Ungarn, irgendwo im Nirgendwo: Nach einem Gefängnis-Aufenthalt wird der antriebslose Laci von seiner Mutter Magdolna bei seinem entfremdeten Vater István abgesetzt, der gemeinsam mit seinem verkrüppelten Kumpel Zoli eine Tankstelle an einer kaum befahrenen Landstraße betreibt. Noch am selben Tag taucht der Schläger-Typ Zsolt auf, der mit seinem Van vier Prostituierte im Auftrag eines Gangster-Bosses in die Schweiz chauffiert... und der nebenbei auch heimlich Schmuggel-Ware abholen will, welche laut István aber noch nicht eingetroffen ist. Aufgrund eines defekten Zündkabels hängen Zsolt und die Nutten nun zu allem Überfluss auch noch an der Tankstelle fest. Beim tagelangen Herumsitzen und Warten nagen Alk und Langeweile an den Nerven der Anwesenden und während Laci sich langsam mit der jungen Marcsi anfreundet, die so allmählich ihre Berufswahl in Frage stellt, wird die Zsolts Zündschnur zunehmend kürzer... Hinter dem ebenso unsinnigen wie unpassenden deutschen Titel "Wild" verbirgt sich mit dem ungarischen Thriller-Drama "Kút" ein kleines Juwel im Streaming-Fundus von Amazon Prime Video, das es verdient hätte, ein wenig bekannter zu sein... bzw. überhaupt mal auf dem Radar der Zuschauerschaft zu erscheinen, denn welcher Abonnent klickt da schon über die Startseite hinaus und wühlt aus Jux und Dollerei auch einfach mal so im schundigen Back-Programm, wo die eigentlichen filmischen Überraschungen auf einen warten? Eben! Also, lasst mich das Ganze mal ein wenig anpreisen, denn Attila Gigors sauber inszenierter Streifen auf gutem B-Level schafft es doch tatsächlich, auf unpeinliche und schwarzhumorige Art und Weise ein Tarantino-eskes Gangster-Getümmel mit der Atmosphäre von "Texas Chainsaw Massacre" (man beachte den überfahrenen Fuchs zu Beginn!) und dem Weltschmerz eines Kaurismäki zu verbinden und dabei mit erzählerischem Tiefgang und lebendiger Figuren-Zeichnung eine Handlung voranzutreiben, welche sich im Schluss-Drittel ziemlich heftig in ein paar eruptiven Gewalt-Einlagen (Marke: kurz und knackig) entlädt. Als auf ein einziges Setting beschränktes Beinahe-Kammerspiel kommt das alles ergo wesentlich abseitiger daher als die übliche Genre-Ware made in Hollywood, aber deswegen ist die Chose keinesfalls sperrig oder weniger publikumswirksam, denn sowohl die Geschichte als auch die unverbrauchten Darsteller halten einen gut bei der Stange. Viel mehr sollte man dann darüber im Vorfeld auch gar nicht wissen, denn obwohl "Kút" (eine akkurate Übersetzung, soweit ich das mit meinen nicht vorhandenen Ungarisch-Kenntnissen eruieren konnte, wäre wohl "Brunnen", was sich auf einen Witz bezieht, der dem Film in Schriftform vorangestellt ist...) einem die Twists und Turns da nicht im Minutentakt um die Ohren haut, so hält er doch die eine oder andere unvorhersehbare Wendung parat und das gedrosselte Erzähl-Tempo erweist sich geradezu als ideal, um dafür zu sorgen, dass sich der Streifen in Slow-Burn-Manier auch so richtig tief einbrennen kann. So hätte man der Angelegenheit dann auch gewünscht, dass sie hierzulande etwas liebevoller behandelt worden wäre, denn mindestens ein physischer Release auf DVD und Blu-ray hätte doch drin sein müssen! Nun ja, was nicht ist, kann ja noch werden... bis dahin entkommt man der miserablen deutschen Synchro unter Porno-Niveau halt mittels Originalton und Untertiteln. Trotzdem: Definitiv sehenswert!
8/10