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The Musicfly Effect

Bestimmte Musik versetzt uns (genauso wie Gerüche/Parfums) sehr fühlbar und gänsehautfördernd an intime Orte, Erinnerungen und Momente unseres Lebens, die sonst eher blass in unserem Kopf schlummern. Aber Musik kann diese losen, in den Hintergrund gerückten Fragmente zusammensetzen und sehr persönlich intensivieren. Das ist eine Kunst und Magie, die man weder leugnen kann noch verstehen muss. Aber jeder kennt's. Und genau mit dieser zauberhaften Verbindung zwischen Ohr, Kopf und Herz spielt „The Greatest Hits“, in dem eine junge Frau mit Hilfe ihrer Plattensammlung an bestimmte Zeitpunkte ihres Lebens und ihrer großen Liebe springen kann… ist dadurch das Schicksal eventuell sogar auszutricksen? Oder spielt sich alles eh nur in ihrer Vorstellung ab und es handelt sich um ihre besondere Bewältigung von Trennung, Trauer und Schmerz?

Liebeskummer als Vinylnummer

„The Greatest Hits“ hat eine tolle Textur, eine grenzgeniale Idee und ist besonders für Vinylfans mit Hang zu RomComs ein echter Herzhit. Indie und doch Mainstream. Und das ist mal gar nicht negativ gemeint. Gefühlvoll, romantisch, traurig wie hoffnungsvoll zugleich. Ziemlich fein. Ein Geschenk für jeden Valentinstag, für jeden Audiophilen, für jedes frische Paar. Vielleicht auch für Trauernde, Getrennte, Herzbrüchige und Singles. So oder so genauso plakativ wie effektiv. Zwischen „(500) Days of Summer“ und „Butterfly Effect“, zwischen Disney Channel und Lana Del Rey, zwischen Reife und Herzpochern. Ich finde „The Greatest Hits“ gelungen. Auch wenn er sich den Vorwurf der Nachmache oder zumindest des Zuspätkommens gefallen lassen muss, da es mit „Press Play“ einen erstaunlich ähnlichen Film schon länger gibt. Aber selbst mit diesem möglichen Hinkebein hat diese süße Searchlight Produktion einige Eisen im Feuer. Frische Gesichter, funkensprühende Chemie zu mehreren Seiten, coole Hits, eine feine Optik weit, weit über dem RomCom-Schnitt. Da verzeiht man, wenn seine Metapher des Loslassen und Neustarten insgesamt dann doch etwas „auf die Nase“ rüberkommt und nicht jede tieftraurige Emotion total authentisch wirkt. Richtig ins Kitschige kippt er für mich jedoch auch nie. Doch in der Beziehung bin ich auch alles andere als weich im Nehmen. 

Radio Nostalgia

Fazit: musikalisch, gutes Tempo, stylisch… aber auch wirklich emotional? Zeitweise ja. Für mich. Aber nicht durchgängig. Dennoch reichen ein klasse Soundtrack, gute Darsteller und eben sein ziemlich catchy „Elevator Pitch“ für eine romantisch-fantasievolle Zeit. Zu zweit. Am besten. I like this Song! Erst recht wenn man das „schwarze Gold“ gerne hört oder gar sammelt. Obwohl „Press Play“ deutlich früher kam und ich nicht weiß, ob man das noch „Zwillingsfilm“ oder schon Plagiat nennen kann… Für wen Letzteres zutrifft zieht ein bis zwei Punkte ab. Ansonsten kann ich „Greatest Hits“ kaum böse sein. Er drückt ein paar richtige Knöpfe. 

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