Verzwickter Kriminalthriller und weiterführende Psychostudie mit Russell Crowe, letzterer die jüngere Zeit vermehrt im Porträt, in diversen Genres, mit sich verändernder Aufmerksamkeit, das Publikum mehr oder minder erreichend, der Radius zu früher eingegrenzt, die Modifikation von Angebot und Nachfrage, die Beanspruchung des Alters. Hier bereitgestellt durch Nickel City Productions & Highland Film Group, weniger das Bedienen des Kinos, die Hinweise des Mannes an der Wand, eine Vorbereitung seinerseits, die Orientierung selbst in die Hand genommen, das Wissen um die eigenen Möglichkeiten und die Einschränkungen. Das Aufwachen mitten am Tag, in der eigenen und irgendwie doch unbekannten Wohnung, die Fernbedienung für den Fernseher in der Mikrowelle, die Waffe in der Cornflakestüte; tagsüber die Beschäftigung, die Schmerzen in der Nacht. Der Mann wird untersucht, der Patient und der Kriminaler, die Fragen nach dem Datum und dem Jahr, unbeantwortet geblieben, selbst der Name der Mutter bleibt verborgen. Erinnerungen hat man, doch sie sind schwankend und löchrig, nicht die besten Voraussetzungen für den Vollzug des Berufes:
Roy Freeman [ Russell Crowe ] ist ein pensionierter Mordermittler mit Alzheimer, der sich einer experimentellen Behandlung unterzieht, um einige Erinnerungen zurückzugewinnen. Eines Tages erhält er einen Anruf von Emily Dietz [ Kelly Greyson ], einer Fürsprecherin für Gefängnisinsassen, die ihn bittet, sich mit Isaac Samuel [ Pacharo Mzembe ] zu treffen, einem Insassen, der bald wegen des Mordes an Dr. Joseph Wieder [ Marton Csokas ] hingerichtet werden soll. Isaac sagt Roy, dass er von Roys Partner, Detective Jimmy Remis [ Tommy Flanagan ], zum Geständnis gedrängt wurde.
Reize an die Gehirnregion wurden ausgestrahlt, vorher ein Drogenmissbrauch mit angenommen für die Ursache des Alzheimers, dann ein alter, ein ehemaliger Fall aufgerollt, ein Anruf mittendrin, ein Gespräch gesucht, die Faktenlage dargereicht, eine Revision. Die Regie beruhigend einwirkend, erst der Mann in der Position, seine Umgebung, sein Leben, das Nachforschen in der Vergangenheit, die Akten zuhause im Abstellraum. Wenig Licht wird bereitgehalten, ein bräunlicher Grundton, eine Beleuchtung wie beim Peter Hyams, eine Weitwinkelfotografie, die Studie eines Individuums, die Schusswaffe neben den Puzzleteilen, ein Mord früher und jetzt untersucht. Rückblenden und Erinnerungsfetzen schleichen sich ein, eine brutale Tat, ein blutiger Tatort, die Heranführung des Zuschauers mit den Augen der Hauptperson, mit dem Besuch im Gefängnis, mit eingeschränkter Wahrnahme und ebensolcher Kommunikation. Schuld wird geboten und Frust und Reue, die negativen Gefühle dargereicht, eine verbale Qual und eine Gewissensreichung. Härte wird geboten und Abscheu, eine Foltermethode im Verhör, zehn Jahre zurückliegend und trotzdem die Personen verfolgend, die Handlung ein "Fangen wir nochmal von vorn an.", das Geschehen mit vielen offenen Fragen plötzlich, ein erster und ein zweiter Täter möglicherweise, die Wahrheit hier zweifelhaft und fragwürdig, die Spuren gelegt, die Fährte undurchsichtig.
"Nicht mehr in der Position, sich einzumischen" ist der Ex-Cop hier, die Frist läuft, die Umgebung wird neu, raus aus der bekannten oder zumindest überschaubaren und entsprechend mit Hinweisen eingerichteten Wohnung, den dunklen vier Wänden. Namen werden sich notiert und nachgelesen, ein begleitetes Vorgehen, das Publikum gleichzeitig an die Hand genommen und dennoch und deswegen im Unwissen gelassen für lange Zeit, eine Reise nach vorn und eine Reise in die Vergangenheit. "Weißt du noch, wann das war?" wird hier von mancherlei Personen gefragt, auf das früher angespielt, das Gedächtnis angeregt, völlig neue Informationen geboten, lückenhafte Gespräche, schwierige Konversation. Ein Krimi aufgemacht, ein Cold Case - Fall, genauso trübe wie die Lichtsetzung hier, wie die Methodik der Polizei damals und früher, sich auf einen Verdächtigen gestürzt und den Rest ignoriert, ein Weg allein versucht und Mysteriöses drumherum beobachtet und arrangiert. Lebenserhaltend betreut war man einmal, ein Unfall unter Alkoholeinfluss und ausschweifender Sucht, nun die Gehirnzellen angeregt erneut, dazu einschneidende Einfälle und mehr verwirrende als aufklärende Augenblicke, das holprige Gedächtnis zusätzlich belastend zu den grundsätzlichen mysteriösen Fragen. Ein ausgedehnter Konsum des Krimis, verbal drangehalten und mit Unterstützung vielerlei Dialogen und schriftlichem Wesen, mit Äußerungen und Bebilderungen auch anderer Figuren, "häppchenweise", wie "Teile eines Puzzles, auf dessen Fertigstellung man warten muss", ein Begleiten fremder oder fremdgewordener Blickwinkel, ein Auseinandernehmen der damaligen Ereignisse, eine völlig neue Geschichte aufgemacht mit vielen Unbekannten, mit vielen Kontroversen und Genredarbietungen. Gedächtniskonsolidierung, therapeutische Hilfe, emotionale Notlagen, Fachbereich Psychologie, Memory - Sein letzter Auftrag (2022) hat eine ähnliche weiterführende Thematik zuletzt bereitgehalten und A Killer’s Memory (2023), mit Liam Neeson respektive Michael Keaton in der Hauptrolle, jeweils ebenso hervorstechend porträtiert und gleichzeitig sich mehr auch auf das Umfeld allgemein konzentriert, die Schwierigkeiten im Leben und in der Arbeit.
Basierend auf dem 2017 veröffentlichten "The Book of Mirrors" von E.O. Chirovici, hier adaptiert von Adam Cooper als Co-Autor neben Bill Collage und im Feature Film Debüt, eine verschlüsselte Herangehensweise an das Material, wie eine sich mehrfach öffnende Kiste mit allerlei Geheimfächern und diversen verborgenen Mechanismen, mit sich erst später zeigenden Perspektiven. Der Autor schreibt "die Wahrheit der Geschichte, so wie er sie für wahr hält.", ein Überschreiben von scheinbaren Tatsachen und für deutlich gehaltenen Fakten, eine dustere Bebilderung, mehrere Personen hier in Augenschein genommen. Ängste werden aufgewühlt, Recherchen angestellt unterschiedlicher Art, Trauma und Träume offengelegt, das Bewusstsein, das Unterbewusstsein und die Offenbarung und die Verdrängung, einzig mit Karen Gilian als zweiten prominenten Darsteller besetzt, aber mit weiteren hervorstechenden Akteuren und der Aufmerksamkeit auf deren Spiel. Narrativ eine Katalogisierung von Begebenheiten, von Gefühlen, von Äußerungen um Umsetzungen von Gedanken, von Verlockungen und Verführungen und Widerstreben, es werden Vereinbarungen getroffen und ungeplante Änderungen und ungewollte Lösungen. Dabei erreicht die Geschichte in der Geschichte durchaus seine eigene Aufmerksamkeit, durch neue Perspektiven, durch weitere Gedanken und Analysen, durch provozierendes Spiel, durch Auftauchen und Verschwinden von Personen und Gegenständen, "Ach, leck mich doch am Arsch, du Wichser.", ein Anschlag mit dem rasenden Wagen, mit der gezückten Pistolen und mehreren Einschüssen die Antwort.
Crowe agiert dabei involvierend in seinem Auftreten, eine Härte und eine Schwäche, es gibt viele "vielleicht" und "irgendwas" und "wenn" und "aber", träumerische Sequenzen Richtung Halluzination, Hypnose, Suggestion, schmerzhafte Auftritte und trotz der Größe und der Breite eine unsichere Präsentation, mehrfache Suchen einer und/oder mehrerer Identitäten, werden die Toten befragt und andere 'Gespenster', ein Déjà-vu, ein Schatten der Vergangenheit, Manche Lügen sterben nie.