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Als in einem nicht näher bezeichneten afrikanischen Land die Revolution ausbricht, verändert dies auch das Leben von Fred (Franck Gastambide) entscheidend - denn der sportliche Mittvierziger, der sich bei einem steinreichen Einheimischen als einer von mehreren Leibwächtern verdingt hatte, verliert damit über Nacht seinen Job. Als die neuen Machthaber seinen Dienstherrn in dessen Villa kurzerhand erschießen, wird es auch für Fred Zeit, zu verschwinden - allerdings würde er vorher noch allzugern den Safe des splendiden Anwesens leeren. Einen Spezialisten für den Geldschrank hat er auch schon an der Hand: es ist sein Bruder Alex (Alban Lenoir), der allerdings wenig Lust auf derlei krumme Touren hat und sich nur widerwillig bereiterklärt, mitzumachen. Doch als die beiden daraufhin nachts zu Werke gehen, tauchen die Revolutionäre auf und buchten Alex ein, während Fred - von ihnen unbemerkt - entkommen kann.
Während Alex monatelang im Wüstenknast verbringen muß, ergibt sich für Fred erst nach einiger Zeit eine Gelegenheit, seinen Bruder freizubekommen: nämlich als er den heiklen Auftrag erhält, eine brennende Gasquelle mittels speziellem Sprengstoff zu löschen. Dem französischen Mutterkonzern gelingt es, den für diese Mission als unverzichtbar bezeichneten Alex aus dem Gefängnis zu holen, und so macht sich unter der Führung des zwielichtigen Franzosen Gauthier (Sofiane Zermani) schon bald ein mehrköpfiges Team auf den gefährlichen Weg durch die Wüste. Doch nicht nur der brisante Sprengstoff - es handelt sich dabei um in kleinen Flaschen verpacktes, stoßempfindliches Nitroglyzerin - birgt Gefahren, sondern auch das von Rebellen kontrollierte und verminte Terrain, auf dem sich der aus zwei LKW, einem PKW und einem vorausfahrenden Motorrad bestehende kleine Konvoi bewegt...

Mit einem erfahrenen Regisseur wie Julien Leclercq (Im Auge des Wolfes, Erde und Blut) und den angesagten Action-Stars Lenoir (Verirrte Kugel) und Gastambide (Sans Répit - Ruhelos) in den Hauptrollen plus einer berühmten Vorlage (der 1953er Lohn der Angst mit Yves Montand ist längst ein Klassiker) sollten eigentlich beste Voraussetzungen für einen Top-Thriller vorliegen, doch die mittlerweile dritte Verfilmung des 1950er Romans Le salaire de la peur versagt beinahe auf ganzer Linie. Dies liegt zum größten Teil an einem lustlos und schlampig verfassten Drehbuch, das den holzschnittartigen Charaktären keinerlei Entfaltungsspielraum zugesteht und der jederzeit vorhersehbaren Handlung außer ein paar zeitgenössischen Akzenten keinerlei Ideen oder Wendungen gönnt. Dazu gesellen sich neben einigen bestenfalls mäßig getricksten CGI-Explosionen diverse Logik- und Filmfolgefehler.

Das zerstrittene Brüderpaar, bei denen sich Lenoir bis auf eine kurze Knastprügelei ungewohnterweise diesmal nicht durchboxen muß, findet erst am Schluß auf melodramatisch-kitschige Weise zueinander, nachdem sämtliche anderen Mitspieler erwartbarerweise unterwegs verloren gegangen sind; die Bösen bekommen, was sie verdienen, und Lenoirs Figur darf zum Schluß als freier Mann wieder zu seiner Familie zurückkehren. Gähn!

Wenn wenigstens der Weg dorthin halbwegs spannend verlaufen wäre! Doch statt heißer Wüstenaction fahren da zwei LKWs durch relativ flaches Gelände und werden bestenfalls durch vergrabene Minen irritiert. Der von Anfang an unsympathisch und arrogant auftretende Gauthier bleibt seiner Stinkstiefel-Rolle dann auch treu, gibt jedoch keinen ernstzunehmenden Gegner der beiden Brüder im anderen LKW ab. Dem Zeitgeist geschuldet ist auch eine Entwicklungshelferin mit an Bord, da das von ihr betreute Lager sich ebenfalls auf einer gefährdeten Gasblase befindet. Ach ja. Und im Hintergrund mauschelt ein französischer Konzern, der den angeheuerten Glücksrittern nicht die volle Wahrheit erzählt.

Dazu kommen dann ein paar wenige Verfolgungen, bei denen von hinten auf die LKWs geschossen wird, was deren mit Gummizügen flexibel befestigte brisante Ladung entgegen jeder Wahrscheinlichkeit jedesmal unbeschadet übersteht. Das mag man vielleicht noch in Kauf nehmen, doch die Schnittfehler beim sich unlogisch vergrößernden Abstand der Verfolger sind dann schon ärgerlich. Ein anderes Mal begleitet den Konvoi ein zusätzlicher PKW (wo kam der her?) und als der letzte Offroader dann mit technischem Gebrechen liegenbleibt, zaubert die Regie schließlich ein Quad aus dessen Eingeweiden. Als man auf einer verminten Straße erste Verluste hinnehmen muß, beschließt man dort einfach weiter vorwärts zu kommen, an einen Umweg denkt niemand, vielleicht auch weil irgendwelche Beduinen aus dem Hinterhalt ziemlich schlecht schießen. Apropos schießen, später wird jemand mit nur einer Kugel aus dem Führerhaus geballert und für tot gehalten, dennoch teleportiert sich dieser dann hunderte Meter weiter auf irgendein Feld (wtf?), wo er später wieder aufgelesen wird und noch ein bißchen tragischer Held spielen darf (die Verletzung war wohl nicht so schlimm).

Es fällt durchaus schwer, in diesem enttäuschend lahmen Streifen überhaupt etwas Positives zu finden, immerhin erbaulich fiel mir die Wahl der Fahrzeuge auf, denn statt Renault- oder amerikanischen Trucks entschied man sich für die guten, alten deutschen MAN gl, was dieses ausgesprochene Schnarchfest aber natürlich auch nicht mehr zu retten vermag.
Wer ein temporeiches, spannendes Wüsten-Roadmovie wie beispielsweise (den mittlerweile auch schon über 20 Jahre zurückliegenden 2002er) Sweat erwartet hatte, wird vom 2024er Le salaire de la peur ebenso bitter enttäuscht sein wie jene, die auf eine zeitgenössische Neuauflage des 1953er Klassikers gehofft hatten. Mit sehr viel gutem Willen sind das gerade noch 4 Punkte.

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