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Staffel 1

In einem dystopischen Paris besteht die Unterwelt aus 6 Verbrecher-clans, die sich sämtliche kriminellen Aktivitäten untereinander aufteilen. Dieses Olymp genannte Kartell trifft sich ab und zu in splendider Atmosphäre, wenn Dinge besprochen werden müssen und beschäftigt darüberhinaus eine nahezu unfehlbare Auftragskillerin, die titelgebende Furie. Die tritt immer dann in Aktion, wenn jemand aus der Reihe zu tanzen beginnt, wobei sie es spielend mit einem Dutzend Schwerbewaffneter aufnimmt, wie die Anfangssequenz beispielhaft belegt. Dabei ist die Furie, die ihr Amt weitergeben kann,  nicht immer unumstritten, jedoch von allen wohl respektiert. Derzeit hat Selma (Marina Foïs) dieses Amt inne, doch die toughe Endvierzigerin, die stets mit zwei Helfern im Hintergrund operiert, denkt im Stillen bereits an eine würdige Nachfolgerin.
Da betritt relativ unvermittelt die junge Lyna Guerrab (Lina El Arabi) die Bühne: die 17-jährige hat gerade ihren Vater verloren und sucht nach den Hintergründen: ihr Papa, ein Gangster, wurde nämlich ermordet, und da Lyna dies nicht wirklich wußte, erhält sie auch keine wirklich befriedigenden Antworten auf ihre Fragen. Äußerst selbstbewußt schleicht sie sich in mafiöse Kreise ein und macht dabei erstmals Bekanntschaft mit der Furie. Stets auf der Suche nach der Wahrheit über ihren Vater kreuzen sich die Wege der beiden Frauen immer öfter, denn Selma weiß mehr, viel mehr über Lynas Familie, als sie zunächst preisgibt...

Actionfreunde kommen bei der französischen Netflix-Serie Furies durchaus auf ihre Kosten, doch die zahlreichen Shoot-outs und Prügeleien, die in der Regel ordentlich choreographiert und teilweise aufwendig in Szene gesetzt wurden, sind dann auch das einzig Bemerkenswerte an diesem Achtteiler, dessen misslungenes Drehbuch mit seiner rotznasigen, in keiner Hinsicht überzeugenden Hauptdarstellerin aus einer permanenten Abfolge irgendwelcher neuer, abstruser Wendungen besteht, die das Publikum in Atem halten sollen, in Wirklichkeit jedoch bestenfalls Verwirrung stiften.

Das aus manch skurrilen, in jedem Fall holzschnittartigen Typen bestehende Syndikat, aus irgendeinem Marvel-Streifen abgekupfert, liefert einen hochgradig gekünstelt anmutenden Hintergrund, vor dem sich eine 17-jährige (nach wenigen Monaten "Training") als eine Mischung aus Jason Bourne, John Wick und Jack Reacher produzieren darf. Dabei deckt sie immer mehr Geheimnisse um ihre eigene Herkunft auf, die selbst beim besten Willen nicht vorherzusehen und ebensowenig nachvollziehbar sind und eigentlich auch niemanden interessieren.
Während also rundherum intrigiert, bedeutungsschwanger geplappert und vor allem herumgeballert wird, bleibt Lyna selbstverständlich stets unbehelligt und entkommt jedem Kugelhagel, Bombenanschlag etc. Neben Totgeglaubten tauchen dann ständig neue Nebenfiguren auf, über deren Background oder Stellung in der wirren Geschichte man jedoch viel zu wenig erfährt und die ebensoschnell wieder verschwinden. Unterhaltung oder gar Spannung sieht anders aus, zumal sich schon früh herauskristallisiert, daß die 17-Jährige wohl bald die Nachfolge von Selma als neue Furie antreten wird. Bis dahin gibt es einen bunten Reigen an diversen Kills, bei denen die Regie vor allem Wert auf einen hohen Bodycount und technische Spielereien wie z.B. eine Home Invasion mit Nachtsichtgeräten und dergleichen legt, einen roten Faden und den Draht zum Zuschauer aber schon längst verloren hat.

Die Kombination aus visuell durchaus ansprechendem Geschehen in einem völlig seelenlosen, zerfransten Plot plus einer ausgesprochen nichtssagenden Hauptdarstellerin verursachen dann auch alsbald ein Gefühl der Langeweile, das sich - zumindest bei mir - in zahlreichen Pausen während der 8 Episoden zu je etwa 40 Minuten äußerte. Wer sich eine weitere Netflix-Serien-Enttäuschung ersparen möchte, ist vielleicht am besten beraten, diesen überambitionierten Käse mit seinen trendigen aber substanzlosen weiblichen Heroen einfach zu überspringen. 2 Punkte.

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