Review
von Mountie
Nach dem dem tragischen Tod ihrer kleinen Tochter Christine, reisen der Restaurateur John Baxter (Sutherland) und seine Frau, Laura Baxter (Julie Christie) nach Venedig um ihrer Trauer zu entkommen. Während ihres Aufenthalts begegnen sie einem mysteriösen Schwesternpaar, Heather und Wendy. Als Laura und die Schwestern ins Gespräch kommen, offenbart die blinde Heather, Laura, daß sie Tote sehen könne und demzufolge auch ihre Tochter. John, ein Rationalist, hält das für kompletten Unsinn und versucht Laura, die dieser Vorstellung nicht unbedingt abgeneigt ist, davon abzubringen. Zu groß ist bei ihm die Angst, daß bei Laura ,die an schweren Depressionen leidet, eine Verschlimmerung durch solche Gedanken zu Tage tritt. Durch den Umstand, daß gerade ein ominöser Frauenmörder Venedig unsicher macht, stärkt sich Johns Skepsis über die beiden Schwestern.
Nicolas Roeg fängt Venedig als einen bedrohlichen, düsteren und beklemmenden Ort ein. Hier wirkt nichts freundlich, selbst an sich harmlose Figuren wie der Bischof oder der Hotelier, verhalten sich merkwürdig und geheimnisvoll. Alles scheint das Seelenleben, der beiden vor Trauer und Vorwürfen vergehenden Protagonisten, wieder zu spiegeln. Das einzige was aus diesem grau verschleierten Bild heraus sticht ist die symbolhafte Farbe Rot. Etwa der rote Regenmantel den Christine am Tag ihres Todes getragen hat, der nun scheinbar immer wieder in den verwinkelten Gassen Venedigs auftaucht. Oder die Grablichter die am Bett des Bischofs stehen. Das die Farbe Rot eine besondere Bedeutung besitzt wird einem schnell bewußt. Aber Vielmehr ist der Film geradezu voll mit Metaphern und Andeutungen die auf bereits passiertes wie auf zukünftiges anspielen. Gerade deshalb ist dies einer der wenigen Horrorfilme die ihre volle Wirkung mit jedem mal mehr sehen preisgeben. Und damit reiht er sich neben, u.a. "Rosemary's Baby" und "The Shining" in einen elitären Kreis.
Die Schauspieler liefern hier eine absolut überzeugende Leistung ab. Ja viel mehr würde ich sie zu den besten in den Karrieren von Sutherland und Christie zählen. Alleine die berühmte und wohl beste Sexszene der Filmgeschichte hätte wohl ohne ihre zurückhaltende, zarte und stets glaubhafte Darstellung nicht jenen Status erreicht. Auch die Musik von Pino Donaggio paßt sich wunderbar dem morbiden, traurigen und gleichzeitig wunderschönem Flair des Film an. Natürlich darf hier nicht Daphne du Maurier vergessen werden. Aber ihre 1971 erschienene, gleichnamige (Originaltitel) Kurzgeschichte besitzt sicher nicht die enorme Komplexität des Films. Das liegt schon alleine an der Tatsache, daß jene Kurzgeschichte nicht einmal 50 Seiten umfaßt. So haben wir, zumindest sehe ich das so, die Seltenheit, daß ein Film besser als seine literarische Vorlage ist. Aber da scheiden sich sicherlich die Geister.
Nicolas Roeg hat mit "Dont look now" ist ein stilles Meisterwerk geschaffen, daß mit wachem Geist gesehen werden sollte. Ansonsten könnten sehr schnell Ermüdungserscheinungen eintreten. Denn auf reißerische Schockszenen legt es dieser Film nicht an. Vielmehr wird man mit immer beunruhigender werdenden Szenen, und einer langsam aufbauenden Spannung in einen Sog hineingezogen, der sich in einem abgründig verstörenden und gleichsam faszinierendem Ende entlädt.