zu verlieren. Es ist ein verdammter Samstagmorgencartoon.
Leerer könnte ein Beat-em-Up-Film kaum sein. Desillusionierender könnte er kaum sein, weil Gut und Böse hiernach kaum mehr eine Bedeutung haben. Dahingehend ist „Road House“ immerhin konsequent. Und irgendwie sogar ein würdiges Remake.