Das Ehepaar Laura und John Baxter (Julie Christie, Donald Sutherland) zieht es Monate nach dem Tod ihrer Tochter nach Venedig, wo John eine alte Kapelle restauriert. Geplagt von immer extremeren Visionen und unerklärlichen Vorkommnissen beschließen beide, abzureisen, doch in Johns Panik scheint alles auf eine Katastrophe hinzulaufen.
Rätselhaft und erschütternd bis ins Mark, das trifft "Wenn die Gondeln Trauer tragen" auf den Punkt. Ein besonderer Horrorfilm, der seine Faszination nicht aus plumpen Schockeffekten zieht, sondern aus der morbiden, trostlosen Stimmung der Stadt Venedig, die man hier einmal von einer ganz anderen Seite zu sehen bekommt. Bis auf die großartig montierte Erotiksequenz von Sutherland und Christie bekommt der Zuschauer kaum Augenblicke des Glücks geschenkt, die zunehmende Düsternis zieht sich von einer Szene zur nächsten, unterlegt von einer rätselhaften christlichen Symbolik, die immer wieder auftaucht.
Die Schnitte tragen zur Verunsicherung bei, kaum normale Kameraeinstellungen, Roeg scheint stets zu experimentieren und legt dabei eine ungewöhnlich hohe Schnittfrequenz an den Tag. Dennoch wirkt das niemals überhastet, sondern steigert sich immer weiter bis zum unausweichlich scheinenden Ende, das einige Fragen klärt, aber noch mehr aufwirft, sodass man fast benommen im Sessel sitzen bleibt.
Erstklassige Gänsehautszenen (Tod des Mädchens, Unterhaltung der beiden alten Damen auf der Toilette mit Laura, Johns Visionen etc.) runden einen der gelungensten Horrorfilme der 70er Jahre ab. Für Fans des stillen Grusels eine echte Offenbarung, einer von den Filmen, die man heutzutage kaum mehr zu Gesicht bekommt. Gerade das sollte man an "Wenn die Gondeln Trauer tragen" zu schätzen wissen!