Review

Staffel 1

Als zwei arabische Clan-Mitglieder am helllichten Tag eine wertvolle Goldmünze aus einem Berliner Museum stehlen, ahnt Charly Markovic (Frederick Lau) noch nicht, daß sich damit auch sein neu begonnenes Familienleben grundlegend ändern wird. Denn der ehemalige Geldschrankknacker, ein absoluter Profi in dieser Disziplin, hatte nach verbüßter Haftstrafe ein bürgerliches Leben mit der Tierärztin Samira (Svenja Jung) und Sohn Jonas begonnen und seine Brötchen bei einem Schlüsseldienst auf ehrliche Weise verdient.
Nun aber wird Charly von früheren Spießgesellen recht unsanft überredet, sein Fachwissen noch einmal unter Beweis zu stellen: die geraubte Münze befindet sich derzeit in einem Safe im Keller eines Nagelstudios, das dem Al-Walid-Clan gehört. Den Zugang dorthin verschaffen sich die serbischen Auftraggeber durch eine dünne Rigipswand aus dem Nachbarkeller, dann sind Charlys Künste gefragt. Dem gelingt es auch, die Münze zu entwenden, dummerweise ist diese jedoch bereits einem Interessenten aus Wien versprochen.
Dort nämlich liegt der Rotlichtkönig Karl Bachofner (Branko Samarovski), von allen nur "der Große" genannt, im Sterben, während sein Bruder Franz (Karl Welunschek), allseits als "der Rote" bekannt, die Münze einem russischen Oligarchen versprochen hat - der besitzt nämlich bereits 2 von nur 3 existierenden Exemplaren dieses Goldstücks und ist begierig, sich auch die letzte Münze einzuverleiben. Die Übergabe in Berlin, durchgeführt vom schwergewichtigen Taxifahrer Joseph Muckstein (Christoph F. Krutzler) und Rio (Lukas Watzl), dem Sohn des Roten, geht allerdings schief und der in die Schußlinie zwischen Araber-Clan und Serben geratene Charly beschließt, sich vorerst ins Ausland abzusetzen. In Marseille kennt er einen alten Freund, Rami (Kida Khodr Ramadan), der ihm noch einen Gefallen schuldig ist. Und so machen sich er und Joseph auf den Weg nach Südfrankreich - verfolgt von Jägern und Rächern aus Berlin und Wien. Eine turbulente Jagd beginnt...

Viele Versatzstücke und altbekannte Klischees bestimmen das Bild der achtteiligen Serie Crooks, die unter der Regie von Marvin Kren (4 Blocks) und Cüneyt Kaya entstand - die bis in die Nebenrollen gut besetzte und prominente Darstellerriege sowie die tadellosen Produktionswerte lassen einen zeitweilig an eine ARD-ORF-Koproduktion glauben, doch das temporeiche Road-Movie entstand - mal wieder - für den Streaminggiganten Netflix.

Während der Fokus klar auf kurzweiliger Unterhaltung liegt, gehen die vielen Subplots um immer neue Filmcharaktäre, die im Laufe der Zeit auftauchen und sich meistens als unehrlich und zwielichtig erweisen, klar zu Lasten der Spannung - und der Logik. Auf Letztere kommt es in Crooks allerdings auch nicht wirklich an, denn daran, daß der zurückhaltende Berliner Safeknacker und der emotionale rundliche Wiener Taxifahrer, zunächst als Zweckgemeinschaft aufeinander angewiesen, später freundschaftliche Bande zueinander entwickelnd, es am Ende schaffen werden, besteht schon bald kein Zweifel mehr. Doch bis dahin müssen Charly, der nebenbei auch noch Kampfsportler und kriminelles Mastermind zu sein scheint, und sein ungleiches Pendant, der sich als unehelicher Sohn und Alleinerbe des verstorbenen Rotlichtkönigs herausstellt, sich allerhand Bosheiten und Verräter erwehren, wobei die Palette von ehemaligen Zellengenossen über korsische Mafiosi bis hin zu einer von einer Frau geleiteten kriminellen französischen Dynastie reicht.

Gleichwohl die 8 Folgen zwischen je etwa 40 bis 60 Minuten dank des flotten Erzähltempos kaum Längen aufweisen, lassen einige Filmcharaktäre bezüglich der Figurenzeichnung etwas zu wünschen übrig: vom Libanesen Rami, der seinen alten Kumpel verpfeift, erfährt man genausowenig wie vom eindimensionalen Berliner Clan-Chef, der ganz alleine nach Marseille reist (wtf?). Die Eigeninitiative zeigende Wiener Polizistin, deren persönliche Motive sie später auf eigene Faust ermitteln lassen, hätte sich mehr Screentime verdient, während die storytechnische Einbindung von Charlys Sohn Jonas (der gerne Fußball spielt - echt jetzt?) und seiner Frau Samira (die meist alles falsch versteht) vermutlich nur zugunsten eines möglichst breit gestreuten Publikums erfolgte. Sehr treffend dagegen präsentieren sich die beiden feindlich gesinnten Rotlichtgrößen samt deren Anhang - hier rennt der (Wiener) Schmäh, wie es so schön heißt.

Am Ende mag man sich über das überstürzte, sehr straff gehaltene Finale wundern, hatte man sich doch bereits an das verschmitzte Lächeln des dicken Joseph, des heimlichen Stars dieser Serie, gewöhnt, doch irgendwann mußte vermutlich Schluß sein. Vielleicht tüfteln die Macher bereits an weiteren Verstrickungen an neuen Locations für eine 2. Staffel, in die das deutsch-österreichische Duo infernale dann wieder unvermutet hineinstolpert, bezüglich routiniert abgefilmter Unterhaltung auf gehobenem TV-Niveau wäre dies jedenfalls keine schlechte Option. 6 Punkte.

Details
Ähnliche Filme