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Als thematisch erfrischend anders angesiedelter Thriller erweist sich der noch zur Zeit der nicht abebben wollenden Teeniehorrorwelle entstandene „The Skulls“. Der inzwischen für sinnfreie Popkornkultur bekannt gewordene Regisseur Rob Cohen („The Fast and the Furious“, „xXx“) schnappte sich hier die Urban Legend (angeblich ja wirklich existent?) eines elitären Geheimbunds, der seinen Nachwuchs direkt vom Campus rekrutiert und verweist dabei ausführlich auf die Vorzeigeuniversität Yale.

Der mit „Dawson’s Creek“ bekannt gewordene und nach kleinen Rollen in „Urban Legends“ oder „Cruel Intensions“ endlich zu seiner ersten Hauptrolle beförderte Joshua Jackson gibt hier den aus einfachen Verhältnissen kommenden Damon Brooks, der sich seine Ausbildung mit Tellerwäscherei selbst verdient und nur Verachtung für die reichen Schnösels wie Caleb Mandrake (Paul Walker, „The Fast and the Furious“, „Timeline“) übrig hat. Als die Sportskanone jedoch mit seinen außergewöhnlichen Talent beim Rudern auf sich aufmerksam macht, beschließt die Skulls ihn in ihren Kreis aufzunehmen...

Obwohl mit nur einem hollywoodschen B-Budget (15 Millionen) ausgestattet, setzt Cohen hier vor allem auf die Optik. Da ist die Universität ein uraltes, voller Tradition steckendes Gemäuer, wie jeder Zuschauer es sich seit „Dead Poets Society“ erträumt. Der aristokratische Verein verlangt nach etlichen Riten und Zeremonien, die kaum altertümlicher sein könnten. Damit schafft er, trotz aller angebrachter Skepsis beim Publikum, eine recht authentische Atmosphäre bezüglich solcher Spitzenuniversitäten, die sich eben nicht jeder leisten kann.

Für Damon geht mit der Aufnahme ein Traum in Erfüllung. Der Test erweist sich als nicht sonderlich schwierig, soll aber die Freundschaft zu Caleb Mandrake nach sich ziehen. Sein Vater Litten (Craig T. Nelson, „Poltergeist II: The Other Side“, „Creature“) ist nicht nur ein einflussreicher Richter, sondern auch Oberhaupt des Geheimbunds. Damon genießt sein neues, zugegeben völlig überzogen dargestelltes, Leben in vollen Zügen, bemerkt aber dabei nicht, wie er sich von seinen alten Freunden distanziert. Als dann einer seiner Freunde durch die Hand dieser Gesellschaft stirbt und Damon mit dem Gedanken spielt die Pläne des Bundes zu durchkreuzen, beginnt dieser seine Möglichkeiten zu nutzen. Nur, auch in der Organisation selbst wird untereinander gar kräftig konspiriert. So sauber das nach außen hin auch alles aussehen mag, ganz grün sind, die teilweise höchste Ämter bekleidenden, Mitglieder sich nicht.

Ganz durchsichtig ist die Angelegenheit zwar nicht immer, Rob Cohen inszeniert aber spannend und temporeich, spielt damals aktuelle Chartmucke ein, serviert zwischendurch ein paar kleinere Actioneinlagen und reißt, nachdem er sich zu Beginn so viel Zeit gelassen hat, den Plot leider recht schnell herunter. Spätestens wenn Damon zum Gegenschlag ausholt und unerwartet Hilfe erhält, geht es dann Schlag auf Schlag.

Neu erfinden tut Cohen das Genre hier selbstverständlich nicht und ob zwei die gleiche Geschichte nochmal erzählende Direct-to-DVD-Produktionen unbedingt folgen mussten, ist auch sehr fraglich. Da werden vom mahnenden Freund, über die sich erst mit ihm streitende und dann zu ihm haltende Freundin, bis hin zum undurchschaubaren Cop so einige konventionelle Register gezogen. Eigentlich ist es nur dem außergewöhnlichen Thema an sich zu verdanken, dass „The Skulls“ seinerzeit nicht in der Versenkung verschwand und nie wieder gesehen ward.

Als überraschend positiv erweisen sich die schauspielerischen Leistungen, sowie die optimal besetzten Nebenrollen. Joshua Jackson, so sehr es ihm auch an Ausstrahlung mangelt, gibt den ehrgeizigen Damon mit Hingabe, während Paul Walker als gegelter Schnösel aus reichem Haus hier noch nicht so sehr auf sein späteres Sunnboy-Image achtet. Die aktuell in der bei uns laufenden „Emergency Room“ – Staffel auffallende Leslie Bibb darf als Freundin, wie es sich für so einen simpel konstruierten Charakter gehört, gut aussehen und hilfreich zur Seite stehen, während ältere Semester wie der leider zu selten im Kino zu sehende William L. Petersen („Manhunter“, „Young Guns II“), Craig T. Nelson und Christopher McDonald („The Faculty“,„Happy Gilmore“) die Autoritäten des Geheimbundes bilden.


Fazit:
Optisch schicker und thematisch interessanter Thriller, in dem mal nicht ein maskierter Killer sein Unwesen treibt. Die schauspielerischen Leistungen gehen in Ordnung, die Inszenierung ist, gemessen am relativ kleinen Budget, sehr ordentlich und die Spannung ist konstant. Kein Großer des Genres aber allemal Unterhaltung für zwischendurch.

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