Auch wenn die damsel in distress, die Jungfrau in Nöten nicht mehr allzu zeitgemäß erscheint, so lässt sich selbst bei einigen klassischen Märchen der Grimm Brothers bescheinigen, dass sich bereits dort einige heldenhafte Frauenfiguren tummelten: Schneeweißchen und Rosenrot gab es gleich im Doppelpack, die Tussi aus Rumpelstilzchen bezwingt den Titelgebenden mit einer List und auch Gretel stand ohne ihren gehänselten Bro deutlich besser dar.
Folgerichtig lässt man nun eine Millie Bobby Brown eine Heldentour bestreiten, welche ohne die gelungenen Umgebungen allerdings nicht vollends überzeugen würde.
Elodie (Millie Bobby Brown) wird dem wohlhabenden Königreich Aurea und dem dazugehörigen Prinzen versprochen. Mit einem entscheidenden Haken: Die Maid soll in einer Höhle einem Drachen geopfert werden, was dieser rein gar nicht zusagt…
Obgleich der Stoff vorgibt, kein Märchen zu sein, entpuppt er sich während der Einführung größtenteils als ein solches. Eine ausgemachte Heirat, eine gar nicht so böse Stiefmutter (Angela Bassett), eine eiskalte Herrscherin (Robin Wright) und ein paar Schnuller am Rande, von denen der alte König (Ray Winstone) noch die tauglichste Figur abgibt.
Nach dem bunten Vorspiel mit dunklen Vorzeichen entpuppt sich der Stoff direkt mit dem Fall in die Drachenhöhle als reines Survivalabenteuer.
Jenes ermüdet zwischenzeitlich ein wenig, obgleich die Kulisse makellos gestaltet ist und kleine Gadgets wie überdimensionale Glühwürmchen oder stürzende Feuervögel toll in Szene sind. Das liegt einerseits am etwas unausgegorenen Verhalten des Drachen, der zwischenzeitlich recht orientierungslos in seinem eigentlich vertrauten Terrain scheint und andererseits am Fehlen weiterer Nebenfiguren, da Elodie lange Zeit keine sichtliche Entwicklung durchmacht, bis sie zum Finale die entschlossene Amazone auspackt und aus dem Nichts kleine Fallen zu basteln vermag.
Besser wäre es gewesen, dem eindeutig abwechslungsreicherem Finale etwas mehr Raum zu geben und die Pointe ausgiebiger auszukosten, da hier die Action mit einigen Pyroeffekten wieder mehr im Vordergrund steht. Auch die Schauplätze der alten Burg, mit Umgebungen in Portugal und Irland kommen deutlich besser zum Tragen als einige Bluescreens in der Drachenhöhle.
Bis auf sehr wenige Ausnahmen überzeugt die Optik auf ganzer Linie, schon allein durch die Kostüme und der grundsoliden Gestaltung des Drachen, der mit Judith Steinhäuser zudem eine recht charismatische und passende Stimme erhält. Auch der Score kann über weite Teile begeistern, da den Kompositionen von David Fleming deutlich der Produktionshintergrund von Hans Zimmer anzuhören ist. Nicht zuletzt liefern auch die Mimen einigermaßen ab, obgleich die Hauptdarstellerin noch ein wenig an ihren Nuancen arbeiten könnte.
Letztlich fehlt dem Fantasyabenteuer zwar ein wenig das Magische und die Story bleibt in allen Belangen banal und vorhersehbar, doch allzu viel Leerlauf ist innerhalb der rund 109 Minuten Laufzeit nicht auszumachen. Wer das Genre und insbesondere Drachen mag, dürfte zumindest nicht enttäuscht werden.
Knapp
7 von 10