„Wenn die Gondeln Trauer tragen“ ist ein ruhiger Thriller, nicht unähnlich der Art von Film, wie M. Night Shyamalan sie später machte. Doch Shyamalan kann’s spannender als Nicolas Roeg.
Dabei ist die Handlung im Grunde genommen komplett simpel, auch wenn Roeg sie ziemlich kompliziert und verschachtelt erzählt: Die Tochter von John (Donald Sutherland) und Laura Baxter (Julie Christie) ertrinkt, was den beiden einen schweren Schlag verpasst. Als John einige Zeit später beruflich nach Venedig muss und Laura mitnimmt, wird Laura auf mehr oder minder paranormale Art mit ihrer verstorbenen Tochter konfrontiert.
Daran bastelt „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ eine Schlusspointe, die durchaus stimmig ist und ein alles andere als handelsübliches Ende einleitet, aber irgendwie hat man den Braten schon im Voraus gerochen. Doch was genau am Ende passieren wird, kann man nicht vorhersagen, sodass der Film hier überraschen kann.
Leider dümpelt Roegs Werk in der Mitte nur so vor sich dahin und es passiert wirklich so gut wie gar nichts. Da kann man sich jetzt einen Ast ob der achso tollen Atmosphäre freuen, aber etwas weniger und etwas mehr Inhalt hätte „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ gut getan. Denn nach der x-ten Andeutung inklusiver falscher Fährte möchte man nur noch gähnen, ehe dann die Schlusspointe kommt und wieder etwas herausreißt.
Doch trotz der Meckerei über den Mangel an Inhalt, muss man die Atmosphäre dennoch loben: Wirklich verstörend und ab und zu auch packend. Nur halt nicht packend genug, um den Mangel an Wendungen und Fortgang der Handlung zu überdecken. Im Gegensatz zu den Werken M. Night Shyamalans streut „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ auch nicht genug subtile Verweise auf das Ende, sodass der Wiedersehwert auch nicht so hoch ist.
Schauspielerisch geht das Ganze in Ordnung, denn Donald Sutherland und Julie Christie verstehen ihren Job. Man kauft den beiden das trauernde, verwirrte Paar ab, da sie es absolut glaubwürdig verkörpern. Auch die Nebendarsteller sind recht gut, aber ehrlich gesagt fokussiert „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ seine beiden Hauptdarsteller sehr stark, weshalb man vom Rest wenig mitbekommt.
Unterm Strich ist „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ wohl arg Geschmackssache, denn auch wenn ich die Atmosphäre wirklich loben muss, so war mir der Film insgesamt zu wenig spannend und zu handlungsarm, weshalb ich den Klassikerstatus auch nicht nachvollziehen kann.