Seit dem krankheitsbedingten Abtreten von Bruce Willis aus dem Filmgeschäft und dem offiziellen Abschied der Karriere scheinen die Auftritte von Kumpan und Leidensgenosse (in Sachen filmischer Laufbahn) John Travolta wieder häufiger zu werden, fast wie als Übernahme des Staffelstabes, den zwischenzeitlich auch Mel Gibson in der Hand zu haben schien; vielleicht wird sich die Ehre der Übernahme und Fortführung auch geteilt.Travolta hatte natürlich den gemeinsamen Auftritt in Paradise City - Endstation Rache, einem angesichts der Möglichkeiten eher enttäuschenden Actionthriller, und hat anschließend gleich Mob Land nachgeschoben, der abseits aller Budgetbedingungen bzw. -begrenzungen einiges für sich zu sprechen hatte, immer noch kein Großwerk war, in seinem kleinen und isolierten ländlichen Milieu aber so mancherlei Überraschungen zücken konnte und vergleichsweise besser abschnitt. Folgend darauf wurde ein Bankraubthriller unter der Regie des eher berüchtigten als berühmten Randall Emmett angekündigt, welcher auch gedreht wurde, zusätzlich zur Fortsetzung Cash Out 2: High Rollers, und dies als scheinbares Debüt eines sogenannten 'Ives' ist, hinter dessen Pseudonym Emmett selber steckt. Es gab vorher schon Ärger mit Presse, Gesetz und Finanzen, was sich bei dieser Produktion fortsetzte, und auch bei dem nächsten Film, Armored mit Sylvester Stallone und Jason Patric niederschlug, wo die Regienennung ebenfalls übertragen wurde und sich offiziell Jemand Anderer verantwortlich dafür in Szene setzt:
Gentleman-Gauner Mason Goddard [ John Travolta ] ist mit seiner Mannschaft, bestehend aus seinem Bruder Shawn [ Lukas Haas ] sowie Anton [ Quavo ], Hector [ Noël Gugliemi ] und der Hackerin Link [ Natali Yura ] beim letzten Coup nur knapp dem FBI entronnen, hat sich doch die Agentin Amelia Deckard [ Kristin David ] in die Truppe und sein Herz gleich mit eingeschleust. Goddard, der sich die folgenden Monate mit gebrochenen Herzen und Mut zurückgezogen hat, wird eines Tages durch Link an den Standort einer Bank gerufen, Shawn hat alleine und dies mit der Geiselnahme des Managers Georgios Caras [ Swen Temmel ] einen scheinbar todsicheren Plan ausgetüftelt, der nicht bloß schnell das FBI und damit auch Deckard wieder anlockt, sondern auch ein Sondereinsatzkommando unter Führung von Captain Fabrizio [ Matt Gerald ], die schon den Finger am Abzug haben.
"I hope you've brought enough popcorn for all of us."
Gehandhabt ist die Produktion in der Verbreitung von Lionsgate und Saban Films, also im Grunde nichts Neues an der Front, wie immer zuletzt im DtV-Business, die auffälligsten Firmen oder die, mit dem fleißigsten Nachschub. Da Highland Film Group und Bondit Media Capital auch noch gewohntermaßen anbei sind, sollte zumindest die Finanzierung stehen, möchte man meinen, mittlerweile wird ja eher mehr gekleckert als geklotzt, das war bei Willis schon so, das übertrug sich auf Gibson und auch auf Travolta, wenn man sich zumindest Mob Land in Erinnerung ruft und an das Kleinklein dort besinnt. Die Lizenzierung eines Liedes von Chet Baker konnte man sich immerhin leisten, ein wenig Schampus wird auch geschlürft, das Schlabberwasser aus der grünen Flasche, dazu Travolta im Flugzeug, wahrscheinlich hat er seine eigene Privatmaschine zur Verfügung noch gestellt. Auf Luxus wird erst gemacht und so getan, auf Penunzen in der Kasse, auf High Class und die oberen Zehntausend, der Schein vorgeführt, der Auftritt ist alles, der erste Eindruck gewinnt.
Mit hohen Zahlen wird um sich geworfen, mit Millionenbeiträgen, einen davon hat wahrscheinlich der Star selber, den Rest das gesamte Drehteam abbekommen. Dem schönen Gehabe wird hier gefrönt, das kann allerdings über nichts hinwegtäuschen, es wird sichtlich eine Fassade aufgebaut, ein Luftschloss errichtet, so getan als ob. Ein schlichter Coup wird abgezogen, ein paar Sportwagen geklaut, das fühlt sich an wie Nur noch 60 Sekunden (für Arme), das erinnert an die frühen und längst vergangenen 2000. Der Plan gelingt erst, dann wird er behindert und vereitelt, eine Straßenblockade durchbrochen, die Nacht durch eine Kollision und Explosion erhellt, vom Suchscheinwerfer des Helikopters ganz zu schweigen. Eine längere Verfolgungsjagd, dann tritt Plan B in Kraft.
Der letzte Job sollte es werden, der Ruhestand anschließend geplant, es wird der vorletzte Job, die Mission gescheitert, die Wunden geleckt, dann in neuen Schlamassel geraten. Gedreht ist das anfangs schon hanebüchen, ein deutliches Spiel, ein Vormachen von Tatsachen, dazu viel Kameragewirbel, darstellerisch eher bedauerlich, auch Travolta war schon engagierter, er wirkt hier zwischendurch ausgebrannt bis satt und müde, wie kurz nach der Fettlebe und kurz vor dem Nickerchen. Die Auszeit wird nur kurz genossen, noch im Liebeskummer und gekränkten Herz geschwelgt, dazu eine fürchterliche Musikauswahl, von Chet Baker jetzt mal abgesehen, ein lärmiges akustisches Gehabe, konträr zu den eher blassen Bildern. Improvisiert wird hier, das ist schon mal neu, ein Anruf in letzter Sekunde, die Ausführung schon im Gange quasi, ein Einstieg von außen heraus zur Rettung und Beseitigung der gröbsten Mängel, ein Hundstage für die On Demand Generation, für die Streamingklientel, die mit dem bevorzugten Genre Actionthriller, Güteklasse nieder, unteres Preislevel. Kopfschütteln tut Travolta hier bloß, wenn er die Vorbereitung des Planes ansieht und den Start der Exekution, Password: Swordfish ist das nicht, eher die spärliche, die hilflose Ausgabe davon. "Save today, play tomorrow" steht als Werbung in der Filiale, die Bankhalle gut gefüllt, die Umstehenden ahnen nichts von ihrem Glück.
Die Polizei ist dann schneller vor Ort (gedreht in Columbus, Georgia), als man 'Banküberfall' sagen kann, die Zentrale umstellt, die Drohne umrast die Streifenwagen, die Waffen sind gezückt. Auf Schwierigkeiten stößt man von außen und von innen, es gibt Problematiken, nichts ist wirklich durchdacht, in der Hinsicht hat das Skript zumindest einige Pluspunkte, es wirkt auch wie mitten im Dreh vollbracht, es macht einige Wendungen und hält sich dadurch auf Trab. Die Scharfschützen marschieren auf, das FBI rollt heran, die Inszenierung wirkt aufgeregt, vor allem die (bei den vorherigen Tätigkeiten Midnight in the Switchgrass und Pfad der Vergeltung nicht so auffällige) Kameraarbeit, noch mehr Umrundungen und Dreh- und Kreiselmomente, und die Übelkeit beim Zusehen schwillt an. Travolta selber spielt das stoisch, wie ein Profi quasi, eine Situation, die nicht gewollt, die nun aber unabänderlich ist, die gehandhabt werden muss und übernommen, man ist mittendrin (und Travolta auch präsent), die Konsequenzen drohen. Ein taktisches Spiel wird hier aufgezogen, die gegenüberstehenden Parteien kennen die Stärke und die Schwäche des Anderen, beide sind erfahren, einer hat die Übermacht, der andere hat das sagen. Actionszenen sind dabei natürlich überschaubar (bzw. nicht mehr wirklich vorhanden), die erste Szene schon die größte, zwischendurch ein Sprint durch das Gebäude, durch das Großraumbüro, geht einer der Geiseln stiften; der Rest ist eher Palaver und das Androhen einer Eskalation; das erinnert an die offiziellen EFO-Filme Hot Seat und Wire Room - Gerechtigkeit ist ein bewegliches Ziel, ebenso fast nur in einem Gebäude und im Laufe eines einzigen Tages spielten und sich als Belagerung darstellten, viel Drohung im Hintergrund, Special Ops am Warten, aber kaum aktives Geschehen, eine Verzögerungstaktik, Waffenrasseln und die Hufe scharren.