Ok, dieser Review-Exkurs fällt bei mir wohl etwas aus dem Rahmen, aber dieser putzige kleine TV-Film ist so knuffelig aufgeblasen verkauft und an den Markt geschrien worden, dass mich ernsthaft gewundert hat, dass so etwas heutzutage noch produziert wird.
Also: gefunden habe ich dieses hormongeschwängerte Dramenstück bei einem namhaften Streamer, bei dem man mit dem garantiert sensationslüsternden deutschen Titel „Die Cheerleader Killer Queen“ bewirbt. Offenbar wollte man sich an die ebenfalls qualitativ nicht ganz sattelfesten „Babysitter Killer Queen“-Filme dranhängen, denn „hübsche Mädchen + Blut + Satanismus + Teenagercomedy“ funktionieren ja weltweit.
Nur kommt in dieser – umgekehrt sensationell biederen – TV-Produktion maximal der erste Punkt mit den hübschen Mädchen vor und auch das erwähne ich nur, weil ich mal nett sein will. Im Ursprungsland hieß das Ganze noch „Gift of Murder“ und dieser Titel ist genauso ist natürlich ebenso enorm beliebig, kommt damit dem fertigen Produkt aber sehr nahe. Ansonsten hat man die Chose noch unter „Psycho Sweet 16“ vermarktet und eine Psycho kommt ja auch vor, aber man sollte jetzt nicht vermuten, das würde hier in Richtung Hitchcock oder – angesichts des deutschen Titels – in Richtung Slasher laufen.
Fakt ist: das ist der unspektakulärste Film, den ich zum Thema High School-Fehden je genossen habe und wer am Ende zurückblickt, wird kaum glauben können, aus was sich die Chose entwickelt.
Zunächst mal ist einen Runde Familiendrama angesagt, denn Mutti Cindy hat nach einem Unfall eine sehr hohe Toleranz zu starken Schmerzmitteln entwickelt (immerhin, ein realistisches Problem in den Staaten) und schläft mal eben ein, während sie ihre Tochter heimkutschiert. Nach einem Beinahe-Unfall (den wir, wie so ziemlich alles Spektakuläre, was Geld kosten könnte, nicht im Bild sehen) wird sie in die Rehab verwiesen, woraufhin Teenagerin Dylan zu Tante und Onkel muss, damit die Schule und die Freunde wechseln und die „Sweet Sixteen“-Party – offenbar ein beliebtes Vanity-Event, mit dem man seinen ebenso wohlhabenden Freunden zeigt, dass deine Familie es sich leisten kann, es krachen zu lassen – ist auch in Gefahr.
An der neuen Schule beginnt alles ganz furchtbar: Dylan findet binnen 5 Minuten eine neue Freundin, es gibt ein Laufteam in das sie einsteigen kann und die Lehrer sind auch ganz okay. Da kann man schon mal permanent besorgt gucken. Was man hier noch nicht ahnt: als sie in ihrer ersten Stunde eine Lehrerfrage ("Was sind Moleküle?") richtig beantwortet, zieht sie sich die nachfolgend infernalische Ablehnung und Rachebereitschaft von Schulstarschwarmtussi Tiffany (natürlich heißt sie so!) zu, die sie von nun an auf dem Kieker hat. Böse Sprüche im Schulflur, die vermeintliche Alki-Mutter der Rivalin beleidigen, das Laufshirt mit Giftsumach eingerieben, in diese Richtung geht es. Als sie auf dem Schulsportfest jedoch Mama Cindy auf ihrem ersten Freigang was in den Drink mischt und sie dann mit dem Kopf gegen eine Spind rammt, ist das schon ziemlich gewagt.
Aber, und das kann ich jedem versichern, der sich beim Fernsehen nicht gern aufregt, in diesem Film löst sich so ziemlich jede Finte, jeder fiese Plan und jedes Drama binnen fünf Minuten in ein wolkiges Einhornpüpserchen auf. Zwar glaubt Dylan erwartungsgemäß, dass Cindy wieder was eingeworfen hat, aber nach ein oder zwei Schnitten ist die Wahrheit per Test schon längst wieder bewiesen worden und alles sind happy am Handy. Wie überhaupt sich Dylan nicht eben als Heldin auszeichnen kann, denn wo immer ein Problem ist, erweist sich ausgerechnet Cindy auf Rehab als Tom Cruise für das Alltägliche, hackt Schulwebpages und Telefonlisten und weist immer flott (woher kann sie das eigentlich?) nach, dass es die pöse Tiffany war, die hier langsam freidreht.
Schließlich benötigen wir doch noch eine „psycho killer queen“ oder so?
Ja…nee…also…der Titel…na gut, ich bin ehrlich und gemein und verrate es euch: es gibt hier keine Killer Queen. Es gibt auch nur einen Toten und den schubst Tiffy nicht mal in absoluter Mordabsicht eine Treppe runter. Allerdings tut es ihr auch nicht leid, denn aber mehr als milde Soziopathie würde ich ihr nicht vorwerfen, eher halt ein verwöhntes Drecksblag.
Psychologisch ist das ein echter Autorenhammer, denn aus Ablehnung wird alsbald eine ziemliche Macke, Dylan hätte was mit ihrem Freund Jonah und das vollkommen unbegründet, aber sie reitet die Masche nachgradig so lange, bis er sich von ihr trennt und wirklich was mit der Neuen anfangen will. Also fast, denn die sind hier alle so rein und ballkleidversessen, dass alles komplett keimfrei bleiben muss. Geknutscht wird erst nach einem Jahr oder so.
So bleibt denn nur Tiffanys Abstieg zur Hölle, denn nachdem sie ihren Lehrer geschubst hat, versucht sie es erst eine Nummer kleiner (Böse Gerüchte) und dann wieder größer (Brandstiftung in der Partylocation). Aber zum Glück hat Mom Cindy alle Chats gehackt und Tiffany eine Helfershelferin, der auch so schon der Arsch auf Grundeis geht. Also nimmt Dylan flugs ein bereitwilliges Geständnis mit dem Handy auf und schon wird die Böse freundlichst auf ihrer eigenen Sweet-Sixteen-Party (die allerdings wie ein Knutsch-Rave vor einer Vereinsgaststätte aussieht) verhaftet. Klappe zu, Mama sober, alle glücklich.
Tja, das wars. Zahme Psychos, blasse arme Teenager, keine Küsse, kein Gefummel, kein Blut, brave Kids und immer hilfreiche, wenn auch fast durchgehend geschiedene Elternteile, die merken, was sie sich da 15,5 Jahre lang heranerzogen haben. Was wohl auch eine Form sozialen Kommentars ist.
Um noch einmal auf den Titel zurück zu kommen: Cheerleader spielen in dem Film übrigens keine Rolle. Gar keine. Überhaupt keine. Kann sein, dass Cindy mal eine Cheerleaderuniform kurz trägt (ich bin nicht sicher, ich war mit Spulen beschäftigt), aber sie springt und hüpft genauso viel wie sie Leute killt. Aber doch beachtlich, was amerikanische Teenager alles tun, wenn sie verwöhnt sind und ihren Willen nicht bekommen.
Es ist also kein Wunder, wenn sich in dieser filmischen Lektion zum richtigen Umgang miteinander der Verweis findet, es mit einem Film vom „Lifetime Movie Network“ zu tun zu haben, eine dieser filmischen Akkordproduktionsgesellschaften, die reizfreie Skandal- und Schmachtschmonzetten, oberflächliche Mysteries und garantiert keimfreie Bedrohungsszenarien zu Dutzenden von semi-moralischen Schnellschüssen verarbeitet und damit vermutlich ein Riesenpublikum findet, weil das Zeugs zu Zigtausenden bei Walmart auf dem Grabbeltisch rumliegt.
Dabei war das akzeptabel gespielt, es ist nur unglaublich reizlos inszeniert, vermeidet jeden experimentellen Kamerawinkel, lässt alles Spektakuläre aus, spart an Geld, Besetzung und Nebenrolle, wo es nur geht und singt ein Hosianna auf ein aufgeklärtes und gut situiertes Mittelstandsamerika, in dem alle, die nach Glück streben, auch wirklich gut sind und die Bösen am Ende bestraft werden.
Das definitive Movie für mental abgestumpfte Hausfrauen und überarbeitete Businesswomen, die abends einfach zur Flasche Rotwein noch eine Akustikkulisse laufen lassen wollen, die das Gehirn komplett in Ruhe lässt, aber die Emotionen sanft massieren. 3/10