Review

Komplette Miniserie

Alain Delon, Matt Damon, Dennis Hopper und John Malkovich haben es schon getan, nun ist „Moriarty“ und „hot priest“ Darsteller Adam Scott an der Reihe, Patricia Highsmiths „Grifter“ Tom Ripley zu verkörpern. 

Autor und Regisseur Steven Zaillian steht für Qualität, hat u. a. die Drehbücher für SCHINDLER‘S LIST, GANGS OF NEW YORK, MONEYBALL und THE IRISHMAN geschrieben. Seine Miniserie RIPLEY ist die bislang originalgetreuste Verfilmung des ersten Romans „The talented Mister Ripley“, auch wenn einige Details wie Zeitraum und Alter der Charaktere sowie das Ende verändert wurden. 

Dafür hat er sich auch die notwendige Zeit genommen: In knapp acht Stunden und wunderbarer Schwarzweiß-Fotografie erzählt die Serie die in großen Teilen bereits bekannte Story vom Gelegenheitsgauner Thomas Ripley, der vom reichen Vater eines entfernten Freundes damit beauftragt wird, den Jungen aus Italien zurück nach Hause zu holen und dabei seine große Chance wittert, ein neues Leben anzufangen. 

Scotts und Zaillians Portrait unterscheidet sich deutlich von den bisherigen Verkörperungen. Ihr Ripley ist kein cleverer Killer und auch kein verführerischer Verbrecher, sondern ein eigentlich armseliger Betrüger, der zwar talentiert imitiert und skrupellos genug ist, Verdächtigungen jeder Art die Stirn zu bieten, mit seinen Taten aber zumindest anfangs hoffnungslos überfordert ist und meist nur aus purem Glück nicht erwischt wird – oder gar selbst dabei drauf geht. 

Etwas Geduld muss man mitbringen, die ersten beiden Folgen lassen zwar das nahende Unheil ahnen, dienen jedoch in erster Linie der Charakterisierung und Etablierung. Spätestens mit der großartig inszenierten dritten Folge jedoch wird RIPLEY zur durchgehend fesselnden Unterhaltung und zu einem ausgedehnten spannenden Katz-und-Maus-Spiel mit mehreren Beteiligten, bei dem schon ein falsches Wort oder ein veröffentlichtes Foto ausreichen würde, um das von Ripley mühsam errichtete Kartenhaus falscher Identitäten und Fährten zum Einsturz zu bringen. 

Insbesondere für seine Mordszenen und vor allem für die anschließende Beseitigung der Leichen, nimmt sich die Serie Zeit, jeweils fast eine halbe Folge lang sehen wir Ripley dabei zu, wie er im Affekt Leichtsinnsfehler begeht und diese wieder auszubügeln versucht – das ist hitchcocksche Suspense pur. Wer ruhig und hochelegant erzählte Thrillerunterhaltung schätzt und bereit ist, sich von seinem bisherigen Ripley-Bild zu lösen, wird diesen RIPLEY genießen.

Details
Ähnliche Filme