Review

"He's set himself a path. This is just the beginning."

Schon von der Besetzung her merkwürdige Mischung aus einem Regisseur von normalerweise Fernsehserien oder -filmen, der hier ein vollkommen unterschiedliches Trio an Darstellern dirigiert, von denen es zwei, namentlich Vincent Cassel und Samuel L. Jackson auch auf das Poster geschafft haben, der eigentlich im Mittelpunkt stehende Gianni Capaldi aber nicht. Capaldi, der zuletzt in so glorreichen Werken wie The Commando (2022), A Day to Die (2022) oder King of Killers (2023) in zuweilen winzigen Nebenrollen aufgetreten und dort und selbst in der Kürze eher unangenehm aufgefallen ist, hat das Werk hier (im Sinne von selbst angekündigt Sieben, 1995, Der Knochenjäger, 1999 und Zodiac - Die Spur des Killers, 2007) mitverfasst und auch produziert, sich also quasi selber in das Geschehen geschrieben und in den Fokus gerückt. Was einiges erklärt:

Detective Dan Lawson [ Samuel L. Jackson ] aus Chicago wird um Unterstützung bei einem gravierenden Mordfall in Edinburg gebeten, Lawson hatte zusammen mit seinem damaligen Partner Walker Bravo [ Vincent Cassel ] ähnliches zu Gesicht bekommen müssen und soll zun klären, ob es sich um den gleichen Täter handelt oder eine Nachahmung. Nach der Ankunft in Schottland wird er von dem unter Aufsicht von seinem Vorgesetzten Laura Kessler [ Kate Dickie ] den Fall bearbeitenden Detective Chief Inspector Glen Boyd [ Gianni Capaldi ] mit den Begebenheiten vorgestellt, bittet aber trotzdem den mittlerweile in England lebenden und den Polizeidienst an den Nagel gehängten Bravo um Rat und Tat, die dieser auch nachkommt. Schnell konzentriert sich der Fokus auf Avery Thompson [ Brian McCardie ], einen Nachbarn des ersten Opfers, und Colin McGregor [ John Hannah ], einen Exfreund des baldigen zweiten.

Wie auch bei dem darstellerischen, inszenatorischen, inhaltlichen Fiasko Crescent City (2024, mit u.a. Terrence Howard, Esai Morales, Alec Baldwin und Nicky Whelan, auch eine eher seltsame Mixtur) ist hier Lionsgate und damit verbunden Grindstone Entertaintment Group verbunden am Werkeln; erstere Firma in letzter Zeit nur wegen gleich mehrerer Kinomisserfolge in den negativen Schlagzeilen, ist der Ruf erst ruiniert. Der Anfang von hier könnte auch der Anfang von dort sein, man wird Zuschauer eines Mordes, und die Polizeisirenen heulen. Neu ist, der tödliche Akt selber wird einem erspart, und noch ist es eine Großstadt hier, wo es spielen soll, eine Metropole an der Ostküste, die Streifenwagen treffen an einem (anderen) Tatort ein, der Himmel ist am Schütten.

Der Polizist ist hier hat genauso Probleme wie die Kollegen in Crescent City, das Duo dort, oder die Blaue Wand in Boneyard, die Filme schreiben sich nicht von alleine, man benutzt bekannte Dinge, die man zusammenrührt und kombiniert, die man etwas neu abmischt und dennoch auf bekannte Art und Weise generiert. Hier ist es der Alkohol, der konsumiert wird, vor, während und nach dem Dienst, der Trost im Hochprozentigen, die Sinnsuche in der Flasche, meist der erste falsche Weg. Eine Ortsveränderung steht an, das hilft schon mal, zudem wird frische Arbeit geboten, und man trifft auf neue und auf alte Bekannte. Von Chicago nach Edinburgh, ein weiter Weg, ein langer Flug, ein gänzlich anderes Terrain. Schauplatzmäßig wird einem dabei und dadurch schon einiges geboten, einiges vorgetäuscht natürlich, eine filmische Illusion, keine Dokumentation; zum Glück auch, die Bilder sind zuweilen gruselig genug. Der Akzent vor Ort (gedreht wurde bei Livingston in West Lothian) ist schwerer, der neue Partner hat selber gut zu tun, die Inszenierung wirkt etwas besser, nicht so abgehakt, aber nicht unbedingt edler. Dort eine Kirche, hier eine Synagoge, Satanisten werden in das Spiel gebracht, schiefgegangene Religion, die Anschlüsse wirken besser, man kann den Personen und ihren Handlungen folgen. Eine Art Krimi, nicht britisch, sondern schottisch wird hier angepeilt, mit Grafiken nicht für das fernsehen, zumindest nicht fürs Vorabendprogramm, und vielleicht auch nicht die Primetime.

Ermittlungen werden angestellt, Gespräche geführt, der Kreis der Verdächtigen ist überschaubar, in anderen Werken hatte man alle oder keinen; Jackson ist durchaus anwesend in der Szenerie, er leitet ein, auf Capaldi bleibt zwischenzeitlich aber die Kamera, er ist der Mann vor Ort, cineastisch 'the person of interest'. Um was es hier auch geht, neben dem Schröpfen der Minibar, und dem Umgang mit Verlust und Trauer, ist ein tief innenliegendes Drama, eerrie music, somber music, ominous music, eine Einsamkeit, die durchaus bewusst gemacht wird und formuliert mit wenigen Bildern, mit einer gewissen Überzeugung des Gezeigten. Eine kurze Verfolgung wird eingespielt, eine erste von derer zweien, einiges wird geklärt, das Meiste ist noch im Unreinen. Die Stadt hier wird nicht schöner, von einigen Panoramen einmal abgesehen, viele kleine simple Straßenbilder, dazu deutlich im Studio gedrehte Fahrszenen, von den Dialogen aber besser, selbst vom Spiel, selbst in der Entwicklung, es gibt ein vor und ein zurück, nicht bloß ein Kuddelmuddel, welches sich selber im eigenen ausgeworfenen Netz verstrickt. Es wird sich mehr mit der Thematik befasst, eingelesen, einige Wahrheiten ausgesprochen und zuvor geschrieben, man hat als Autoren auch Koji Steven Sakai (von ebenfalls Boneyard) an Bord, es ist nicht dessen erster Serienkillerthriller, eine Beschäftigung mit dem Genre, kein einnehmendes Wesen. Cassel kommt nach etwa einer halben Stunde in das Spiel, macht seine Aufwartung, Die Purpurnen Flüsse Teil 3 quasi, wenn man das so will; qualitativ sieht das natürlich etwas anders aus, aber man gibt dem Film zusätzlichen Reiz, eine spezielle kleine Würde, etwas konstitutionelle Spannung mit bei.

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