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New York: Der mürrische Einzelgänger-Bulle Deo Russo bekommt von seiner Vorgesetzten Walden die junge Rookie-Polizistin Angela Dutton aufs Auge gedrückt, was diesem natürlich mächtig gegen den Strich geht. An ihrem ersten gemeinsamen Arbeitstag erleben die beiden dann so einiges Aufregendes: Zuerst ein Frühstück mit glutenfreien Bagels und anschließend rettet man den vor einem Supermarkt angeleinten Hund eines Opas, der mit 'nem Herzkasper umgekippt ist und nun im Krankenhaus liegt. Als Highlight des Tages bringt dann Angelas rückfällig gewordener Junkie-Bruder Paul seine Freundin und deren Sohn um die Ecke... Boll is back, Baby! Nachdem das Enfant terrible aus Wermelskirchen dem Film-Business ein paar Jahre lang den Rücken gekehrt hatte, hat sich Uwe Boll bereits 2022 mit "Hanau" provokativ zurückgemeldet und ist seitdem auch fast schon wieder in gewohnter Frequenz am werkeln... und das dieses Mal sogar ohne irgendwelche Videospiel-Vorlagen in der Hinterhand. Was "1968 Tunnel Rats" damals für den Vietnamfilm gewesen ist, ist "First Shift - New York Rookie" nun zweifellos für das Sujet des Polizeifilms à la "The French Connection", nur dass Boll William Friedkins besagten Klassiker doch sehr viel weniger verstanden hat als Oliver Stones "Platoon" und insbesondere dessen dokumentarischen Touch in den falschen Hals gekriegt hat: Handwerklich ist "First Shift" gar nicht mal so unansehnlich und die eingefangenen New York-Bilder vermitteln auch durchaus Authetizität, aber der Streifen hat ganz einfach das eklatante Problem, dass er wirklich NICHTS von Belang zu erzählen hat! Ich bin mir sicher, dass sich Boll selbst als Regisseur und Drehbuchautor die Angelegenheit insofern schönreden kann, als dass er vermutlich beabsichtigt hat, den Arbeits-Alltag eines New Yorker-Cop-Duos einigermaßen realistisch auf die Leinwand zu bringen - und das wahre Leben folgt ja auch nur selten einer Dramaturgie, newa? - aber er übersieht dabei halt, dass ein fast völliger Verzicht auf eine Narrative oder sowas wie 'nen Plot irgendwie noch keinem Film so wirklich zum Vorteil gereicht hat. In seinen besseren Momenten, in denen er seine beiden Hauptdarsteller einfach mal machen lässt, wirkt "First Shift" dann auch eher wie der Pilotfilm für eine zweitklassige 90er Jahre-Cop-Serie... und in seinen schlimmsten wie ein hinimprovisierter Throwback zu Bolls frühen filmischen Gehversuchen (und damit meine ich nicht "House of the Dead - Der Film", sondern "Amoklauf", "German Fried Movie" und "Barschel - Mord in Genf"!), der sinnlos Zeit totschlägt und nichts als Langeweile produziert. Nebenbei gibt es zwar auch noch ein wenig Gangster-Gedöns und ein paar Exekutionen, aber die verschiedenen Handlungs-Stränge überschneiden sich da wirklich nie (Die Sache mit dem Hund ist tatsächlich die Main-Storyline!). Aus dem Umstand, dass die junge Polizistin sehr zeitgeistig nebenbei auch noch als Social-Media-Influencerin unterwegs ist, was ja durchaus Gelegenheit für genauere Beobachtungen oder den einen oder anderen kritischen Kommentar gegeben hätte, macht der Streifen auch gerade mal überhaupt garnichts. Ey, es kann doch nicht sein, dass die beste Szene in einem Cop-Drama die ist, in der die beiden Protagonisten mit ihrem Wagen in der Gegend rumkurven und sich über Creampies unterhalten! Dass das Ganze da schlussendlich auch nur Groundwork und Vorbereitung für einen final angeteaserten zweiten Teil ist, schlägt dem Fass dann echt den Boden aus. Ich war Uwe Boll schon vor über zwanzig Jahren wohlwollender gesonnen als der durchschnittliche Filmegucker und bin auch nicht der Meinung, dass er bislang ausschließlich Scheisse fabriziert hat (und auf "Postal" lass' ich nach wie vor nichts kommen!), aber "First Shift - New York Rookie" ist wirklich einer seiner schlechtesten Filme gworden. Bei der Wertung sind ergo - auch in Hinsicht auf die soliden Darsteller, denen nichts vorzuwerfen ist -  bereits alle Augen zugedrückt.

3/10

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